Schwarzweißfotografie

Ohne Farben. Manchen Fotos fehlt einfach das gewisse Etwas. Komponiere eine Aufnahme spannender, indem Du die Farben weglässt; konzentriere Dich ausschließlich auf den Inhalt, auf Formen, Linien, Muster und Strukturen. Gestalte mit Schwarz und Weiß und allen Grauwerten dazwischen ein Bild mit einer zeitlosen Ästhetik und einem Hauch Magie!

Schwarzweiß bedeutet in der Fotografie nicht nur das Fehlen von Farbe, ein Schwarzweißfoto per se ist vielmehr eine Abstraktion der Wirklichkeit. Die Farben des Motivs werden auf Graustufen reduziert, und bereits dadurch bekommt das Schwarzweißbild eine künstlerische und zeitlose Anmutung. Es gibt Inhalte, die lassen sich ohne Farbe prägnanter darstellen, wenn es etwa um die reine Form geht oder um Muster und Strukturen. Puristische Schwarzweiß-Porträts nimmt der Betrachter in der Regel als emotional und edel wahr. Seine Konzentration richtet sich dann auf den Ausdruck der porträtierten Person.

Abstraktion der Realität

Nikon D800 | 36 mm | ISO100 | f/4 | 1/45 s
Foto: Maximilian Weinzierl
Das Originalfoto ist farbig und wurde in Photoshop mit Silver Efex Pro 2 in ein Schwarzweißbild umgewandelt. Das Sujet ist nicht arrangiert, die Fischköpfe habe ich genau so auf dem Fischmarkt in Singapur vorgefunden. Das Bild erscheint in seiner farbigen Version fast ein bisschen unappetitlich, durch die Schwarzweißumwandlung und Sepiatönung erfährt es eine künstlerische Erhöhung von der beiläufig geknipsten Dokumentationsaufnahme zum interessanten Vintage-Stilllife.

Starke Porträts

Nikon D850 | 105mm | ISO320 | f/2,8 | 1/1000 s
Foto: Maximilian Weinzierl
Keine Farben, die ablenken – nur Kontrast- und Helligkeitsabstufungen, Lichter und Schatten. Die Umwandlung hebt die lebhafte Farbigkeit der Umgebung, während sich der Teint des dunkelhäutigen Models dadurch nur unwesentlich ändert. Die Glanzstellen der Haut erhalten einen „zarten Schmelz“, das Porträt wird intensiv. Es wirkt zeitlos schön – nahezu magisch.

Leica Monochrom M | 90mm | ISO320 | f/8 | 1/1000s
Foto: Maximilian Weinzierl

Architektur klassisch

Sofern es sich nicht um ein ausgesprochen künstlerisches Farbkonzept am Bau handelt, das fester Bestandteil des Ensembles ist (z.B. bei einem Hundertwasserbau), sind Farben an Gebäuden meist Nebensache. Historische Bauten wie Kirchen und Schlösser, aber auch moderne Bürogebäude sind oft einfarbig in Grautonkombinationen gehalten. Der Architekturfotograf kann sich folglich ganz auf Formen, Linien, Muster und Strukturen konzentrieren. Dieses Bild vom Dresdner Zwinger wurde mit der Leica Monochrom M aufgenommen. Diese Kamera kann nur in Schwarzweiß abbilden – das aber in einer atemberaubenden Qualität.

Street-Photography

Nikon D700 | 35mm | ISO200 | f/11 | 1/250s
Foto: Maximilian Weinzierl
Die harte Gegenlichtaufnahme von drei Kindern, die sich im Brunnen auf dem Münchner Stachus vergnügen, lebt von der ganz besonderen Atmosphäre. Das Motiv ist nicht inszeniert, sondern letztlich ein Schnappschuss, der aber erst nach einer längeren Zeit des Verweilens und Beobachtens entstand. Ein auf den Punkt eingefangener Augenblick, bei dem keine Farben vom eigentlichen Geschehen – dem hochsommerlichen Spaß mit dem Wasser – ablenken.

Farbe und Inhalt

Huawei P20 Pro | 27mm | ISO50 | f/1,8 | 1/5800s
Foto: Maximilian Weinzierl
Farbe oder Nicht-Farbe kann über die inhaltliche Wahrnehmung eines Bildes entscheiden. Dieses schwarzweiße Dokumentationsfoto konzentriert sich ganz auf die Form des Autos. Obwohl nur ein Ausschnitt sichtbar ist, werden Kenner sofort wissen, dass es sich um einen Wagen der Marke Lamborghini Aventador handelt. Der Nicht-Kenner wird auf dem Schwarzweißbild die außerordentliche Form wahrnehmen, ein Farbbild würde seine Aufmerksamkeit eher mit der ungewöhnlichen Farbe in seinen Bann ziehen (das ist hier ein schrilles Hellgrün).
Leica Monochrom M | 21 mm | ISO 320 | f/6,7 | 1/25 s
Foto: Maximilian Weinzierl

Das gesamte Potenzial

Aufziehendes Gewitter am Ostseestrand. Dramatische Wolkenphänomene sind prädestiniert für die Abbildung in Schwarzweiß. Das Geschehen erscheint hier gewaltig und eindrucksvoll, nicht zuletzt wegen der differenzierten Strukturen und der perfekten Übergänge (nuancierte Tonwertabstufung von Reinweiß bis Tiefschwarz). Der Offsetdruck kann die Tiefe des Bildes nur unzureichend wiedergeben, der einzigartige Look offenbart sich erst im hochwertigen Fine-Art-Print.

Fazit

In diesem Artikel hast Du gelernt, wie Du durch das Negieren von Farben und den bewussten Einsatz monochromer Töne den Schwerpunkt auf Strukturen und Linienführungen lenkst und damit Deinen Aufnahmen einen ganz besonderen Reiz verleihst. Zeig uns Deine neuen Schwarzweißfotos!
Autor: Maximilian Weinzierl

Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.

 

Wie hat Dir dieser Artikel gefallen?

8 Kommentare

  1. wolfram Becker
      Dezember 22, 2018 at 3:32 PM
    Kommentar bewerten

    Ein spannendes Thema. Habe bisher einfach auf : In S/W umwandeln geklickt und dann in LR an den Reglern geschoben…aber das reicht nicht.
    Vielen Dank für die Perspektiverweiterung
    und ein schönes Weihnachtsfest und ein gute neues Fotojahr !
    Bitte weiter so.

  2. Andreas Bracke
      Dezember 21, 2018 at 10:08 PM
    Kommentar bewerten

    Dieser Artikel gibt Hinweise, warum schwarz-weiße Bilder aus der farbigen Welt interessant sein können. Da zur Schwarzweiß-Photographie mehr als nur die “in BW umwandeln” Taste an der Kamera oder an einem Programm gehören, ist er aber höchstens als Eingang in das Sujet geeignet. Bitte den essentiellen Teil mit Erklärung von Farbfilterung, Kontrast u.ä. nach legen, dann klärt sich zumindest die erste Frage oben…

  3. Harlekin
      Dezember 21, 2018 at 9:42 PM
    Kommentar bewerten

    Klasse Artikel, gefällt mir.
    @THRCadolzburg @Wilfried Krämer: Das kameraseitige Programm könnte reichen, aber da ist es wie bei den Farbfotos-es gibt immer Gründe mehr oder weniger nachzuarbeiten. Wenn man sich in den Sog der zahllosen Möglichkeiten in den diversen Bildbearbeitungsprogrammen ziehen lässt, dann wird der etwas ungeübte oder noch wenig erfahrene Fotograf, der mit dem scheinbar besseren Foto, das in irgendeiner Ausstellung oder Publikation “als das Foto” – eventuell mit einer Leica M aufgenommen, durch Lightroom gejagt, in Photoshop gepimpt und schliesslich noch mit NIK gewaschen konfrontiert wird, frustriert hinschmeissen. Es reicht m.A. ein Gefühl für Tonwerte, in Lightroom einfach mal entsättigen , oder in Photoshop Elements (das ist sehr viel günstiger als Photoshop und bringt in SW alles, was publizierbar ist) den Assistenten und ggf. Filter bemühen – damit kann alles gemacht werden, was dem Auge gefällt. In der “großen” Fotografie herrscht gnadenloser Darwinismus – Aufträge bekommt nur der, der nachweisen kann, daß er vorher durch Investitionen stark geblutet hat. Das kommt nicht von den Fotografen selber, das kommt von der Fotoindustrie in Kumpanei mit den Agenturen. Dennoch, Spaß behalten und auslösen.

  4. Wilfried Krämer
      Dezember 21, 2018 at 3:21 PM
    Kommentar bewerten

    Muß ich unbedingt für s/w Fotos ein edles Bearbeitungsprogramm nutzen oder kann ich ein normales Progr. mit s/w Einstellung- oder den s/w Modus der Kamera benutzen?

    1. Helmut Buchta
        Dezember 22, 2018 at 8:38 AM
      Kommentar bewerten

      Eine einfache SW-Umwandlung reicht in der Regel nicht. Es wird alles in “Standard”-Grautöne umgewandelt. Kontraste bleiben auf der Strecke. Auch sind die Grautöne von z.B. Rot und Grün fast identisch. Die in diesem Fall starken Farbkontraste von Rot und Grün verschwinden. Mit Programmen wie Lightroom können die Grauwerte von z.B. Rot und Grün so verändert werden, dass sich wieder ein stark kontrastierendes Bild ergibt.

  5. Mike
      Dezember 21, 2018 at 2:04 PM
    Kommentar bewerten

    Genau wie die hier gezeigten Fotos, möchte ich meinen Kommentar auf das wesentliche reduzieren: Toll.

  6.   Dezember 21, 2018 at 11:04 AM
    Kommentar bewerten

    Guter Artikel, der die Vorteile von sw-ws-Fotografie aufzeigt. Nun wäre ein weiterer Teil interessant, in dem man erfährt, wie ein farbiges in ein sw/ws Bild umgewandelt werden kann. Hier gibt es ja unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten (Kontrast, Simulation von Filtern durch Betonung bestimmten Farbkanäle,…)

    1. coseefeld
        Dezember 22, 2018 at 11:53 AM
      Kommentar bewerten

      kann mich dem Lob von THR Cadolzburg nur anschliessen .. bitte einen weiterführenden Artikel zum Thema S/W Umwandlung

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teile diesen Link mit einem Freund