Reiseziele für Fotografen: Neusiedler See

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In unserer Reihe „Reiseziele für Fotografen” stellen wir Dir Orte vor, die für Dich als Fotograf interessant sind. Wir zeigen dir Motive, geben Dir Tipps für interessante Fotospots und freuen uns über Deine Ergänzungen in den Kommentaren, falls Du bereits vor Ort warst und unsere Liste erweitern kannst. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 12-2016.

Der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel in Österreich. Maximilian Weinzierl war in diesem einzigartigen Naturreservat in der Pannonischen Tiefebene mit der Kamera und per Fahrrad unterwegs. Zurückgekehrt ist er mit einer reichen Ausbeute an Naturbildern, großartigen Naturerlebnissen, neuen kulinarischen Erfahrungen und – bestens erholt.

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Fotografentreff am Leuchtturm Podersdorf: Bei Sonnenuntergang versammeln sich Romantiker und viele Fotografen am Leuchtturm: für symbolträchtige Stimmungsbilder, für Erinnerungs-Selfies oder, wie dieser Fotografenkollege, für die Inszenierung von professionellen Hochzeitsaufnahmen. Ein Foto nur mit Leuchtturm, Steganlage und Sonnenuntergang – ohne Menschen – ist kaum möglich.
Nikon D810, Modus A (Blendenvorwahl), AF-S Nikkor 2,8/70-200 bei 70 mm, ISO 64, Blende 8, 1/160 s. Stativ. – Fotograf: Maximilian Weinzierl

Reizvolles Seeidyll

Der Neusiedler See liegt an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn, wobei sich der weitaus größte Teil des Sees auf österreichischem Gebiet befindet. Der See ist nicht besonders tief (1 bis 2 m) und der Wasserstand starken Schwankungen unterworfen, abhängig von Niederschlägen und Verdunstung. Im Sommer beträgt die Wassertemperatur schon mal 30 Grad Celsius.

Der See hat keinen Abfluss und ist damit ein echter Steppensee, mit einem breiten Schilfgürtel und einer seichten Verlandungszone.

Im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel gedeiht eine einzigartige Fauna und Flora. Die Kulturlandschaft – rund um den See wird traditionell Weinbau betrieben – ist seit 2001 UNESCOWelterbe und steht unter Naturschutz. Das Reservat ist ein Paradies für Erholungssuchende und ganz besonders für Naturfotografen.

Touristischer Hotspot ist die Gemeinde Podersdorf am Ostufer des Sees. Am Strandbad befindet sich der einzige schilffreie und deshalb direkt zugängliche Abschnitt des Sees. Hier und in der Umgebung gibt es ein breitgefächertes Angebot an Unterkünften, sportlichen Freizeitaktivitäten und so manche Gelegenheit für regional-typische Gaumenfreuden. Die Naturlandschaft der Umgebung erkundest Du am besten per Leihfahrrad. Es gibt dazu ein gut ausgebautes Radwegenetz. Du solltest dabei aber unbedingt auf den Wegen bleiben, denn auf den Salzwiesen am See weiden Rinder, und die Schilfzone ist als Brut-und Rastplatz für die zahlreichen Wasservögel geschützt.

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Bootssteg in Podersdorf, spätes Nachmittagslicht. Durch die Spiegelung des eintönig hellen Himmels im Wasser ergibt sich ein ganz unwirklicher Eindruck vom Bootssteg.
Nikon D810, Modus A (Blendenvorwahl) mit Korrekturwert +1, AF-S Nikkor 2,8/70-200 bei 100 mm, ISO 200, Blende 20, 1/20 s. Stativ. – Fotograf: Maximilian Weinzierl
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Salzwiesen am Ufer: Die Freiflächen zwischen den Schilfwäldern werden von Aberdeen-Angus-Rindern bebeweidet.
Nikon D810, Modus A (Blendenvorwahl), AF-S Nikkor 2,8/70-200 bei 100 mm, ISO 64, Blende 8, 1/125 s. – Fotograf: Maximilian Weinzierl

Die Landschaft erfahren

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Rund um den See gibt es 40, teils thematisch unterschiedlich gestaltete Radwanderwege. Die Wege sind gut ausgeschildert und haben fast keine Steigung. Damit sind sie auch für weniger sportliche Radfahrer geeignet. Es gibt aber auch E-Bikes im Verleih.

Die Radtour geht vorbei am Schilfgürtel, zwischen Baumalleen und Weingärten, fernab jeglichen Autoverkehrs. Zwischendrin Aussichtstürme, auf die man zur besseren Übersicht hinaufklettern kann, und immer wieder Infopoints mit interessanten Naturthemen.

Als Fotograf beschränkst Du Dich am besten auf ein reduziertes Equipment und packst dieses in einen Fotorucksack, den Du auf dem Rücken transportierst. Nicht alle Radwege sind asphaltiert, und wenn die Kameraausrüstung in einer Tasche unmittelbar am Fahrrad verstaut ist, bekommt sie dort alle Stöße voll ab.

Mit der Natur im Einklang

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

In der Bewahrungszone Sandeck-Neudegg nahe Illmitz trifft man auf die seltenen europäischen Weißen Esel, die hier ständig die karge Steppenlandschaft beweiden. Ihre Aufgabe ist es, einer Verbrachung dieser Landschaft vorzubeugen, damit die einzigartigen Lebensräume in den Salzwiesen erhalten bleiben.

Die Mangalitza-Schweine, auch Wollschweine genannt, sind eine der ältesten europäischen Schweinerassen. Hier in der Bewahrungszone Illmitz-Hölle leben sie in großzügigen Freigehegen und in natürlicher Umgebung. Interessant zu sehen, wie harmonisch und fürsorglich sich Schweine im Familienverband verhalten. Da könnte ich stundenlag beobachten und fotografieren! Und das Fleisch der so aufgewachsenen Schweine ist natürlich auch von exzellenter Qualität, wovon Du Dich in den Spezialitätenrestaurants überzeugen kannst.

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Entspannen und Genießen

An duftenden Wiesen vorbeiradeln, Zeit und Muße haben, fotografieren und die Landschaft genießen. Auch kulinarische Genüsse sind angesagt, wie Freiland-Steppenrind zusammen mit Wurzelgemüse, Zwiebeln und Weintrauben geschmort, dazu Serviettenknödel und regionalen Rotwein. Zur Weinlese wird die Ruhe immer mal jäh unterbrochen, durch Böllerschüsse und Raubvogelschreie vom Tonband. Die Winzer versuchen dann, die Abertausende von Starenvögeln, die in die Weingärten einfallen, von den Trauben fernzuhalten.

Wenn die Riesenschwärme auffliegen, verdunkelt sich der Himmel. Dramatische Fotos! Als Minimalausrüstung bei den Radtouren hatte ich die Nikon D810 mit dem leichtgewichtigen Weitwinkelzoom Nikkor AF-S 3,5-4,5/18-35 und mein Brot-und-Butter-Objektiv, das Nikkor AF-S 2,8/70-200, im Kata-Rucksack dabei.

Das Stativ blieb auf dem Zimmer und kam nur im engeren, fussläufig erreichbaren Umkreis zum Einsatz.

Tipps

Die folgenden Reisetipps basieren auf den persönlichen Erfahrungen von Maximilian Weinzierl, dem Autor dieses Beitrags. Für die Richtigkeit der Angaben können wir trotz sorgfältiger Recherche nicht garantieren bzw. irgendeine Haftung übernehmen.

Anreise

  • Mit dem Auto: von Deutschland aus Richtung Wien, die Stadt Wien umfahren, auf der Ostautobahn A4 direkt zum Neusiedler See.
  • Mit der Bahn: von Deutschland aus nach Wien Hauptbahnhof. Hier geht stündlich ein Zug nach Neusiedl am See. Ab Neusiedl Bahnhof mit Bus oder Taxi nach Podersdorf am See.
  • Mit dem Flugzeug: Flughafen Wien-Schwechat. Vom Busterminal per Bus nach Podersdorf oder mit dem Taxi.

Mobilität

Im Ferienort angekommen lässt Du Dein Auto am besten auf einem Dauerparkplatz stehen. Die Naturschutzgebiete am See können nicht mit dem Auto angefahren werden.

Die Gegend ist ideal geeignet für Wanderungen oder noch besser fürs Fahrradfahren. Fahrräder können für 8 bis 10 Euro am Tag ausgeliehen werden.

Klima/Reisezeit

Jede Jahreszeit am See hat ihren speziellen Reiz. Die besten Reisezeiten zum Wandern und Radfahren sind Frühjahr und Herbst. Im Sommer kann es sehr heiß werden, da sind dann eher Wassersportarten und am Strand liegen angesagt. Das Wasser im See erreicht schon mal Badewannentemperatur.

Podersdorf ist ein Hotspot für Kiter und Surfer. Winterlandschaften bei klarem Wetter und strahlend blauem Himmel mit Eisformationen und eingetrockneten Schilfwedeln haben sicher auch ihren fotografischen Reiz. Der See friert schnell zu und ist dann die größte, zum Teil begehbare Eisfläche Mitteleuropas.

Foto-Equipment

Wenn Du mit dem PKW anreist, kannst Du im Prinzip alles mitnehmen, was Dir fotografisch sinnvoll erscheint. Du kannst ja aktuell nicht benötigtes Equipment im Zimmer deponieren. Für Wanderungen oder Fahrradtouren ist es sinnvoll, sich auf ein Weitwinkelzoom und ein Telezoom zu beschränken oder gleich nur eine Kompaktkamera mitzunehmen.

Eventuell ist ein Polfilter sinnvoll, empfehlenswert ist in jedem Fall ein stabiler Fotorucksack und für Langzeitbelichtungen in den Abendstunden oder für Nachtaufnahmen ein Stativ. Letzteres ist bei Fahrradtouren aber eher hinderlich.

Essen

Rund um den See gibt es viele kulinarische Köstlichkeiten: pannonische Gaumenfreuden im einfachen Landgasthof oder im Gourmettempel, gutbürgerlich oder im Haubenlokal. Du wirst in jedem Fall erstklassig speisen. Neben Schmankerln wie Steckerlfisch, Fischsuppe, Lamm, Mangalitzaschwein, Steppenrind u.v.m. solltest Du Dir auch den Wein aus der Region nicht entgehen lassen.

Für besondere Genießer gibt es eine Reiseroute rund um den See, die nach kulinarischen Gesichtspunkten zusammengestellt ist.

Birders

Der Neusiedler See ist eines der bedeutendsten Beobachtungsgebiete für Wasservögel in Zentraleuropa. Hier gibt es Seltenheiten wie Großtrappen und Seeadler oder die beliebten bunten Bienenfresser. Der Vogelfotograf benötigt ein großes Teleobjektiv – je mehr Brennweite, umso besser – und ein stabiles Stativ. Fürs stundenlange Ansitzen ist ein Klappstuhl zu empfehlen, für den Transport des Ganzen ein Eckla Beach-Rolly. Aber das ist dann eine andere Fotoreise, als die hier vorgestellte. Birders können auch spezielle Arrangements für ornithologische Beobachtungen buchen.

Tagestrip

Wem es dann doch mal zuviel Natur wird, der legt zwischendurch einen Kulturtagesausflug ein. Nach Wien (siehe unten Bilder 1 und 2) sind es gerade mal 78 km. Oder Du besuchst im ungarischen Fertöd (49 km entfernt) das Schloss des Fürsten Esterházy (siehe unten Bilder 3 und 4), eines der größten Rokokoschlösser Ungarns und Teil des Weltkulturerbes. Reichlich Fotomotive sind garantiert.

Wie gefällt Dir diese Serie? Hast Du Lust auf noch mehr solcher Reiseberichte? Wir freuen uns auf Deine Rückmeldungen in den Kommentaren. Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.

Autor: Maximilian Weinzierl

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15 Kommentare

  1. karin
      Mai 25, 2017 at 8:16 PM
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    Auf jeden Fall freue ich mich auch über Fotoreiseideen. Vielen Dank.

  2. Karl-Heinz (Charly) Gaub
      April 27, 2017 at 12:19 PM
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    Ein sehr schöner Bericht und gute Fotos.
    Bitte mehr.

  3. Franz
      April 27, 2017 at 11:15 AM
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    Danke für den tollen Bericht, kann dem nur beipflichten da ich den Seewinkel sehr gut kenne und ich fast jedes Wochenende dort bin. Das Licht bei untergehender Sonne ist Mystisch.
    Bitte um weitere so tolle Berichte.
    Liebe Grüße aus Wien

  4. Ulrich Walter
      April 26, 2017 at 3:25 PM
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    Nicht vergessen sollte man allerdings, dass man im Hanshag bisweilen von Myriaden von Mücken überfallen wird, die den Himmel ebenso verfinstern können, wie die Starenschwärme in den Weingärten.

  5. Kurt Burger
      April 26, 2017 at 11:57 AM
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    Sehr schön geschriebener Beitrag. als langjähriger Besucher dieser Region finde ich immer wieder neue Motive, bedingt auch durch die unterschiedlichen Jahreszeiten, von denen jede ihren eigenen Reiz hat. Schade, dass nicht mehr auf die einzelnen Ortschaften und deren Sehenswürdigkeiten eingegangen wird. Mit gehen die Fotomotive dort auf jeden Fall nicht aus und so manches Lokal wartet noch darauf, von mir entdeckt zu werden. Tipp von mir: Im Ort Mönchhof gibt es ein Dorfmuseum, in dem Gebäude aus dem Seewinkel und deren Einrichtung besichtigt werden können. Es liefert unheimlich viele Motive.
    Die slowakische Hauptstadt Bratislava ist auch nur ca. 60 km entfernt und deren Altstadt ist ebenfalls sehr reizvoll.

  6.   April 26, 2017 at 8:28 AM
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    Sehr schön. Gerade als Fotograf sieht man Reiseziele ja nochmal ganz anders. Würde mich auf jeden Fall über weitere Berichte freuen.

  7. Kurt Schörg
      April 26, 2017 at 7:39 AM
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    Interessant beschrieben, macht richtig Appetit auf einen Fotobesuch.

    Freue mich schon auf den zweiten Teil für Vogelfotografen

  8. Helmut
      April 25, 2017 at 10:45 PM
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    Recht gut beschrieben! Ich kenne diese Gegend sehr gut und bin hier zwei Mal im Monat da es mein bevorzugres Foto-Jagd-Revier ist. Allerdings sollte es klar sein, dass der Nationalpark nicht mit dem Auto befahren werden darf. Noch befahrbar sind die Güterwege zZ mit dem Auto. Leider wurde der Tiergarten Pamhagen nicht im Artikel erwähnt. Hier kann man diverse Tiere, Bär, Känguruh oder Wolf u.v.a. in Ruhe fotografieren. Die ubelassene Landschaft im Tierpark tut ihr übriges dazu. Gut Licht im Seewinkel!

  9. Herbert Weißböck
      April 25, 2017 at 9:12 PM
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    Schöner Artikel!
    Bin dort ab und zu unterwegs und kenn die Gegend dort recht gut.
    Wird wohl Zeit das ich mich mal wieder mit der Kamera dorthin begebe.
    Lohnende Motive gibt es ja mehr als genug und tja da wäre ja auch noch der unglaublich gute Wein aus meiner Lieblings-Weingegend dort.
    Auf alle Fälle aber gefallen mir solche Artikel recht gut, drum weiter so.
    SY/Herbert

  10. Johann Froschauer
      April 25, 2017 at 8:59 PM
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    Mit viel Liebe fotografiert. War schon sehr oft am Neusiedlersee und es ist jedesmal ein Erlebnis. Nicht nur fotografisch sondern auch kulinarisch. Die verschiedenen Orte rund um den See sind auch eine Fototour wert.
    Bitte weiterhin solche Berichte über fotografische “Hotspots” in der Nähe.

    Dem Autor und ihnen Allen “Gut Licht”
    Johann Froschauer aus Linz

  11. Angelika
      April 25, 2017 at 7:58 PM
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    Gefällt ausgezeichnet.
    Bitte mehr davon.
    Vielen Dank

  12. hardee
      April 25, 2017 at 7:12 PM
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    Ein Allerweltsziel ohne etwas Besonderes zu sein.

    1. Franz
        April 26, 2017 at 8:12 AM
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      Sagt einer, der vermutlich noch nie irgendwo war, außer, mit dem Finger auf der Landkarte.

    2. Karl-Heinz (Charly) Gaub
        April 27, 2017 at 12:22 PM
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      Du bist kein Fotograf, oder ?

  13. Manfred Rusch
      April 25, 2017 at 6:22 PM
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    Toller Artikel!! Danke, hab jetzt richtig Lust bekommen einmal wieder und neu den Neusiedlers zu erkunden. Da ich in Wien wohne ist es ja nur ein Katzensprung.
    Bitte mehr solcher Berichte.

    Liebe Grüße und gute Motive!!

    Manfred Rusch

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