Weitwinkelobjektiv richtig einsetzen

15-mm-Weitwinkelobjetiv. Das extreme Weitwinkelobjektiv ist vorzüglich geeignet für Landschaftsfotografie und Architekturaufnahmen, bei denen es darum geht, möglichst viel vom Motiv aufs Bild zu bringen und den Eindruck der Weite zu vermitteln. Allerdings sind die speziellen Eigenheiten zu beachten und nicht jedes Motiv ist für die Abbildung mit diesem Alles-drauf-Objektiv geeignet.

Dieser Artikel stammt aus der ColorFoto 5/2019.

Weite Dimension: Naher Vordergrund (ca. 50 cm), hier der Kopf einer der fünf allegorischen Bronze­figuren ­im ­Neptunbrunnen­ in­ Berlin-Mitte,­ und­ der­ weit ­entfernte Fernsehturm­ am­ Bahnhof ­Alexanderplatz­ (unendlich) ­gleichzeitig ­und ­scharf ­auf­ einem Foto ­abgebildet. Foto: Maximilian Weinzierl

Das 15-mm-Objektiv zählt zu den extremen Weitwinkelobjektiven. Mit einem horizontalen Bildwinkel von 100 Grad erfasst es ein immens großes Bildfeld. Das hat Vor- und Nachteile. Zum einen ist sehr viel auf dem Bild zu sehen. Mit einer einzigen Auslösung wird ein großer Ausschnitt aus der Umwelt erfasst. Die Gefahr dabei ist, dass querformatige Landschaftsfotos, sofern sie keinen interessanten Vordergrund und zusätzlich einen uniformen Himmelsabschnitt zeigen, inhaltlich zu Panoramen werden. Es entsteht dann oben und unten im Bild eine weite inhaltsleere Fläche. Meist kann bei solchen Bildern oben und unten ein Teil abgeschnitten werden, ohne dass die Bildaussage beeinträchtigt wird.

Verschenkte Fläche: Die Moschee von Tinmal im Hohen Atlas in Marokko. Der inhaltsleere Bereich oben und unten kann hier ohne Verlust an Bildaussage abgeschnitten werden, das extreme Weitwinkel verlangt die überlegte Gestaltung des Vordergrunds.

Die Beachtung bzw. Gestaltung des Vordergrunds ist deshalb mit diesem Objektiv zwingend erforderlich; ebenso die Beachtung des weiten Hintergrunds bei einem Vordergrundmotiv. Mit dem extremen Weitwinkelobjektiv lässt sich eine starke perspektivische Wirkung erzielen, bei der die Motivteile im Vordergrund überproportional groß wiedergegeben werden. Bereits mit mäßiger Abblendung kann hier eine Schärfentiefe realisiert werden, die Details im Nahbereich und quasi unendlich entfernte Bildregionen gleichzeitig scharf abbildet. Durch die verzerrte Größenabbildung ist das Superweitwinkel aber für bestimmte Motive nicht geeignet, z.B. für frontale formatfüllende Porträts, hier wird die Nase der Person riesig vergrößert abgebildet. Auch Gruppenaufnahmen sind heikel, denn die Personen am Rand des Bildes werden unvorteilhaft auseinandergezogen.

Extreme Perspektive: Um diesen Wolkenkratzer in der Sheikh Zayed Road, Dubai-City ganz aufs Foto zu bringen, wenn man davor steht, muss die Kamera stark verkantet werden; das Gebäude läuft scheinbar nach oben spitz zu.

Beim Verkanten der Kamera treten bei Gebäudeaufnahmen extrem stürzende Linien auf, ein Wolkenkratzer läuft damit schon mal spitz nach oben zu. Sind die stürzenden Linien weniger stark ausgeprägt, können sie jedoch nachträglich softwaremäßig ausgeglichen werden, allerdings fällt dann auch ein Teil der Bildfläche weg.

Gerade gerückt: Löwenstatue vor dem Taleju Temple am Durbar Square in Kathmandu, Nepal. Die stürzenden Kanten des Gebäudes im Hintergrund wurden nachträglich gerade ausgerichtet. Ein Teil des Bildes (schwarz) fällt dabei weg.

 

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12 Kommentare

  1. Johannes Grösbrink
    Johannes Grösbrink
      Mai 6, 2019 at 2:27 PM
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    Ist halt Geschmackssache.

  2. Kurt Schörg
      Mai 5, 2019 at 3:21 PM
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    Alles richtig aber eben eine Kurzbeschreibung

  3. Manfred Spaude
    Manfred
      Mai 5, 2019 at 3:08 PM
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    Als gestalterisches Mittel immer gut. Bin mit dem 10-24 mm Tamron an meiner EOS selbst in extremen Situationen (Licht, Farbe, Perspektive,…) sehr zufrieden.
    Letztendlich hat ja jede Brennweite ihren Reiz ;-)
    Mai-Grüße aus Herdecke
    Manfred

  4. Josh
      Mai 5, 2019 at 7:01 AM
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    Das Weitwinkel Canon 10-18 hat sich bei mir, bis auf wenige Ausnahmen, zum “Immerdrauf” Objektiv entwickelt.

  5. Johannes Grösbrink
    Johannes Grösbrink
      Mai 4, 2019 at 9:15 PM
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    Weitwinkel wird immer mehr mein Ding. Die extremen Abbildungen ermöglichen starke Perspektiven mit ungewohnten, aber intensiven Darstellungen. Wie beschrieben, ist ein Eyecatcher im VG normalerweise ein Muss und erfordert ein ganz anderes Herangehen an die Motivauswahl. Um zu üben sollte man öfter mal losziehen, besser in die Stadt als in den Zoo, und nur das Weitwinkel einpacken.

    Ich arbeite mit dem 18-35mm von Nikon an Vollformat.

  6. Michael
      Mai 4, 2019 at 6:51 PM
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    Wenn genügend Platz vorhanden ist, um den Abstand entsprechend groß zu gestalten, um dann wie Heinz Richter überlappte Fotos zu erstellen, dann braucht man sicherlich kein Weitwinkel. Wobei bei sehr beengten Platz für Abstand zum Motiv, wenn man obere Teile eines Motivs fotografiert, wird es wohl ebenfalls zu perspektivischen Verzerrungen kommen, die einen hinterher in der Nachbearbeitung sicherlich ebenfalls zu schaffen machen werden.
    Wenn lediglich generell ein sehr beengter Raum als Abstand zum Motiv zur Verfügung steht, ist ein Weitwinkeobjektiv oftmals die einzige Lösung, die es für vernünftige Bilder gibt. Wer schon einmal in den engen Straßen der Altstadt von Lissabon unterwegs war, weiß wovon ich rede.
    Dann ist es besser, hinterher in der Bildbearbeitungssoftware mit relativ wenig Aufwand stürzende Linien gerade zu rücken, als auf ein gutes Motiv verzichten zu müssen. Auch in kleinen Räumen leistet ein Weitwinkelobjektiv wertvolle Dienste.

  7. Wilhelm Lüders
      Mai 4, 2019 at 9:51 AM
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    Ich Fotografiere am liebsten mit dem Olympus 7-14.

  8. kiansopa
    Rainer Winkler
      Mai 3, 2019 at 8:24 PM
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    Mein Lieblings Objektiv 10-24 von Tamron

  9. Martina
      Mai 3, 2019 at 8:05 PM
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    Die Ausführung ist sehr informativ und für Anfänger sehr hilfreich.

  10. Wilfried
      Mai 3, 2019 at 3:14 PM
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    … also ganz oben ist ein Tippfehler.
    das muss 15-“mm”-Weitwinkel heißen und und nicht 15-“m” ….
    :-)

  11. MikeBi
    Michael
      Mai 3, 2019 at 12:13 PM
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    15-m-Weitwinkel. Das extreme Weitwinkelobjektiv….

    Ist das irgendwo aufgebaut? Würde ich mir gerne mal ansehen :)
    Mit dem entsprechenden Objektivprofil in Lightroom oder anderen Programmen werden die Verzerrungen meist gut raus gerechnet.
    Außerdem lassen sich mit einem extremen Weitwinkel natürlich Effekte erzielen die man mit 50mm Panorama nicht hinbekommt. So hat jede Linse auch ihre eigene Daseins Berechtigung.
    Grüsse
    Michael

  12. Heinz Richter
      Mai 3, 2019 at 8:44 AM
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    Weitwinkel, nicht mein Ding, nur normal Brennweite 50mm und mehr, fotografiere dann lieber mehrere Fotos mit 15% Überlappung zusammen….

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