Fotomotive: Wald und Bäume

Fotomotive: Wald und Bäume
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Der Wald ist ein Mikrokosmos an Motiven – Bäume mit archaischen Formen und Oberflächenstrukturen, das Wechselspiel von Licht und Schatten, Blätter und Pilze in Nahaufnahme – all das kannst Du fotografieren. Lohnenswerte Motive findest Du auf der ganzen Welt, oft auch vor der eigenen Haustür. Wir zeigen Dir Beispiele aus allen Jahreszeiten. Daher zeigen wir Dir heute, wie Du den Wald und die Bäume fotografieren kannst.

Kommentar vom Autor Karl Stechl:

Siehst Du den Wald vor lauter Bäumen nicht? Die Frage trifft den Kern des Problems, wenn man mit der Kamera im Wald steht und versucht, Ordnung in das Chaos aus Formen, Strukturen und Details zu bringen. Was tun? Mal mag es sinnvoll sein, Abstand zum Motiv zu gewinnen, ein andermal hilft es, wenn man ganz nahe herangeht. Außerdem verändern sich die Waldmotive im Wechsel der Jahreszeiten, mit dem Wetter und den Lichtverhältnis- sen. Wir helfen Dir, die Vielfalt dieses Fotothemas auszuloten.

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Fragen der Perspektive

Fotos von Wald und Bäumen
Teleobjektiv: Beim Blick in den Buchenwald mit dem 300-mm-Tele erscheint der Raum verdichtet. Das enge Nebeneinander der Baumstämme schafft eine starke grafische Wirkung.
Foto: Rainer Mirau; Canon EOS 5D MkII | 300 mm | ISO 100 | F10 | 2 s

Landschaftsfotografie verbindet man vor allem mit Begriffen wie Weite und Größe. Natürlich gibt es riesige Wälder, doch um sie als Ganzes zu fotografieren, braucht man einen Berggipfel als Aufnahmestandort oder eine Fotodrohne in luftiger Höhe. Viel häufiger wird man mit der Kamera vor oder in einem Wald stehen und zu­ nächst feststellen, dass aus dieser Per­spektive vieles unspektakulär, wenn nicht gar langweilig wirkt.

Um ein größeres Waldstück abzulich­ten, gehe auf Abstand: Zwischen Dir und dem Wald muss sich eine größere Freifläche wie eine Lichtung oder ein See befinden. Beim Fotogra­fieren von Baumgruppen richtest Du die Kamera lotrecht aus, ähnlich wie bei Architekturaufnahmen.

Eine wei­tere Möglichkeit besteht darin, schräg oder senkrecht nach oben in die Baum­kronen zu fotografieren. Auf diese Wei­se lässt sich gut die Höhe von Bäumen visualisieren. Selbst die Mittagssonne, die man sonst gern meidet, stört dabei nicht, weil das Gegenlicht die Farben des Laubwerks zum Leuchten bringt. Aus der Wahl des Aufnahmestandorts und der Perspektive ergeben sich Prä­ferenzen für die Objektivbrennweite. Weitwinkelobjektive betonen den Vor­dergrund und erzeugen Tiefe. Damit kann man Schwerpunkte setzen, wenn das gleichförmige Nebeneinander von Bäumen unattraktiv wirkt. Im Gegen­satz dazu „verdichten“ lange Brenn­weiten den abgebildeten Raum und verstärken so die grafische Wirkung von Motiven. Ein Standardzoom, zum Beispiel ein 24­105 ­mm­ Objektiv, ver­schafft Flexibiliät, wenn sich der Abstand zum Motiv nicht beliebig va­riieren lässt, was im Wald häufig der Fall ist.

Bäume und Wald fotografieren
Weitwinkelfotografie: Das 17-mm-Weitwinkelobjektiv betont den Vordergrund; der schräg stehende Baum erzeugt Dynamik. Ein Neutraldichte­filter (ND4) verlängert die Belichtungszeit, um das fließende Wasser mit Bewegungsunschärfe abzubilden.
Foto: Reiner Mirau, Canon EOS 5D MkIII | 17 mm TS | ISO 50 | F13 | 1,6 s

Kommentar vom Autor Rainer Mirau:

Zeit im Wald zu verbringen, ist mittlerweile eine anerkannte Therapie gegen Stress und inneres Ungleichgewicht. Wen wundert’s: Die Ruhe, die Luft, die Farben des Walds sind wertvolle Zutaten, die uns im stressigen Alltag fehlen. Ein großformatiges Waldfoto kann ein Stück von dieser Ruhe in die eigenen vier Wände bringen. Ich genieße es sehr, auf der Suche nach Foto­ motiven an einem bewölkten oder nebligen Tag stunden­ lang durch den Wald zu streifen.

 

Wald und Bäume in Bezug auf Licht und Wetter fotografieren

Wald und Bäume fotografieren
Farbkontrast: Das intensive Grün des Hauptmotivs kontrastiert zum Grau des Hintergrunds, wo die Bäume im Nebel nur noch schemenhaft zu erkennen sind. Man nennt das auch Intensitätskontrast.
Foto: Rainer Mirau

Beim Fotografieren gibt es Faktoren, die man nicht beeinflussen kann, obwohl sie für die Bildwirkung be­sonders wichtig sind. Dazu gehören die Wetterverhältnisse und die damit ver­ bundenen Lichtbedingungen. Die gute Nachricht: Abgesehen von strömen­dem Regen gibt es im Wald kein Wetter, das man zum Fotografieren uneinge­schränkt als schlecht bezeichnen könn­te. Die Baumkronen verdecken den größten Teil des Himmels, der deshalb nur wenig Bildinformation zum Wetter liefert. Was bleibt, ist die aus der Wet­terlage resultierende Lichtqualität, die recht unterschiedlich ausfallen kann. Dunst oder bedeckter Himmel sorgen für eine ausgewogene Beleuchtung mit niedrigen Kontrasten. Sonnenschein dringt unter Umständen nicht in die Tiefe des Walds vor, während die Baumkronen sehr hell werden können. Dann übersteigt der Motivkontrast schnell den Dynamikumfang der Ka­mera, obwohl dieser oft bis zu 15 EV­ Werte beträgt. Auch sollte man berück­sichtigen, dass die Sensordynamik bei höheren ISO­Einstellungen abnimmt.

Wald und Bäume fotografieren: Beispielfotos

Die Bildwirkung ist entscheidend

In freier Landschaft ist die Blickrich­tung meist entscheidend für die Bild­wirkung. Im Wald haben wir wegen der sich wiederholenden Formen mehr Freiheiten, den Kamerastandpunkt zu wählen. Eine kleine Drehung – und aus Auflicht wird Seitenlicht. Eine Drehung um 180 Grad verwandelt Gegen­- in Frontallicht und umgekehrt. So können wir unser Motiv belichungstechnisch optimieren. Nur bei freistehenden Bäu­men ist es oft notwendig, die aus foto­grafischer Sicht optimale Aufnahme­ und Sonnenposition zu planen.

 

Nahaufnahmen

Wald und Bäume fotografieren
Doppelkontrast: Zwischen den kleinen grünen Blättern und dem größeren braunen Blatt ergibt sich ein Komplementärfarbenkontrast, der durch den Größenkontrast verstärkt wird.
Foto: Karl Stechl, Sony A7 III | 105 mm (24-105 mm) | ISO 200 | F16 | 1/6 s

Pflanzen und andere Naturdetails zählen zu den bevorzugten Makromotiven. Im Wald sind es vor allem Pilze und Moose, aber auch einzelne Blätter oder Blüten, die sich in Szene setzen lassen. Was man wissen sollte: Je näher man dem Motiv mit der Kamera kommt – das heißt, je größer der Abbildungsmaßstab – desto geringer wird die Schärfentiefe bei einer gegebenen Blende. Im extremen Nahbereich beträgt sie selbst bei maximaler Abblendung nur wenige Millimeter. Erweitern lässt sich die Schärfentiefe durch Abblenden des Objektivs. Eine kleinere Blende als die „förderliche“ führt jedoch zu einem Rückgang der Allgemeinschärfe. Die „förderliche Blende“ wird in jedem ColorFoto- Kameratest angegeben; sie variiert mit der Größe und Auflösung des Bildsensors. In der konkreten Aufnahmesituation hilft auch eine Blendenreihe. Sie bringt ans Licht, ob der Gewinn an Schärfentiefe durch starkes Abblenden die Nachteile des Schärferückgangs aufwiegt.

Das effizienteste Mittel zum Ausdehnen der Schärfentiefe ist das Fokus-Stacking. Dafür fotografiert man eine Bildserie mit kontinuierlicher Veränderung der Fokussierung bei jeder Aufnahme. Ziel ist es, jeden Punkt des Motivs mindestens einmal scharf abzubilden. Die Anzahl der benötigten Aufnahmen hängt vom Motiv ab. Dieses Prozedere kann man automatisieren, wenn die Kamera „Fokus-Bracketing“ als Serienbildfunktion anbietet. Die damit erzeugten Einzelaufnahmen lassen sich bei der Nachbearbeitung zum Beispiel in Photoshop, Affinity oder Helicon Focus zu einem Bild mit durchgehender Schärfe vom Vorder- bis zum Hintergrund kombinieren.

Kommentar vom Autor Siegried Layda

Im unwegsamen Gelände sollte man die Entdeckerfreude nicht mit zu viel Fotogepäck hemmen: Ein Standardzoom mit 24-105 mm/KB wird den meisten Waldmotiven gerecht. Ergänzt durch Zwischenring oder Vorsatzlinse werden damit auch annähernd formatfüllende Aufnahmen von kleinen und kleinsten Objekten möglich. Ein extremes Weitwinkelobjektiv (15 mm/KB oder kürzer) oder Fisheye erweitert den fotografischen Interpretationsspielraum, ein (langes) Tele benötigt man eher selten. Nicht verzichten sollte man auf ein stabiles Stativ.

 

Bäume und Wald fotografieren: Kreative Experimente

Wald und Bäume fotografieren
Farbenspiel: Die Süntelbuchen wurden mit Blitzlicht, rot und grün eingefärbt mittels Filterfolien, selektiv beleuchtet. Das Bild ist eine Kombination aus zwölf Einzelaufnahmen.
Foto: Siegfried Layda, Sony A7R III | 39 mm (24-105 mm) | ISO 400 | F13 | 2,5 s

Die Grenze zwischen „einfacher Abbil­dung“ und fotografischer Interpretation ist fließend. Wie aber verhindern, dass kreative Experimente in Effekthascherei abgleiten? Finde heraus, was den Reiz eines Motivs ausmacht und in welche Richtung seine Wir­kung verstärkt werden soll. So können wir z.B. durch Unterbelichtung das Mystische eines Motivs betonen, mittels Polfilter das Blau des Himmels und das Grün der Blätter verstärken. Durch Langzeitbelichtung lässt sich Bewe­gung visualisieren – beispielsweise die Eigen­bewegung von Ästen, Zweigen und Blättern bei starkem Wind. Was man dafür benötigt, ist ein stabiles Stativ und – tagsüber – ein Neutral­dichtefilter, um den Verschluss der Kamera aus­zubremsen und entsprechend lange Belich­tungszeiten zu erzwingen. Herrscht dagegen Ruhe im Wald, kann man Wischeffekte durch Bewegen der Kamera erzielen.

Gefiltertes Blitzlicht

Wald und Bäume fotografieren
Glaskugel-Effekt: Die Vollglaskugel (Rollei Lensball 110 mm) ist auf einem Tischstativ befestigt und bildet die Umgebung auf dem Kopf stehend als 180-Grad- Kugelpanorama ab. Eine zweite Aufnahme ohne Kugel und Stativ vereinfacht später bei der Bildbearbeitung die Retusche.
Foto: Siegfried Layda, Sony A7R III | 12 mm | ISO 200 | F16 | 1/250 s

Mit gefiltertem Blitzlicht lassen sich Bäume in bizarre Fabelwesen verwandeln, wie man sie sonst nur aus Fantasy­Filmen kennt. Für die rot­grün beleuchteten Süntelbuchen war nur ein Systemblitz im Einsatz. Dieser wurde mit manueller Auslösung und Teleposition des Zoomreflektors verwendet, um Abschnitte der Baumstämme spotartig zu beleuchten. Zum Einfärben des Lichts kamen Filterfolien in Rot und Grün zum Einsatz. Dabei entstanden zwölf Einzelaufnahmen, die in Photoshop als Ebenenstapel zu einem Bild kombiniert wur­den (Mischmodus „Aufhellen“). Alternativ zum Blitzgerät kann man auch eine starke LED­-Taschenlampe, ebenfalls in Kombination mit Filterfolien, verwenden.

 

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