Wie man aus einem guten Motiv ein besseres Bild macht: Glücksmoment

gluecksmoment-aufmacher

In dieser Serie machen wir uns auf die Suche nach der jeweils besten Interpretation eines Motivs. Welche inhaltlichen Aspekte bietet das Motiv, wie lässt es sich interessant abbilden, was macht das Bild am Ende sehenswert? Maximilian Weinzierl zeigt diesmal das Ergebnis einer Porträt-Sitzung, die sich ganz spontan ergeben hat.

Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 12-2016.

© Alle Rechte beim Autor Nutzung ausschließlich im Zusammenhang mit dem gelieferten Artikel. www.maximilian-weinzierl.de
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Die Fakten zum Foto

Bildgeschichte

Manchmal ergeben sich zufällig gute Motivsituationen und der Fotograf muss dann spontan darauf reagieren können, denn meistens ist dieser ganze Zauber des Moments auch schnell wieder verflogen.

Xenia war gerade in Stimmung vor der Kamera zu posieren bzw. mit dem Mann hinter der Kamera zu kommunizieren. Ich war auf einer Geburtstagsparty im Verwandtenkreis eingeladen und da war auch das kleine festlich gekleidete Mädchen anwesend.

Zu vorgerückter Stunde turnte Xenia sichtlich gelangweilt zwischen den Stuhlreihen herum, bis sie meine Kamera entdeckte. Sie wollte erst durch den Sucher blicken und dann, dass ich ein Foto von ihr mache. Mit der Kamera am Auge schilderte ich, wie ich damit auch wilde Löwen und Elefanten in Afrika fotografiere, und Xenia war sichtlich fasziniert. Und dabei betätigte ich den Auslöser.

Die Bilder entstanden ohne jegliche Beeinflussung und ohne Regie. Die Initiative fürs Foto ging vom Mädchen aus – Glück gehabt als Fotograf.

Bildidee

Ein spontanes natürlich wirkendes Kinderporträt bei vorhandenem gemischten Glühlampen- und LED-Licht und zusätzlich dezenter Blitzaufhellung.

Ausrüstung

Die Aufnahme entstand mit der Nikon D800 und dem Nikon AF-S Nikkor 2,8/24-70 aus der Hand. Das Gesicht wurde zusätzlich mit dem eingebauten Aufklappblitz aufgehellt. Damit das Raumlicht bildwirksam wurde (um einen dunklen Bildhintergrund zu vermeiden), musste mit einer relativ langen Belichtungszeit gearbeitet werden.

Aufnahme

Die Fotosession dauerte 6 Minuten und bei diesem Spontan-Shooting sind genau 9 Bilder entstanden.

Der Belichtungsmodus war auf Zeitautomatik (A) eingestellt. Bei den einzelnen Aufnahmen wurde die Leistungsabgabe des Aufklappblitzes stufenweise reduziert, um ein ausgewogenes Verhältnis von Raumlicht und Kunstlicht auszutesten.

Das ausgewählte Bild wurde mit Brennweite 60 mm und mit Blende 7,1 bei ISO 400 aufgenommen. Die Leistung des Aufhellblitzes war hierbei um 1 Blendenwert reduziert. Die Belichtungszeit betrug 1/8 s, wobei ich aber die Arme auf den Tisch aufgestützt hatte.

Nachbearbeitung

Die RAW-Datei wurde im Adobe Camera Raw Konverter entwickelt. Dabei habe ich den Kontrast etwas verstärkt und die Tiefen angehoben, den Weißabgleich ganz leicht ins Blau verschoben und in den Rottönen den Magenta-Anteil minimal reduziert. Das Querformat wurde zum Hochformat zugeschnitten und das fertige Bild in Photoshop mittels Nik Sharpener Pro 3 geschärft.

Ergebnis

Ein fröhliches und aufgeschlossenes Kinderporträt. Gewiss, wenn man es genau betrachtet, erkennt man, dass das Porträt nicht bis ins letzte Detail scharf ist. Die Augen sind scharf, hier kommt fast ausschließlich das ultrakurze Blitzlicht des frontalen Aufklappblitzes zur Wirkung, weil das Kind in eine weniger beleuchtete Seite des Raumes schaut.

An den Stellen, an denen das vorhandene Licht der Deckenleuchte bildwirksam wird, zeigen sich Doppelkonturen, das ist der langen Belichtungszeit geschuldet (Bewegung des Kindes während der Belichtung).

Ein gelungener Schnappschuss mit Abstrichen in der technischen Perfektion. Aber in einer Studioumgebung, die technisch perfekte Aufnahmen liefert, wäre dieses Porträt wohl niemals in dieser Natürlichkeit zustandegekommen.

Meine zweite Wahl

© Alle Rechte beim Autor Nutzung ausschließlich im Zusammenhang mit dem gelieferten Artikel. www.maximilian-weinzierl.de
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Ein starkes Porträt, das von einer Portion Selbstbewußtsein zeugt. Das kindlich Unbeschwerte ist für einen Augenblick aus dem Gesicht gewichen. Das Blitzlicht ist leider etwas überdosiert und eine Person ist in den Hintergrund getreten, wodurch dieser einseitig und unruhig wird.

Die anderen Versionen

Bild 1: Kein Blickkontakt

© Alle Rechte beim Autor Nutzung ausschließlich im Zusammenhang mit dem gelieferten Artikel. www.maximilian-weinzierl.de
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Der Blick geht an der Kamera vorbei ins Leere, die Handhaltung wirkt etwas unnatürlich und verkrampft.

Bild 2: Zu viel Blitz

© Alle Rechte beim Autor Nutzung ausschließlich im Zusammenhang mit dem gelieferten Artikel. www.maximilian-weinzierl.de
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Der Blitzlichtanteil ist überdosiert. Das Gesicht wirkt angeblitzt und ein harter Kontrast ist die Folge. Außerdem kommt oben links im Hintergrund die Deckenleuchte, die in den Bildern diesen goldenen Reflex im Haar erzeugt, ungünstig ins Bild.

Bild 3: Schwindende Konzentration

© Alle Rechte beim Autor Nutzung ausschließlich im Zusammenhang mit dem gelieferten Artikel. www.maximilian-weinzierl.de
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Minutenlang zuhören ist anstrengend, die Konzentration des kleinen Mädchens lässt nach. Der magische Moment ist vorbei.

Bild 4: Unschöner Hintergrund

© Alle Rechte beim Autor Nutzung ausschließlich im Zusammenhang mit dem gelieferten Artikel. www.maximilian-weinzierl.de
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Jemand hat zwischenzeitlich den rötlichbraunen Fenstervorhang zugezogen. Das ist mir während des Fotografierens gar nicht aufgefallen. Das letzte Porträt der Serie erhält dadurch etwas Passbildartiges und wirkt insgesamt zu rotstichig.

Worauf achtest Du besonders, wenn Du eine Person porträtierst?

Autor: Maximilian Weinzierl

Weitere Beiträge dieser Artikelreihe

Du möchtest Dein Fotowissen vertiefen?

Lerne jetzt unser neues Kursangebot kennen!



Wie hat Dir dieser Artikel gefallen?

16 Kommentare

  1. Elke
      Januar 9, 2017 at 7:22 PM
    Kommentar bewerten

    Hallo,
    wo bitte in der Einleitung steht denn, dass hier „guute Fotos“ gezeigt werden sollen? Manchmal hilft genaues Lesen schon etwas weiter. Dies ist einfach die Schilderung einer spontanen, nicht geplanten und kurzen „Fotosession“ unter der Regie von einem kleinen Mädel als „Model“.
    Ich finde diesen Beitrag in all seiner Offenheit und dem Zeigen der mißglückten Bilder hilfreicher als manche Präsentation von immer den gleichen spektaklurären OHH-WOW-BOAH-Fotos. Klar sind die auch schön.
    Aber hier finde ich genau die Schilderung dessen, was nicht passte, sehr gut.
    Im Übrigen gefällt mir Zweite Wahl, Bild 3, das mit der schwindenden Konzentration, am besten. Da ist meisten Ausdruck und Leben drin, finde ich. Danke für diesen Beitrag!
    LG Elke

    1. Klaus
        April 18, 2017 at 6:36 PM
      Kommentar bewerten

      Hallo Elke,
      da kann ich Dir nur zustimmen.
      Wer lesen kann ist klar im Vorteil und das gelesene auch noch zu verstehen wäre durchaus hilfreich.
      Für mich als Fotoanfänger ist dieser Beitrag wirklich hilfreich.
      VG Klaus

  2. Andreas
      Januar 9, 2017 at 6:46 PM
    Kommentar bewerten

    Sorry, aber meiner Meinung ein sehr schwacher Artikel.
    Vom Gesichtsausdruck ist zwar das erste Foto in der Tat das natürlichste, aber durch die Schattenbilder aufgrund der Bewegung eigentlich auch unbrauchbar.
    Was ich aus dem Artikel gelernt habe? Eigentlich der, wie man es nicht machen sollte bzw. dass man auch mit schwachen Bildern Geld verdienen kann.

  3. Rinaldo
      Januar 9, 2017 at 9:48 AM
    Kommentar bewerten

    Zweite Wahl und Bild 3 gefallen mir am besten. Bild 3 finde ich originell. Das Muster-Foto überzeugt mich überhaupt nicht.

  4. Miriquidi
      Januar 8, 2017 at 11:47 PM
    Kommentar bewerten

    Nettes Tutorial, aber die Beispielbilder sind wirklich maximal als Schnappschüsse zu gebrauchen. Das erste ist vom Ausdruck her am Besten, nur leider stimmen eben die technischen Daten nicht. Die restlichen wirken unnatürlich und hart, schon beim zweiten Bild sieht man, dass die Kleine schon keine Lust mehr hat. Sehr schade. Kinder fotografieren ist genauso schwer wie Tiere zu fotografieren und ganz ehrlich wenn ich 6 Minuten lang meinen Hund fotografiere, der auch nicht immer Lust zum posieren hat, kommen dabei ganz sicher mehr als 9 Bilder raus.

  5. Regine Trost
      Januar 8, 2017 at 8:37 PM
    Kommentar bewerten

    Das erste Foto würde ich auch in den Rundordner (Papierkorb) verschieben….da habe ich aber noch nicht den Rest gesehen. Sorry, sehe ich ebenso wie andere Kommentare.

  6. UGI
    UGI
      Januar 8, 2017 at 10:17 AM
    Kommentar bewerten

    Das 1. Foto ist für mich völlig unbrauchbar und wäre bei mir in die Tonne geflogen. Null Schärfe, selbst die Augen sind nicht richtig scharf. Solch eine lange Belichtungszeit macht überhaupt keinen Sinn. gefällt mir gar nicht.
    Der Rest des beitrags ist ok

  7. Ich
      Januar 8, 2017 at 9:34 AM
    Kommentar bewerten

    Also die Fotos hätte ich in ca. 27 Sekunden hinbekommen.
    Ich befürchte allerdings das meine besser geworden wären ….

  8. emmaundotto
      Januar 7, 2017 at 7:12 PM
    Kommentar bewerten

    Diese Bilder sind sicherlich nicht gut, aber man kann doch sehr gut sehen worauf man achten sollte.

  9. Ingeborg Möpert
      Januar 7, 2017 at 3:09 PM
    Kommentar bewerten

    Das erste Foto des Mädchens finde ich sehr natürlich: das Gesicht zeigt das Interesse, die Augen strahlen und geben die Freude wieder; die Farbgebung ist zurückgenommen – wirkt dadurch natürlich. Die Schärfe ist dieskret eingesetzt. Mich stört die Doppelsichtigkeit nicht, dadurch wirkt das Ganze natürlich, lebendig. Das Foto lebt !!!

  10. Kurt Schörg
      Januar 6, 2017 at 8:15 PM
    Kommentar bewerten

    Sehr interessant. Dosierst du den Blitz bei der Zeitautomatik durch Verstellen der Blende und gegebenen Falls durch höhere ISO Einstellung wenn die Belichtungszeit zu lange wird ?

  11. tian
      Januar 6, 2017 at 7:32 PM
    Kommentar bewerten

    Kinderfotografie ist sicher keine leichte Sachen- aber zu sagen, „ich knips in 6 Minuten ein paar lausige Fotos und schau dann, was sich drauß machen lasst“ ist mit Sicherheit kein brauchbares Tutorial.
    Um familienmäßige Erinnerungen festzuhalten würd ich die Fotos behalten- aber bei fremden Kindern und mit dem Anspruch, ich wäre Fotograf sind diese Fotos in all ihren Varianten einfach nur zu löschen!

  12.   Januar 6, 2017 at 6:46 PM
    Kommentar bewerten

    Wie man aus einem guten Motiv ein besseres Bild macht –
    Ähm – wo ist denn nun das bessere Bild? Das, wo ich erkennen kann, wie ich einen besseren Bildstiel erhalte? Blitz (Aufklappblitz) ist es mit Sicherheit nicht, und dieser dunkle Flecken auf der Stirn – sieht eher nach einem sehr bösen Sturz aus. Sorry – aber die Bilder sind allesamt für die Tonne. Das ist nichts woraus ich was lernen kann außer dass es so nicht geht. Tittel und Leistug voll daneben! Schade.

    1. Eva
        Januar 8, 2017 at 12:52 PM
      Kommentar bewerten

      Wenn du tollere Bilder machen kannst, freut mich das sehr, aber der Fotograf des Fotos kann richtig schreiben. Ist doch auch schon was, oder?

  13. alletha721
      Januar 6, 2017 at 5:58 PM
    Kommentar bewerten

    Mir gefällt dieser Artikel besonders, weil er Mut macht, dazu zu stehen, wenn beim „Out-of-Planing-Moment“ nicht alles perfekt ist und trotzdem das Ergebnis einfach toll ist! Mir ging es letztens bei einem Shooting einer 14jährigen so, dass die ungeplanten Momente die besten Posen ergaben- und obwohl der Fokus wegen des ungeahnten Zufalls nicht korrekt saß, alle Beteiligten mit dem Ergebnis super-glücklich sind!

  14. Kaktushorst
      Januar 6, 2017 at 5:42 PM
    Kommentar bewerten

    Und das sollen guute Fotos sein ??? Oh Mann !

Wie gefällt Dir dieser Lerninhalt?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teile diesen Link mit einem Freund