Sensorflecken: 8 kleine Tipps, die den Staub in Deiner Kamera deutlich reduzieren

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Wenn Du bisher eine Kompakt- oder Bridgekamera hattest, wirst Du dieses Problem, um das es hier geht, nicht kennen.

Wenn Du aber eine System- oder eine digitale Spiegelreflexkamera besitzt oder gar der Anschaffung planst, solltest Du jetzt weiterlesen.

Es geht um ein spezielles Problem, das im Grunde alle Kameras mit Wechselobjektiven besitzen: Sensorflecken.

Es ist ein Problem, welches dadurch entsteht, dass Du für den Objektivwechsel das Kameragehäuse sozusagen öffnen musst. Es sind diese klitzekleinen Krümel auf dem Foto-Sensor, die unter bestimmten Bedingungen große Flecken auf dem Foto verursachen. Man kann sie kaum auf dem Sensor mit dem Auge erfassen und dennoch können diese feinen Härchen, mikroskopische Sandkörner oder Staubflocken ein Foto ruinieren.

Ruinieren ist vielleicht übertrieben, aber zu mindestens kann es viel Arbeit machen. In diesem Artikel möchte ich Dir nicht zeigen, wie du den Sensor reinigst, sondern wie du die Flecken aus dem Bild entfernst. Denn nicht immer und überall hast Du die Zeit den Sensor vor der Aufnahme zu reinigen – falls Du überhaupt am Set geeignete Reinigungsmittel dabeihast.

Klassische Sensorflecken
Klassische Sensorflecken. In diesem Foto sind aber meist nur Körnchen zusehen. Grund: Urlaub am Strand.

Was sind Sensorflecken?

Alles, was in der Umgebungsluft so rumfliegt, kann auch in die Kamera gelangen. Darunter ist natürlich Hausstaub, Haare, Flusen, aber auch kleine Sandkörner und nicht zu vergessen leichte Schwebstoffe wie verdampfte Öle und die oft unangenehm klebrigen Blütenpollen. Gerne werden auch Störungen durch schmutzige Tücher oder luftfeuchte Wattestäbchen vom Nutzer selbst aufgebracht.

Und nicht zu vergessen:

Kratzer!

Kratzer entstehen leicht durch das Verwenden von zu hartem und daher ungeeigneten Reinigungstüchern, Wattestäbchen oder sonstigen Hilfsmitteln.

Kratzer sind nicht mehr zu entfernen!

Sensorflecken
Störungen, die sich als Sensorflecken bemerkbar machen, liegen auf dem Tiefpassfilter und wirken sich auf die Sensorelemente aus (Siehe Schatten). Von links nach rechts: Kratzer, Haar, Film, Staub, Körnchen

Wie kommen diese Dinge in die Kamera?

In die Kamera gelangen diese Dinge am häufigsten durch Objektivwechsel, aber auch durch Zoomobjektive, die nicht ausreichend sauber verarbeitet sind oder durch kleine abgeriebene Teilchen der Kamera- und Linsenmechanik.

Jetzt darfst Du Dir das nicht wie eine krümelige Glasoberfläche auf einem WG-Wohnzimmertisch vorstellen. Die Teilchen sind sehr klein und tragen dennoch zu einer Falschinterpretation der Sensorelemente bei. Ölige Filme kommen häufig bei Rauchern vor. Oder bei Eventfotografen, die oft in Räumen mit Nebelmaschinen fotografieren. Dieser Nebel entsteht nämlich meist durch erhitztes und verdampftes Öl, das sich dann später als Ölfilm oder in Form kleiner Tröpfchen auf allen Oberflächen niederschlägt.

Wie groß ist die Störung?

Die Faustregel ist einfach:

Je höher die Auflösung des Chips ist und je dichter die Sensorelemente des Chips sind – je mehr einzelne Pixel werden durch diese Störungen abgedeckt.

Die nötigen Photonen gelangen so nicht mehr ungehindert auf die Sensorelemente und so erscheint eine Störung auf dem fertigen Foto.

Manche decken einen Bereich gänzlich ab (zum Beispiel Sandkorn). Andere verändern nur unmerklich den ungehinderten Photonenstrahl/Welle. So wird sich ein leichter Ölfilm kaum bemerkbar machen.

Sensorflecken Groß
Mit größeren Sensorelementen verringert sich auch die Anzahl der Pixel, die von den Störungen betroffen sind.

Wie entferne ich diese Teilchen?

Fast alle lassen sich mechanisch entfernen. Nur bei den Filmen aus Schwebstoffen und klebrigen Pollen wird es etwas schwieriger. Viele Kameras bieten auch eine elektromechanische Säuberung des Sensors an. Zusätzlich sind die Tiefpassfilter oft mit Teflon beschichtet, damit der Staub schlechter haftet.

Hier hilft Dir nur ein Blick in das Handbuch. Wenn Du mal deinen Sensor richtig reinigen möchtest, weil sich einfach schon zu viel Dreck auf dem Sensor befindet, dann schau Dir mal diesen Artikel unseren Artikel zur Sensoreinigung genauer an.

Aber auch 20-30 Euro für eine grundsätzliche Reinigung im Kamerafachhandel lohnen sich zuweilen. Erstens ist eine fachmännische Reinigung mit einer Garantie verbunden und eine selbst durchgeführte Reinigung hat doch so seine Tücken. Dabei geht es mir weniger um das Beschädigen von Mechanik oder Sensor, sondern eher um das „Verschlimmbessern“, wenn Du nicht mit der Reinigung vertraut bist.

Wo befindet sich der Staub genau?

Der Staub befindet sich nicht auf den Sensorelementen des Bildsensors selbst, sondern auf einer Art Schutzscheibe, die den Sensor von der Umgebung trennt. Diese wird anhand ihrer eigentlichen Funktion als Tiefpassfilter bezeichnet.

Ohne diesen Filter würden jegliche Reinigungsversuche den Bildsensor zerstören, da Du sozusagen direkt auf den Mikrolinsen arbeiten müsstest. Tatsächlich reinigst Du also nicht den Bildsensor selbst, sondern den vorgelagerten Tiefpassfilter (sofern vorhanden, ansonsten sitzt dort eine andere Art von Scheibe oder Filter).

Was ist ein Tiefpassfilter?

Ein Tiefpassfilter lässt bestimmte Signalanteile durch und sperrt andere. Beim Tiefpass werden tiefe Frequenzen also durchgelassen, hohe Frequenzen werden gesperrt. In der Optik dient der Filter als Glasscheibe, aber auch als Kantenfilter um Moiré-Effekte zu mindern. Neuere und hochwertigere Kameras haben diesen Kantenglättungseffekt aber fast durchgehend zugunsten einer höheren Auflösung entfernt.

Warum? Weil sich dieser Effekt der Unschärfe stärker bemerkbar macht, als der vielleicht erscheinende Moiré-Effekt. Falls dieser Effekt doch auftritt, sind heutige Bildbearbeitungsprogramme mit Möglichkeiten ausgestattet, diesen nachträglich zu entfernen.

Wie verhindere ich das Eindringen dieser Teilchen?

Vorweg gesagt: Vermeiden lassen sich diese Störungen auf Zeit nicht. Aber mit dem Einhalten der nachfolgenden acht kleinen Tipps, kannst Du den Staub in Deiner Kamera doch deutlich reduzieren bzw. dessen Eindringen verzögern.

8 Tipps, die den Staub in deiner Kamera deutlich reduzieren:

  • Tausche Objektive, wenn es irgend geht, nicht in staubiger Raumluft. Ist man doch mal am Strand hilft bereits der Wechsel des Objektivs in einer Kunststofftüte oder zumindest den Rücken in den Wind zu halten.
  • Objektivwechsel so schnell wie möglich ausführen.
  • Kamerakörper (Body) mit der Bajonettöffnung nach unten halten.
  • Vor dem Wechsel die Rückseite des neuen Objektivs betrachten und gegebenenfalls vorher säubern.
  • Hinteren Kameradeckel immer mal auspusten.
  • Kameratasche auch mal reinigen.
  • Nicht IN die Kamera pusten! Lieber einen Antistatikpinsel nutzen. Durch das Pusten macht man mehr falsch als richtig.
  • Kamera, Objektive bei Nichtgebrauch staubfrei lagern (Stichwort: elektrostatischer Effekt)

Ausblick auf den kommenden Artikel

Im nächsten Artikel beschreibe ich Dir einfache Methoden Störungen in bereits gemachten Bildern loszuwerden. Dabei nutze ich Techniken aus RAW-Konvertern, ich nutze Sensorfleckreferenzbilder und einfache Stempelmethoden. Und ich zeig Dir, wie Du zukünftig hunderte von Bildern in einem Rutsch von diesen Störungen befreist.

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6 Kommentare

  1. Reinald Will
      Dezember 22, 2015 at 6:33 PM
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    hallo, ich kann auch nur empfehlen,den sensor durch einen fachmann reinigen zu lassen,auch weil man in einer einigermaßen staubfreien abteilung arbeiten sollte,und es ist auch mit einer garantie verbunden.

  2. RONSHI-FOTOGALERIE
      Dezember 17, 2015 at 12:29 AM
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    Ich freue mich über jeden Artikel dieser Art, auch wenn ich einige Artikel (wie z.B. diesen) nicht (mehr) unbedingt brauche. Irgendetwas lerne ich immer dabei. Die kurzen verständlichen Beschreibungen bringen mich dazu, sie auch wirklich zu lesen.
    Vielen Dank dafür.

  3. Lilo Karsten
      Dezember 16, 2015 at 7:30 AM
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    Wenn wieder ein Artikel von der Fotoschule in meinem Postfach ist, freue ich mich sehr! Die Artikel sind für mich oft sehr lehrreich und gut verständlich. Ohne diese E-mails würde ich ja nur im Bedarfsfall in ein Fotofachbuch schauen. So habe ich in bekömmlicher Dosis immer mal wieder so zwischendurch Fotowissen-Input. Toal klasse das!!! Vielen Dank dafür!

  4. Thorsten Rönnicke
      Dezember 15, 2015 at 9:24 PM
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    Die ist nun der dritte Newsletter den ich in kurzer Zeit bekommen habe. Als absoluter Neuling in der DSLR – Fotografie bin ich sehr dankbar dafür. Vor allem sind die Artikel bislang in einfachen, klaren Worten geschrieben, was es gerade für „Frischlinge“ sehr interessant macht.

    Bitte macht weiter so, und vielen Dank für die tollen Infos.

    1. Tom Schimmelpfennig
        Dezember 15, 2015 at 9:57 PM
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      Hallo Thorsten,

      danke für die netten Worte! Wir versuchen immer zwei Artikel pro Woche zu veröffentlichen. Wir hoffen, dass die Anzahl an E-Mails dann noch in Ordnung ist.

      1. Thorsten Rönnicke
          Dezember 18, 2015 at 10:20 PM
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        Hallo Tom,

        die Anzahl ist völlig ausreichend. Auch eine E-Mail pro Woche wäre sehr gut, damit man das „erlernte“ auch verinnerlichen kann.

        Vielen Dank an Dich und Dein Team
        Thorsten

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