Wie man aus einem guten Motiv ein besseres Bild macht: Wind-Kunst

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In dieser Serie machen wir uns auf die Suche nach der jeweils besten Interpretation eines Motivs. Maximilian Weinzierl zeigt diesmal seine fotografische Annäherung an ein überdimensionales Kunstwerk und wie er es in Szene gesetzt hat.

Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 11-2016.

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Maximilian Weinzierl

Die Fakten zum Foto

Bildtitel

Diese Installation von Ivan Kafka steht am Beginn des Kunstwanderwegs Eschlkam in der malerischen Landschaft des mittleren Bayerischen Walds. Titel: „Raum der Freiheit und der Schlaffheit, ein kleines erotisierendes Kunstprojekt“.

Bildidee

Die Abbildung eines Kunstwerks, vor allem eines mit diesen Ausmaßen, ist eine Gratwanderung zwischen Dokumentationsfoto – was in diesem Fall nur als Panorama möglich wäre oder in einer 180° Fisheyeaufnahme (Bild Fischaugen-Effekt) – und der Intention des Fotografen aus dem Moitv ein interessantes Bild zu gestalten.

Bei Letzterem achtet man dann vor allem auf die Wirkung von Farben und Formen und die harmonische Bildgestaltung. Ich habe mich letztlich für meine sehr subjektive Wahrnehmung entschieden (Bild oben), was allerdings wiederum Gefahr läuft, ein eigenständiges Fotokunstwerk zu erzeugen. Ob der Künstler mit meiner fotografischen Interpretation einverstanden wäre, sei dahingestellt.

Ausrüstung

Bei diesen Aufnahmen war eine Nikon D810, zusammen mit dem Nikon AF-S Nikkor 3,5-4,5/17-35, dem AF-S Nikkor 2.8/70-200 und dem Sigma Fisheye-Objektiv 3,5/8 EX DG im Einsatz.

Aufnahme

Ich verbrachte etwa eine Stunde beim Kunstwerk. Während dieses Shootings sind insgesamt 61 Abbildungen entstanden (zuzüglich je zwei Bracketing-Versionen). Das ausgewählte Bild (Bild oben) wurde mit Brennweite 100 mm im Modus Zeitautomatik (A) mit Blende 18 bei ISO 200 aufgenommen. Bracketing (0,-1,+1): 3 Aufnahmen mit 1/125 s, 1/250 s und 1/500 s.

Nachbearbeitung

Die RAW-Datei ohne Belichtungskorrektur (1/250 s) wurde im Adobe Camera Raw Konverter entwickelt. Dabei wurden Kontrast, Klarheit und Dynamik leicht verstärkt. Die schwarzen Punkte im Bild sind Fliegen, wir sind auf dem Land. Die könnte man aber noch wegstempeln, wenn sie stören. Das Bild wurde in Photoshop am rechten Rand etwas beschnitten und mit dem USM-Filter geschärft.

Ergebnis

Das Bild ist klar gegliedert und wirkt aufgeräumt. Die Farben Rot und Orange erscheinen brillant und rein und stehen im Komplementär-Kontrast zum blauen Himmel. Der Bezug zur Umgebung ist allerdings nicht vorhanden, wodurch sich das Bild wohl als Vergrößerung für die Wohnzimmerwand, aber weniger für einen Tourismusprospekt eignet.

Tipp

Wenn Du einmal hier im Landkreis Cham, direkt an der Grenze zu Tschechien, unterwegs bist: Der rund vier Kilometer lange Kunstwanderweg, der vom Markt Eschlkam über die Leminger Höhe nach Stachesried führt, ist in jedem Fall einen Besuch wert. Das Windsack-Kunstwerk lässt sich am besten im seitlichen Spätnachmittagslicht fotografieren.

Die anderen Versionen

Bild 1: zu unruhig

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Schön hintereinandergestapelt; die Umgebung, vor allem die dunkle Waldregion, lenkt aber vom Motiv ab, auch die unterschiedlichen Blattstrukturen. Außerdem stört das Schild. Insgesamt ist zu wenig Harmonie im Bild.

Bild 2: zu viel Gras

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Als Dokumentation gelungen, da wirklich alle Windsäcke auf dem Bild zu sehen sind. Allerdings wird die Hälfte des Fotos von der Grünfläche eingenommen. Für ein Layout mit großer Headline im Bild wäre die Aufnahme wiederum ideal.

Bild 3: Fischaugen-Effekt

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Alles drauf. Die 180°-Halbkugelansicht eröffnet eine interessante Perspektive, allerdings sehr ungewöhnlich, und das Kunstwerk als solches ist in seiner gedachten Wirkung kaum mehr wahrzunehmen.

Bild 4: Konventionellere Version

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Diese Variante ist meine etwas konventionellere Version dieses Motivs, wie sie zum Beispiel in einem Tourismusprospekt verwendet werden könnte. Das Kunstwerk ist im Wesentlichen erfasst, und seine Umgebung ist ebenfalls harmonisch mit ins Bild einbezogen.

Welche Version ist Dein Favorit? Und warum?

Autor: Maximilian Weinzierl

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22 Kommentare

  1.   Dezember 1, 2016 at 8:14 PM
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    Ich hätte bei Bild 1 die Helligkeit etwas zurückgenommen und es rundum noch beschnitten, damit das Kunstwerk besser zur Geltung kommt, Bild 2 hätte ich eventuell unten beschnitten (Rand knapp unter dem linken vorderen Mast), obwohl ich die Struktur der Wiese gut finde und damit die Wirkung des Kunstwerks im Zusammenhang mit der Umgebung aufgezeigt wird.
    Mir gefallen Bild 1-3 gut, Bild 4 finde ich für meinen Geschmack zu gewöhnlich- ein Foto für den Tourismusverband aber ohne große Spannung. Auch denke ich, dass es dem Kunstwerk nicht gerecht wird.

    1.   Dezember 1, 2016 at 8:21 PM
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      Zu Bild 3 noch dies. Es gefällt mir ob seiner ungewöhnlichen Perspektive, es ist ein eigenes Werk, das mit der eigentlichen Kunst kaum noch was zu tun hat und seinen Reiz aus der Aufnahmetechnik (Objektiv) gewinnt.

  2.   Dezember 1, 2016 at 2:42 PM
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    Bild 4 gefällt mir von den Motiven am besten, schön farbstark, scharf und klar.

  3. Tom
      Dezember 1, 2016 at 11:02 AM
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    Ein Frage zur Aufnahme.
    Ich hätte mit meiner alten EOS 450 D, Blende 8 oder 10 und ISO 100 gewählt.
    Welchen Vorteil hat es dass sie sich für Blende 18 entschieden haben ?
    Vielen Dank für den Artikel.

  4. kiki
      November 30, 2016 at 6:06 PM
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    ich finde Bild 4 für meine Verhältnisse am besten

  5.   November 30, 2016 at 5:31 PM
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    Habe den Kommentar versehentlich als Antwort eingebettet. Sorry, deshalb hier nochmal..
    Die Vielzahl der Kommentare zeigt doch immer wieder, dass letztendlich alles im Auge des Betrachters liegt. Und das ist gut so.
    Außer technischer Perfektion ist für mich immer wichtig „der Ausdruck meines Eindrucks“. Der Fotograf kann spontan sein oder auch ein Komponist oder Perfektionist.
    So gibt es für mich keinen Favoriten, aber ein weiteres gutes Lehrstück dieser Fotoschule. Danke.

  6. Marco
      November 30, 2016 at 2:09 PM
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    Höchst subjektive Meinung mit Zweifeln: In aller Ehrlichkeit muß ich gestehen, daß keines der Bilder mich über eine dokumentarische Absicht hinaus berührt. Alle Fotos mögen kompositorische Regeln des Bildaufbaus berücksichtigen und Aufgabenstellungen verschiedener Auftraggeber erfüllen, sei es als Titelbildhintergrund, für einen Touristikverband oder als Dokumentation für den Künstler. Ohne eine solche Aufgabe erscheint allerdings keines der Fotos alleinstehend zu funktionieren. Es klingt hart: „Windsäcke in der Landschaft – kein zweiter Blick erforderlich“. Es entsteht keine Frage in mir, kein Bedürfnis eines inneren Kontakts zum Motiv, keine Anforderung an den Betrachter, genauer hinschauen zu müssen oder zu wollen oder das Bild einfach zu genießen.
    Zu hoch geschraubter Anspruch an ein Foto? Mag sein… Die mir fehlende Wirkung des Bildes ist aber kein Makel des Foto- und Textautors, auch nicht des Kunstwerkes. Es wirft eher die Frage in mir auf, ob ein gutes, gutklingendes Motiv, wie z.B. „Kunst in der Natur“ auch zwangsläufig immer fotogen sein muß. Kann eigentlich ein Motiv „gut“ sein? Ich selbst habe auf ähnliche Motive noch nicht die passende fotografische Antwort gefunden, besuche und fotografiere sie immer wieder mit neuen Ideen, bin hin- und hergerissen zwischen dokumentarischer Verpflichtung einerseits und persönlichem und verfremdenden Blick andererseits.

  7. Nils
      November 30, 2016 at 1:40 PM
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    War im November 2014 auch dort und stand vor demselben Problem, einerseits ein ansprechendes Photo machen zu wollen und andererseits dem Kunstobjekt gerecht zu werden und insofern auch die umgebende Landschaft zu zeigen. Leider kann ich hier keine Bilder hochladen, sonst hätte ich dies veranschaulichen können.

    1. Tom Schimmelpfennig
        November 30, 2016 at 1:43 PM
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      Hallo Nils,

      Du kannst das Bild zum Beispiel in die fotocommunity hochladen und dann hier den Link platzieren.

  8.   November 30, 2016 at 1:20 PM
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    Ich finde das ausgewählte Foto im Ansatz nicht schlecht, denn ich mag solche eher abstrakten Motive sehr, hätte es aber quadratisch beschnitten und von den orangefarbenen Windhosen mehr mit auf´s Bild genommen, also vielleicht stärker von unten fotografiert.

  9.   November 30, 2016 at 12:33 PM
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    Ohne die Kommentare vorher gelesen zu haben, schliesse ich mich auch der Meinung an, Bild 2 mit Beschnitt oder anderer Perspektive auszuwählen. Zum einen habe ich die Führungslinien de Weges und zusätzlich machen die zwei (gedachten) Diagonalen Weg und Mastspitzen, das Bild interessant. Ausserdem wird durch diese Perspektive sowohl die Gesamtheit als auch die Weite der Installation optimal dargestellt.

  10.   November 30, 2016 at 12:02 PM
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    Mir persönlich gefällt Bild 1 am Besten – hier müssten die Farben noch so bearbeitet werden, wie in dem ausgewählten Bild, welches mir nicht so gut gefällt.

  11. Hauke Haffner
      November 30, 2016 at 10:29 AM
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    Dieser Beitrag gefällt mir sehr gut. Mein Favorit ist Bild vier. Ich selbst wohne in Schleswig-Holstein. Windhosen sind an jeder größeren Brücke zu finden, damit Lkw-Fahrer mit Anhänger, Urlauber mit Wohnwagen, usw. abschätzen können, wie weht der Wind. Ich selbst fahre einen VW T 5, und eine Windhose ist eine gute Hilfe, die Windstärke abschätzen zu können.
    Das Bild 4 macht mich neugierig, den Park zu besuchen. Bild vier ist harmonisch und gut gelungen.

  12. MB-picture
    MB-picture
      November 30, 2016 at 12:01 AM
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    Mein Favorit ist Bild 2. Evemtuell im unteren Bereich beschneiden, um die Dominaz des „Grün“ etwas aufzuheben. Die Komposition mit dern Linienführungen in diesem Bild ist aber sehr gut. Grüne Weglinie durch das Bild und die dopplete Linienführung der beiden Reihen der Windsäcke besticht.
    Das Titelbild ist mir zu sehr beschnitten.

    1.   November 30, 2016 at 10:25 AM
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      Die Vielzahl der Kommentare zeigt doch immer wieder, dass letztendlich alles im Auge des Betrachters liegt. Und das ist gut so.
      Außer technischer Perfektion ist für mich immer wichtig „der Ausdruck meines Eindrucks“. Der Fotograf kann spontan sein oder auch ein Komponist oder Perfektionist.
      So gibt es für mich keinen Favoriten, aber ein weiteres gutes Lehrstück dieser Fotoschule. Danke.

  13. Kurt Schörg
      November 29, 2016 at 7:43 PM
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    Die Präsentation zeigt wie viele Gesichter ein Motiv haben kann. Daher gab ich immer den Rat ein Motiv sollte man umschleichen um die verschiedenen Ansichten zu sehen und davon je nach Verwendungszweck die geeigneten
    Ansichten zu fotografieren. Fällt unter das Thema Sehen lernen und ich glaube dieses Ziel hat dieser Beitrag

  14. Friedrich Jäck
    Friedrich Jäck
      November 29, 2016 at 6:34 PM
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    Mich überzeugt keines, daher hätte ich es gar nicht erst fotografiert. Falls doch dann hätte ich versucht mit nem Tele nur die Windsäcke von vorne, also die Öffnungen formatfüllend zu bekommen. Ich denke durch die Komprimierung des Tele wirkt es interessanter.
    Grüßle

  15. Tomtatom
      November 29, 2016 at 6:03 PM
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    Für mich ist Bild 4 noch das beste – wenn ich aussortieren könnte. Da ich leider die Bedingungen vor Ort nicht kenne, ist es schwierig zu sagen, was besser wäre.
    Ich könnte mir vorstellen einen Windsack direkt in den Vordergrund zu stellen und den Rest vom Park (evtl.unscharf) in den Hintergrund. Damit die Grösse der Anlage dargestellt wird. Dafür wäre ein ausziehbares Monostativ recht nützlich.
    Also ran ans Motiv.

  16. Andreas Michel
      November 29, 2016 at 5:48 PM
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    Das ausgesuchte Bild gefällt mir überhaupt nicht.

    Mein Favorit ist das mit Bild 2 betitelte Foto, allerdings von unten um ca. 40 % beschnitten. Damit wäre das Zuviel an Grün beseitigt und das Foto würde durch die dann erzielte Panoramawirkung noch gewinnen.

  17. Horst
      November 29, 2016 at 5:33 PM
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    Keine Version kann mich überzeugen. Das favorisierte Bild gefällt mir überhaupt nicht, da fehlt der Bezug zum „Kunstwerk“. Ebenso bei Bild 3 und 4. Der Raum und Landschaft ghören einfach dazu.
    Wahrscheinlich ist mit Bild 2 noch die bessere Variante zu erzielen, durch drehen der Perspektive und etwas mehr Nähe zum Motiv, wie im Bild 1.

  18. Peter Lorenz
      November 29, 2016 at 5:28 PM
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    So wie Foto eins gemacht ist, gefällt es mir als Kunstobjekt überhaupt nicht. Persönlich hätte ich eine Reihe Masten mit Windsäcken in die Mitte gestellt und beim Entwickeln dann so gekippt, daß die Masten von Ecke zu Ecke gehen und natürlich ein quadratisches Foto entstanden wäre.

  19. Paul Loesche
      November 29, 2016 at 5:15 PM
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    Das Thema ist wichtig – wie erfasst ein Foto eine Scene adäquat und bildwirksam. Zwar ist das ausgewählte Bild das ausdruckstärkste der hier gezeigten, diese sind aber auch sehr langweilig. Aber die Komposition des gewählten Bildes empfinde ich als unausgewogen und wenig sehenswert. Hätte nicht die Mastreihe mit den roten Windsäcken alleine, im Hochformat, stärker gewirkt? Schwer zu sagen, wenn man nicht vor Ort war.

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