Schlösser, Burgen und Ruinen

Historische Großbauten: Kaum ein Fotograf kann sich der Faszination entziehen, die von diesen Motiven ausgeht – und ist oft allzu schnell be­reit, gleich vielfach auf den Auslöser zu drücken. Doch ohne Planung und vor allem ohne Beachtung der Lichtverhältnisse entstehen oft nur beliebige Erinnerungsbilder. Unsere Bildbeispiele zeigen, wie Sie die geschichtsträchtigen Bauwerke augenfällig in Szene setzen können.
Diese Motive erzählen Geschichten. Wer sich Zeit nimmt und darauf einlässt, kann abtauchen in eine Welt von abenteuerlicher Baukunst, von Prunk und Reichtum und manchmal auch von Schicksal und Leid. Neben den üblichen Kompositionsregeln sind drei weitere Aspekte zu beachten.
1: Es gibt immer ein perfektes Licht. Es hängt vom Wetter, von der Tages- und Jahreszeit ab, eventuell muss man das Objekt mehrmals aufsuchen.
2: Personen und moderne Zutaten wie Hinweisschilder etc. sollten möglichst nicht im Bild sichtbar sein.
3: Genügend Raum um das Motiv erleichtert die spätere digitale Entzerrung, falls stürzende Linien den Bildeindruck stören.

Dieser Artikel stammt aus der ColorFoto 06/2020.

Online-Fotokurse

Einfach fotografieren lernen

In unseren Online-Fotokursen lernst Du die Grundlagen der Fotografie - verständlich und mit vielen Praxisbeispielen. Inklusive Test und Fotokurs-Zertifikat. Lege jetzt los!

Mehr Infos zu den Fotokursen
Einfach fotografieren lernen

Kontrastreiches Morgenlicht

Palast Fasil Ghebbi in Gondar
Nikon D810 | 100 mm | ISO 200 | f/10 | 1/400s
Foto: Maximilian Weinzierl

Der Palast Fasil Ghebbi des äthiopischen Kaisers Fasilidas (1632-1667) in Gondar wurde als feudale Residenz für die Regenzeit erbaut. Das harte seitliche Sonnenlicht an diesem frühen Morgen bringt in der glasklaren Luft die Strukturen der Festung besonders gut zur Geltung. Die Konturierung macht jeden einzelnen Stein gut sichtbar. Nur ein paar Stunden später, bei höher stehender Sonne und aufkommendem Dunst, werden die Details eher diffus und weniger fotogen wiedergegeben.

Turm mit Schloss und Felsen

Glockenturm im Renaissancestil von Schloss Český
Nikon D810 | 300mm | ISO 200 | f/11 | 1/640s
Foto: Maximilian Weinzierl

Der Glockenturm im Renaissancestil von Schloss Český in Krumau (Tschechien) ragt als Wahrzeichen hoch über die Stadt an der Moldau. Die Aufnahme sollte Turm, Gebäudeteil und Felsen im Hochformat auf ein Bild bringen. Der Standpunkt, von dem die Aufnahme erfolgte, wurde zu unterschiedlichen Tageszeiten aufgesucht, um das ideal seitlich einfallende Licht mit dieser Schatteneinrahmung im unteren Teil des Bilds zu erhalten.

Ruine im Abendlicht

Burgruine Donaustauf
Nikon D700 | 26 mm | ISO 400 | f/9 | 1/800s
Foto: Maximilian Weinzierl

Die Burgruine Donaustauf (Landkreis Regensburg) präsentiert sich hier im golde­nen Licht der untergehenden Sonne. Markant: Das Superweitwinkel bezieht die Burgmauer ein, die schon im Schatten liegt und das Bild fast silhouettenhaft und schwungvoll nach unten hin abschließt.

Froschperspektive

Burg Sismondo
Nikon D850 | 18 mm | ISO 64 | f/9 | 1/160s
Foto: Maximilian Weinzierl

Die Burg Sismondo in Rimini (Italien) in einer ungewöhn­lichen Ansicht von einem schmalen Rasenstreifen aus. Das Bild entstand aus der Verlegenheit heraus, dass der helle, neuzeitlich angebrachte Bodenbelag vor der Burg in gleißender Sonne unüber­windbare Kontraste erzeugt.

Über den Wolken

Haderburg bei Gemeinde Salurn
Nikon D850 | 100 mm | ISO 64 | f/9 | 1/200s
Foto: Maximilian Weinzierl

Hoch oben über der Gemeinde Salurn (Bozen, Südtirol) thront eindrucksvoll die Haderburg. Was wäre dieses Foto ohne die Wolken am blauen Himmel? Am frühen Morgen dieses strahlenden Sonnentags trieb der Wind Wolkenfetzen am Horizont entlang. Die Formationen änderten sich in Sekundenschnelle. Die fotografische Herausforderung war, die ideale Position und Form der Wolken abzupassen – was fast einen ganzen Vormittag in Anspruch nahm.

Korrektur

Genau diese Ansicht der Wiener Hofburg vom Kohlmarkt aus mit Blick auf den Michaelerplatz sollte es sein; symbolträchtig durch die im Sonnenlicht golden leuchtende Hausfassade, die typische Straßenlaterne, die prunkvolle Bronzekuppel des Michaelertrakts und vor allem die Fahnen mit Österreichs Nationalfarben. Eine romantisierende Wien-Ansicht ohne neuzeitliche Zutaten. Lediglich die Oberleitungen machen einen Strich durch die Rechnung, respektive durchs Bild. Da der Standpunkt für diese Konstellation nicht verändert werden kann, wurde die Aufnahme in Photoshop mit dem Stempelwerkzeug retuschiert. Eine meines Erachtens zulässige Manipulation, da man ja auch – entsprechendes Budget vorausgesetzt – die Leitungen für die Aufnahme vorübergehend hätte abmontieren können.

Autor: Maximilian Weinzierl

Die neuesten Fotografie-Tipps per eMail

Melde Dich jetzt für unseren kostenlosen Newsletter an und erhalte jede Woche die neuesten Fotografie-Tipps, Reiseberichte sowie Online-Fotokurse per E-Mail.

Die Abmeldung ist jederzeit möglich. Unsere Datenschutzerklärung findest Du hier.

Wie gefällt Dir dieser Lerninhalt?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teile diesen Link mit einem Freund