Vier Begriffe, die Du kennen solltest: Ebenen, Pfade, Masken und Alpha-Kanäle

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In Zusammenarbeit mit SIGMA
In diesem Artikel erklären wir Dir was Ebenen sind, was Masken damit zu tun haben und was es mit den komischen Kanälen auf sich hat. Du erwartest sicher wie gewohnt Erklär-Bilder innerhalb dieses Artikels, doch heute gibt es keine! Unser Text sollte bereits für ein Grundverständnis sorgen, erklärende Bilder können hier am Anfang nur verwirren da ja jede Software anders aussieht. Das Prinzip ist aber überall das selbe.

Es gibt im Internet und in Büchern sehr viele Bildbearbeitungs-Tutorials, -Tipps und -Tricks und fast alle nutzen Ebenen, Masken, Pfade oder Alpha-Kanäle. Wenn man dafür nicht das Grundverständnis hat, wirken die Tutorials oft wie böhmische Dörfer mit Bahnhof. Man kann zwar die einzelnen Schritte nachstellen aber wehe man übersieht eine Kleinigkeit.

Dieser Artikel erklärt Dir die Idee hinter diesen vier wundervollen und fundamentalen Bildbearbeitungsfunktionen anhand von Vergleichen.

Vorweg direkt was Wichtiges: Deutsch und Englisch vermischen sich ja gerne in Tutorials und Foren. Die meisten werden sicher lachen aber Du glaubst gar nicht, wie häufig solche kleinen Infos im Geheimen auch viel Nutzen bringen. So wusste ich lange Zeit nicht was ein „Server“ ist! Ich hab mich prima drumherum gewunden nachzufragen, es war mir damals ein wenig peinlich. Als es dann jemanden anderen erklärt wurde, habe ich still geseufzt. Deshalb hier eine Aufzählung von wichtigen Begriffen:

Deutsch – Englisch

  • Ebene =  Layer
  • Maske = Mask
  • Ebenenmaske = Layermask
  • Kanäle = Channel
  • Alpha-Kanal = Alpha channel
  • Pfad = Path
  • Auswahl/Selektion = Selection

1. Begriff: Ebenen

(in unserem Beispiel: Ebenen = Folien = Dia)

Die meisten besseren Bildbearbeitungsprogramme unterstützen alle das Arbeiten mit Ebenen. Eine Ebene ist ein Obendraufbild. Wenn Du also ein Foto öffnest, siehst Du das eine Bild wie mit einem Diaprojektor vollflächig vor Dir. Nur das eine Foto zeigt sich Dir auf dem Monitor.

Öffnest Du ein zweites Foto, öffnet das Programm das Foto zusätzlich in einem neuen Fenster. Das vorherige bleibt meist geöffnet, aber in einem separaten Fenster.

Bei unserem Vergleich mit dem Diaprojektor würdest Du ein weiteres Dia in einem zweiten Diaprojektor an eine freie Fläche an die Wand projizieren. Drehst Du nun den zweiten Diaprojektor so, dass es genau auf die Projektion des ersten Dias zeigt, hast Du zwei übereinander liegende Dias. Möchtest Du jetzt einen Teil der zweiten Diaprojektion nicht in der Kombination sehen, kannst Du in den Lichtstrahl einem Pappkarton halten. Dieser Pappkarton entspricht einer Maske.

Wenn Du nun anstatt eines Pappkartons ein dünnes Blatt Kopierpapier davor hältst, wird ein wenig „zweites Foto“ durchgelassen – aber natürlich sehr weich. Voilà! Du hast eine Ebenenverrechnung mit einer zum Teil deckenden Maske gemacht.

Umsetzung in der Bildbearbeitung
Willst Du also in der Bildbearbeitung zwei Fotos übereinander legen, musst Du das eine geöffnete Foto in das erste Foto mit der Maus ziehen (So funktioniert das in 99% aller Fälle). Und zwar nicht den Rahmen, sondern das Foto selbst. Einfach mit der Maus in das Foto „greifen“ und mitten in das andere Foto ziehen.

Kleiner Tipp: Drückst Du während des Loslassens die Shift-Taste (Hochstelltaste) wird das Obendraufbild genau in die Mitte des Drunterbild platziert.

Jetzt bloß nicht erschrecken! Anders als bei dem Vergleich mit dem Dia-Projektor deckt das obere Bild das untere zuerst vollständig ab. Es gibt keinerlei sichtbaren Überlagerung der beiden. Man muss dem Programm erst mitteilen, wie sich das obere Foto im Vergleich mit dem unteren darstellen soll. Hier hinkt mein Vergleich also ein wenig.

Die einfachste „Verrechnung“ ist die Deckkraft. Diese wird in Prozent angegeben. Etwas anders als physikalisches Licht ist eine Deckung von 50% vom oberen Foto das gleiche wie die Überlagerung von zwei Dias.

Eine „Verrechnung“ ist also ein Befehl an die Software das Obendraufbild mit dem Drunterbild zu kombinieren – nach bestimmten mathematischen Regeln.

2.Begriff: Pfade

(in unserem Beispiel: Pfade = Scherenschnitt mit tollem Extra)
Du kennst doch die, meist nicht sehr hübschen aber gut gemeinten, Collagen von Kindern oder Nachbarn zu allen möglichen Anlässen. Da wird mit der Schere geschnippelt und übereinander geklebt was das Zeug hält.
Umsetzung in der Bildbearbeitung
Nichts anderes ist ein Pfad. Mit diesem Werkzeug legst Du zuerst eine Markierung an um diese im Nachhinein dann mit einem Werkzeug abzufahren. Das bekannteste Werkzeug zum Abfahren dieser Linie ist die besagte Schere.

Ein Pfad ähnelt sehr einem Schnittmuster beim Nähen. Dort sind Pfade eingezeichnet und nur wenn Du eine dieser Linien mit einer Schere folgst, schneidest Du auch wirklich den Stoff. Mit dem Anlegen des Pfades hast Du also noch nichts damit ausgelöst.

Erst wenn Du dem Bildbearbeitungsprogramm sagst: „ Fahre den gezeichneten Pfad entlang mit, zum Beispiel einem roten Buntstift“ erscheint auch eine rote Linie. Du siehst, ein Pfad ist passiv aber multifunktional.

3.Begriff: Masken

(in unserem Beispiel: Masken = Abdeckfolie)

Eine Maske liegt wie eine Abdeckfolie über einem Foto. Diese Abdeckfolie – Maske –  deckt also Bereiche eines Fotos aus. Hast Du also zwei Fotos als Ebenen übereinander liegen, kannst Du mit einer Maske auf dem Obendraufbild Teile von diesem Foto ausblenden.

Der Clou: Eine Maske ist nicht nur Ja oder Nein (Zeigen oder Ausblenden), sondern auch mit vielen Stufen dazwischen.

Umsetzung in der Bildbearbeitung
Eine Maske ist wie eine Schwarzweiß-Folie, die auch Grautöne aufnimmt. Wenn Du also mit einem schwarzen Pinsel mit einer Deckkraft von 50% auf dieser Maske malst, wird das Foto an diesen Stellen auch nur 50% Deckkraft besitzen.

Damit das von der Software überhaupt verwaltet werden kann, muss die Maske natürlich irgendwie gespeichert werden. Wie Du sicher bereits weißt, ist ein RGB-Foto eine Kombination aus drei schwarzweißen Folien (Kanälen), die die Software interpretiert. Bei RGB steht die erste Folie für Rot, die zweite für Grün und die dritte für Blau. Legt man diese übereinander, ergibt sich ein buntes Foto. Die RGB-Folien sind, wie auch eine Maske, nichts anderes als Kanäle!

4.Begriff: Kanäle, Alpha Kanäle

(in unserem Beispiel: Kanäle = Alpha Kanäle = Folien)

Ich vermute, Du hast jetzt schon verstanden, was Kanäle sind. Es sind Folien. Jede Grundfarbe hat jeweils eine für sich. So ist eine Maske ein weiterer Kanal, zusätzlich zu Deinen drei Grundfarbenfolien für RGB. Du kannst also so viele Kanäle in Dein Bild packen, wie Du willst. Es gibt zum Beispiel in der professionellen Druckindustrie Bilder mit mehr als 10 Kanälen!

Zum Beispiel vier davon definieren Cyan, Magenta, Yellow und Black (CMYK), ein weiterer Kanal ist für eine Goldfolien gedacht. Noch ein Kanal zeigt an, wo eine Prägung erfolgen soll, dann kommt noch die Hausfarbe für das Firmen-Logo als extra Pantone-Druckfarbe dazu und und und. Alles wird per Folie, aka Kanal, definiert.

Umsetzung in der Bildbearbeitung
Ein Alpha-Kanal hat seinen Namen aus frühen Fernsehproduktionen. Er hatte die feste Bedeutung für das Ausschneiden (Auskeyen) eines TV-Bildes an bestimmten Stellen. Mehr nicht.

Ein Alpha-Kanal ist also genauso mächtig wie jeder andere Kanal und andersherum kann jeder Kanal auch ein Alpha-Kanal sein. Du musst es nur der Bildbearbeitungssoftware mitteilen. So kann eine Maske ein Alphakanal sein aber auch das R aus RGB eine Maske.

Und was ist eine Auswahl?
Jetzt nicht verwirren lassen durch diesen Begriff. Im Grunde ist eine Auswahl ein aktiv gemachter Kanal, Pfad oder auch Ebene. Aktiv bedeutet hierbei, dass ein Bereich markiert wird. Erkennen kann man eine Auswahl recht gut an einer blinkenden Schnittmarke. Will man zum Beispiel selektiv einen bestimmten Bereich eines Bildes entfärben, so maskiert man die Fläche und aktiviert dann die Maske. Sie wird dann eine Auswahl.

Jetzt kann man den Filter „Entfärben“ aufrufen und nur der Selektierte Bereich wird entfärbt. Also ist eine Selektion und eine Auswahl das Gleiche.

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7 Kommentare

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  3. Chrissy
      November 21, 2016 at 6:59 PM
    Kommentar bewerten

    es liest sich wirklich alles plausibel, wenn…..ja wennn…
    mich nun nicht die Frage, vermutlich Anfängerfrage,
    anspringen würde: wozu sollte ich 2 Bilder übereinanderlegen und dann auch noch eine Maske obendrauf? Was kann ich damit erreichen?

    1. Norbert Eßer
        November 21, 2016 at 7:07 PM
      Kommentar bewerten

      Hast du zum Beispiel eine schöne Wiese und ein weiteres Bild von Dir aber auf der Straße, musst Du Dich ja aus dem Straßenfoto lösen um später auf der Wiese zu sein. Also machst du eine Maske, die dich „freistellt“. Dieses Foto inklusive der Maske kommt dann oben auf das Foto der Wiese.

      Die Maske ist also eine Eigenschaft des obendraufliegenden Fotos. Es gilt nur diesem Foto und liegt also nicht noch zusätzlich obendrauf. In Photoshop wird es sogar so abstrahiert dargestellt, das es neben dem Foto als kleines Icon angezeigt wird.

  4. Silvia
      März 27, 2016 at 1:45 PM
    Kommentar bewerten

    Super erklärt!

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