Den grauen und goldenen Herbst fotografieren – Teil 2

Im ersten Teil dieser Herbstserie hat Dir Tobias Ackermann, alias der „Lichtemotionist“ erklärt, wie Du Lichtstimmungen im goldenen Herbst erkennst und wie Du sie eindrucksvoll auf Dein späteres Foto transportierst. In diesem Artikel vertieft Tobias das Thema, Du erhältst weitere wertvolle Tipps und Tobias wirft einen Blick auf die dafür notwendigen Werkzeuge. Geben wir daher das erfahrene Wort an Tobias:

Nebel mit Grauverlaufsfilter bändigen

Zieht Bodennebel am unbewölktem Himmel durchs Land, sind das sehr gute Aussichten für einen herbstlichen Sonnenaufgang. Bei einem leichtem Bodennebel hat die Sonne eine Chance, als fahle Scheibe durchzudringen. Belohnt wird man mit zarten, erdigen Farbtönen und feinen Tonwertabstufungen, während die Sonne langsam über den Horizont wandert.
Um den starken hell/dunkel-Kontrast zwischen neblig-heller Himmelsfläche und dunkler Landschaft auszugleichen, verwende ich einen Grauverlaufsfilter. Manchmal sogar zwei übereinander, oder mache eine Belichtungsreihe. Fotografietipps zum Grauverlaufsfilter, gibt es in diesem Artikel von mir: Nebliger Sonnenaufgang mit Grauverlaufsfilter​

Die Sonne geht in Naturszene auf
Die Sonne geht in Naturszene auf

 

Feld- und Waldweg als Herbstmotiv

Der Nebel löst sich langsam auf und steigt nach oben. Ich fahre dem Nebel hinterher, es geht aufwärts. Mir kommt ein „Feldweg“ in den Sinn, der an einen kleinen Wald mit Laubbäumen grenzt.
Langsam zieht der Nebel den Hang hinauf und man sieht nun unter den Nebel hindurch.
Das Laub verteilt sich schön über den Weg. Die überhängenden Äste in ihrem farbigen Spiel ergeben eine ideale Herbstkulisse. Es macht sich bezahlt, wenn man seine Herbst-Locations kennt!

Feldweg

Bei dem folgenden Bild haben wir eine sehr interessante Verteilung von den hellen Tonwerten links oben, zu den dunklen Tonwerten rechts unten. Diese Lichtverläufe verstärken den dreidimensionalen Bildeindruck. Mit Lichtverläufen bekommt man Tiefe ins Bild. Achte deshalb darauf, diese in die Bildkomposition mit einzubeziehen. Bei diesem Bild habe ich keinen Grauverlaufsfilter angewendet und mich nur auf die richtige Belichtung des Weges konzentriert.

Ein Feldweg dient als praktisches Beispiel, das gelernte Wissen im Foto darzustellen.

Bildbausteine bei diesem Bild:

  • Schatten und Lichtverläufe > Von links oben nach rechts unten
  • Strukturen und sich wiederholende Muster > Das Laub der Kiesweg, die Wiese
  • Linien > Weg, Hügelrand und Baumränder leiten den Blick zum Ende des Weges
  • Farbkontrast > Grüne Wiese und rotes Laub

Waldweg

Es geht weiter aufwärts und langsam erreiche ich die Nebelgrenze. Die Sonnenstrahlen bohren sich durch den Nebel. Sehr eindrucksvolle Lichtstrahleneffekte ergeben sich, wenn ein durchscheinender Nebel durch die Bäume zieht und die Sonne noch flach steht. Das Zeitfenster dieser Strahlenexplosion ist begrenzt, da sie abhängig von der „Auflösungsgeschwindigkeit“ des Nebels und dem flachem Sonnenstand ist.

Die Sonne scheint wirkungsvoll durch die Äste auf den Waldweg.
Die Sonne scheint wirkungsvoll durch die Äste auf den Waldweg.

Bildbausteine bei diesem Bild:

  • Schatten und Lichtverläufe > Strahlenförmig dynamisch
  • Strukturen und sich wiederholende Muster > die Strahlen selbst
  • Linien > Weg und Hügelrand leiten den Blick zum Ende des Weges

Am Hang

Ich klettere den Abhang hoch. Als linke, natürliche Bildrahmung nutze ich den Stamm einer Linde. Die diagonale Linienführung des Hangs gibt dem Bild mehr Dynamik. Der gerade Horizont wirkt im Bild ausgeglichen und ruhig.
Der Nebel verbirgt einiges im Hintergrund, was dem Bild etwas Mystisches verleiht. Durch die roten Blätter am Boden, dem restlichen Grün an den Bäumen und dem neblig-weißen Hintergrund ergibt sich ein schöner Farbkontrast. Rot und Grün sind Komplementärfarben, deshalb verstärken diese ihre Farbwirkung gegenseitig und wirken dadurch lebendiger.

Eindrucksvolle Stimmung am Waldhang.
Eindrucksvolle Stimmung am Waldhang.

Bildbausteine bei diesem Bild:

  • Lichtverläufe > zart und milchig
  • Strukturen und sich wiederholende Muster > Strukturkontrast zwischen Ästen und Nebel
  • Farbkontrast > Laub und Nebel
  • Linien > Baumstämme und Hanglinie

Mein Ziel war es, Dir mit den Fotos die Theorie etwas zu verdeutlichen. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

Fazit

Hier möchte ich noch einmal zusammenfassen, was mir wichtig, bzw. die Kernpunkte der beiden Artikel waren:
Bildaussage und Lichtstimmungen sind Deine Partner und entscheidend dafür, Emotionen bei den Betrachtern von Landschafts- und Naturbildern auszulösen. Eine Bildaussage oder Story im Bild bringt uns auf verschiedenste Weise dazu, über das Bild nachzudenken.
Die „Lichtstimmung“ setzt sich zusammen aus:

  • dem Sonnenstand
  • den Wetterverhältnissen

Je außergewöhnlicher diese Faktoren sind, desto „emotionaler“ wird Dein herbstliches Landschafts- oder Naturbild. Bereite Dich gut vor, das erspart Dir Zeit und erhöht die Chance auf spektakuläre Lichtstimmungen. Kombiniere diese Bildbausteine. Das macht Herbstbilder tiefer und lebendiger:

  • Erdige und warme Farben in Kombination mit Komplementärfarben
  • Schatten und Lichtverläufe, weich und ausgedehnt, teilweise kombiniert mit starkem Dynamikumfang
  • Strukturen und sich wiederholende Muster, von Pflanzen und Wolken
  • Linien und Flächen wie Wege, Zäune, Wiesen- und Waldränder,… Übe das Sehen der Bildbausteine, so erkennst du mit der Zeit verschiedene Lichtstimmungen und fängst bewusst an diese zu kombinieren, dadurch werden Deine Bilder lebendig und emotionaler :-)Kombiniere nun Bildaussage mit Lichtstimmung und Bildbausteine, um Deinen Bilder Leben einzuhauchen. Ein kleines Video zum Herbstnebel gibt es noch hier auf meiner Seite.
    Wie Du den Winter fotografierst, kannst du hier nachlesen.

Kurzvorstellung. Das bin ich

Hallo, Ich bin Tobias. Es freut mich, Dich kennenzulernen.
2014 habe ich „Lichtemotionist“ gegründet, um meine Leidenschaft als Business aufzubauen. Wie ein Archäologe, bin ich immer auf der Suche nach seltenen Lichtmomenten. Dabei folge ich dem Lauf der Sonne und ziehe durch die Landschaften und Städte. Die Kunst ist, den Ort und den Zeitpunkt zu finden, an dem das Licht seine emotional stärkste Wirkung entfacht.
Ob Landschaften oder Städte, Menschen oder fiktive Figuren: Ich halte ihre verborgenen Geschichten fest und erzähle sie mit meinen Augen weiter. Ich möchte Dinge sichtbar machen, die so noch niemand gesehen hat. Ob die filigranen Muster und Strukturen, das im Schatten verborgene, oder die im grellen Licht überblendete und einzigartige Lichtstimmungen.
Um diese Schönheit zu sehen, muss ich als Fotograf oft nachhelfen. Deshalb nutze ich Hilfsmittel wie Pol- oder Graufilter und entwickle die Fotos selbst aus der RAW-Datei mit Lightroom. Für die finale Bearbeitung kommt Photoshop zum Einsatz.
„Den Menschen zeigen, was sie nicht sehen können, das Verborgene ans Licht holen, Emotionen sichtbar machen, seltene Lichtmomente entdecken – das ist meine Bestimmung.“
– Lichtemotionist –
Die Webprofile von Tobias:

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