Reinigung mit Tüchern, Lappen und Mikrofaser

In Zusammenarbeit mit SIGMA
In diesem Artikel geht es eigentlich um etwas sehr Profanes. Es dreht sich um die Reinigung Deiner optischen Dinge (Linsen, Displays, Monitore, Sucher und Brillen) mit Tüchern. Ich werde Dir zeigen, dass es doch zu diesem Thema Einiges zu beachten und zu verbessern gibt. Denn Tuch ist nicht gleich Tuch.

Ich zeige Dir die Unterschiede der Materialien und warum man bestimmte Tücher nicht ohne Weiteres nutzen sollte. Was ich hier nicht aufführe, ist die Nutzung dieser Tücher mit irgendeiner Flüssigkeit. Über Reinigungsflüssigkeiten werden wir Dir in einem gesonderten Artikel alles erklären.

Ein wichtiger Hinweis vorab

Bevor Du jemals ein optisches Gerät reinigen möchtest, nutze bitte einen Blasebalg – und diesen nicht im Turbo-Modus!

Wenn Du versuchst mit irgendeinem Tuch Staub, Fett oder Fussel von einer Linse zu entfernen, wirst Du notgedrungen eine Reibung ausführen müssen. Ist nun ein klitzekleiner Partikel im Schmutz, der härter ist als deine Linsenoberfläche, zum Beispiel Sand, reibst Du Mikrokratzer in die Oberfläche. Dies ist auf der Frontlinse noch unter Umständen zu ertragen, doch bei anderen Linsen und Oberflächen kann es zu erheblichen Problemen führen.

Keine Staubsauger nutzen

Auch das Nutzen von Staubsaugern, egal in welcher Stärke, solltest Du tunlichst vermeiden. Das kann zu enormen Schäden, zum Beispiel in Deiner Spiegelreflexkamera, führen. Es gibt viele leichte Elemente in der Kamera, wie zum Beispiel die Verschlussvorhänge, die immensen Schaden nehmen könnten.

Alle inneren Elemente einer Kamera sollten eh vom Fachmann gereinigt werden. Dazu zählen auch Klappspiegel in einer D-SLR und die Mattscheibe. Jetzt zurück zu den „Lappen“:

Die Materialien

Jeder kennt die unterschiedlichen Tücher, Lappen und Einwegpapiere um sich herum, die wir mal schnell zum Reinigen zwischendurch nutzen. Brillenträger wissen, wovon ich schreibe. Ist gerade ein Fettfinger auf der Brille und kein spezielles Reinigungstuch in der Nähe wird auch schnell mal das eigene T-Shirt benutzt.

Dann gibt es noch die Tücher vom Optiker, die immer irgendwie verschwinden und komischerweise auch nicht so effektiv sind. Wenn dann das T-Shirt auch nur die Brille verschmiert, wird gerne zum Taschentuch gegriffen, das natürlich die Freundin immer in ihrer Handtasche mit sich trägt. Alle diese Materialien haben ihre ganz eigenen Eigenschaften und sind mehr oder minder geeignet, um glatte Oberflächen zu reinigen.

Die kommenden Beispielbilder sind alle im selben Maßstab fotografiert. So erkennst Du gut, was für Fasern in den Materialien genutzt werden und wie groß diese sind. Des weiteren macht es einen großen Unterschied, ob die Tücher schon einmal in der Waschmaschine waren oder nicht.

1. Baumwolle

Das gute alte Küchentuch, besonders gerne genutzt, wenn es bereits gebraucht ist, ist wohl der bekannteste Vertreter eines Brillenputztuches.

Aber auch T-Shirts und andere Kleidungsstücke mit Baumwolle gehören zu dieser Gattung (saubere T-Shirts haben den großen Vorteil, dass sie aufgrund des häufigen Waschens quasi fusselfrei sind).

Wer schon einmal beim Optiker war, sieht auch dass das Fachpersonal diese Baumwolltücher nutzen. Es nimmt Fettfilme besonders effektiv auf.

Warum? Wenn es bereits mal mit Spülmittel in Kontakt gekommen ist, befinden sich immer noch kleine Reste dieses Mittels im Tuch. Fette werden dadurch leicht gelöst. Und das Reiben mit dieser Art Tuch „rollt“ das Fett – und kleine Partikel werden so vom Fett eingehüllt und mit aufgenommen. Wahrlich praktisch und effizient.

Wenn ein Küchentuch schon einmal in der Waschmaschine war wirkt es weicher, dem ist aber nicht so. Es ist nur eine leicht ausgefranste Oberfläche entstanden. Die physikalische Härte der einzelnen Fasern ist beständig.

Aber Baumwolle hat auch einen großen Nachteil: Sie ist hart! Die Härte der einzelnen Fasern ist groß genug, um auf Dauer weichere Oberflächen leicht „Taub“ zu reiben.

Einsatzgebiete für Baumwolle im Überblick

Gute Einsatzgebiete fürIm Notfall nutzen fürNicht nutzen für
Brillen aus GlasFront/SammellinsenLCD-Displays/Monitore
Fenster/GlasspiegelKameradisplaysD-SLR Spiegel
SucherMattscheiben
Kunststoffbrillen und weitere Kunststoffoberflächen

2. Papierprodukte

Wie auch bei der Baumwolle, sind viele Papierprodukte (Küchenrolle, Taschentücher, Toilettenpapier) durch ihre Fasern im Grunde recht hart. Da spielt es auch weniger eine Rolle, ob diese recycled sind, oder aber aus vielen Lagen bestehen.

Diese Tücher haben noch einen großen Nachteil: Es lösen sich permanent kleine Stücke aus der Oberfläche. Diese setzen sich dann gerne in den kleinsten Ritzen ab und so reinigt man zwar eine große Oberfläche hinreichend gut, aber man schadet mehr, als dass man reinigt.

Einsatzgebiete für Papierprodukte im Überblick

Gute Einsatzgebiete fürIm Notfall nutzen fürNicht nutzen für
Aufnehmen von Flüssigkeiten (tupfend)GlasbrillenFront/Sammellinsen
FensterscheibenEndlinse (Pupille)LCD-Displays/Monitore
KameradisplaysD-SLR Spiegel
SucherMattscheiben
Kunststoffbrillen und weitere Kunststoffoberflächen

3. Mikrofaser grob (Küchen und Putzlappen)

Unter den Mikrofaser-Tüchern gibt es eine sehr breite Varianz. Selbst die Hersteller unterscheiden auf der Verpackung schon die besten Einsatzgebiete. Dennoch kann man ein vermeintliches Spültuch genauso gut nutzen wie ein deklariertes Glasputztuch.

Das hängt im Grunde von dem genutzten Material ab. Es handelt sich um Kunststoffe, die in langen Fasern mehr oder minder dicht verwoben sind. Durch die große Faserlänge lösen sich diese Fäden auch nicht so leicht vom Tuch ab. Dazu brechen sie auch nicht durch ihre flexible Grundeigenschaft. Wenn sich mal ein länger Faden löst, kann dieser schnell aufgenommen werden.

Dies hat aber auch einen Nachteil: Die groben Mikrofasertücher lassen den aufgesammelten Schmutz auch nicht wieder los.

Das bedeutet: Einmal schmutzig, sind in den Fasern Partikel eingebunden. Bei einer weiteren Reinigung können durch starkes drücken diese Partikel wiederum Kratzer verursachen. Das Waschen genutzter Tücher kann Abhilfe schaffen, aber die Reinigungsleistung auf sehr feinen Oberflächen wird nachlassen. Daher rate ich nur zur Nutzung an optischen System vor dem Waschen – danach sind diese Tücher ja noch in Küche und Werkstatt zu nutzen.

Einsatzgebiete für grobe Mikrofasertücher im Überblick

Gute Einsatzgebiete fürIm Notfall nutzen fürNicht nutzen für
Aufnehmen von Staub (tupfend)Front/SammellinsenEndlinse (Pupille)
FensterscheibenLCD-Displays/MonitoreD-SLR Spiegel
GlasbrillenKunststoffbrillen und weitere KunststoffoberflächenMattscheiben
Kameradisplays
Sucher

4. Mikrofaser fein (Fenster- und Glastücher)

Jetzt komme ich zu meinem persönlichen Favoriten. Diese Tücher nutze ich ständig und habe auch immer welche dabei. Es geht soweit, dass mich Freunde mit Brille bei geselligem Beisammensein direkt fragen, anstatt selbst schnell nach einem Tuch zu suchen. Wie Du bereits an der Vielzahl von Bildern siehst, habe ich auch eine Vielzahl von Tüchern und kann mit gutem Gewissen hier eine Empfehlung aussprechen. Aber auch hier gilt: Nicht waschen!

Nach dem Waschen verändert sich das Gewebe derart, dass danach die Reinigungsleistung extrem abnimmt. Das hat sicher mit Kohäsions- und Adhäsionskräften gleichermaßen zu tun, wie mit der physikalischen Eigenschaft des Gewebes.

Einsatzgebiete für feine Mikrofasertücher im Überblick

Gute Einsatzgebiete fürNicht nutzen für
Aufnehmen von Staub (tupfend) und Filmen (z.B. Fett)Endlinse (Pupille)
FensterscheibenD-SLR Spiegel
GlasbrillenMattscheiben
Front/Sammellinsen
Kameradisplays
Sucher
LCD-Displays/Monitore
Kunststoffbrillen und weitere Kunststoffoberflächen

5. Brillenputztücher (trocken)

Diese Tücher bekommt man in der Regel beim Optiker zu einer neuen Brille geschenkt. Ich habe bisher nicht erkannt, warum dies so ist. Diese Tücher schmieren meist stark, obwohl hier sicherlich Mikrofasern verwendet werden. Dennoch haben sie einen guten Nutzen, doch nicht bei Brillen, sondern bei optischen Geräten: Wenn man seine Optik mit einem feinen Mikrofasertuch gereinigt hat, kann als letzter „Wisch“ so ein Tuch noch den letzten „Schliff“ geben.

Scherz beiseite: Man kann auf diese Art Tücher bei der Reinigung gut verzichten, aber zumindest nehmen sie wenig Platz weg, und so kann man sich ein solch kleines Tuch für den Notfall in sein Portemonnaie stecken.

Im Notfall gut für viele Einsatzgebiete. Auch Endlinsen können damit vorsichtig nach dem Nutzen eines Blasebalges gereinigt werden.

Einsatzgebiete für Brillenputztücher im Überblick

Im Notfall gut fürNicht nutzen für
Viele Einsatzgebiete. Auch Endlinsen können damit vorsichtig nach dem Nutzen eines Blasebalges gereinigt werdenD-SLR Spiegel
Mattscheiben

Konkrete Produktempfehlung?

Ich kann hier keine Empfehlung wie Marke und Supermarktkette aussprechen. Die Produkte variieren viel zu stark und ändern sich auch laufend. Aber wie findest Du jetzt das richtige Tuch?

Mach Deinen eigenen Test.

Wenn Du ein Smartphone besitzt, ist dies recht einfach. Fingerabdruck auftragen und im Supermarkt kurz testweise abwischen. Das Tuch, das die Fettentfernung am einfachsten durch leichten Druck erledigt, ist das richtige.

Ich habe zusätzlich festgestellt, dass sich ein gutes Mikrofasertuch an den kleinen Hautunebenheiten der Fingerspitzen einhakt. Vielleicht hilft Dir dieser Trick Dein bevorzugtes Tuch zu wählen.

Und nochmals zum Abschluss dieses Artikels:

Reinige vorsichtig und nutze zuallererst einen Blasebalg für Staub und Fusel. Ansonsten reibst Du Dir mehr in die Oberfläche als weg von der Oberfläche.

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7 Kommentare

  1. Martin
      Januar 29, 2018 at 6:52 PM
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    Es gibt wundervolle fusselfreie Papierprodukte zum Putzen von Optiken. Diese (mit sanfter Reinigungsflüssigkeit) und Q-tips (ohne schmierende Pflegesubstanzen) sind, womit wir seit Jahren unsere Forschungsmikroskop putzen. Okulare, Objektive und im Notfall auch mal Filter. Niemals unter Druckausübung, aber durchaus mit Papier. Alles Einweg und es wird auch nur 1x gewischt (von der Mitte nach außen), denn hängen mal Krümel und Staub dran will man damit ja nicht wieder über die Überfläche fahren, da kann man ja gleich feines Sandpapier kaufen…

    Sonst sehr guter Artikel, danke :)

  2. Sigrid Gorke
      Mai 16, 2016 at 7:32 PM
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    Hallo,
    ja, der Beitrag ist interessant. Danke.
    Was halten Sie von einem UV Filter, als Schutz, für die Frontlinse?
    LG

  3. Kai
      Mai 9, 2016 at 5:54 PM
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    Mir fehlt noch Info zu Leder z.B. Rehkeder

  4. Jürgen
      Mai 4, 2016 at 9:04 PM
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    Danke für den Interessanten Artikel.
    Ich benutze nach dem Blasebalg den Pinsel und halte dabei die Linse nach unten. Dadurch werden Partikel die sich nicht wegblasen lassen, entfernt. Danach wird mit einem Optikpapier und Optik-Reinigungsflüssigkeit wie es sie z.B. von Hama gibt, gereinigt. Dabei habe ich festgestellt, das Objektivlinsen danach schliererfrei sind, allerdings nicht alle Filter. So sind Schlierer am B&W-Polfilter nur sehr schwer zu entfernen. Gibt es dafür einen Grund?
    Ich vermeide es, ein Tuch für die Linsen mehrmals zu verwenden, um den Staub den das Tuch beim Reinigen als auch im Rucksack aufgenommen hat, nicht auf der Linse herum zu reiben. Daher benutze ich das Optikpapier.

  5. Klaus
      Mai 4, 2016 at 3:29 PM
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    Ich habe früher mal in der Automobilindustrie an der Charakterisierung von Kratzern gearbeitet. Dabei habe ich eines gelernt: NIEMALS trocken wischen! Mindestens anhauchen. Irgendwelcher Staub, der härter ist als die Oberfläche, ist immer da, auch nach dem Abblasen. Das kleinste Bisschen Flüssigkeit reduziert die Reibung ungemein.
    Kunststoffbrillengläser sind übrigens härter im Nehmen als man denkt: die sind heutzutage alle mit einem sog. Hardcoat überzogen, der eine nahezu mineralische Härte hat. Solche Hardcoats werden inzwischen auch durchgängig für alle Automobil-Anbauteile aus Kunststoff verwendet. Diese verkratzen auch nicht so leicht, obwohl sie ständig dem straßenstaubhaltigen Fahrtwind ausgesetzt sind und durch Waschstraßen mit schmutzigen Borsten gefahren werden. Aber auch meine Kunststoffbrillengläser hauche ich zumindest an, bevor ich sie putze.

  6.   Mai 3, 2016 at 5:59 PM
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    Danke für den Beitrag. Weitergehend interessiert mich die Einsatzmöglichkeit von optischen Reinigern, die einen dünnen, klaren Film erzeugen und damit kleinste Kratzer auffüllen und so eliminieren „sollen“. Was ist davon zu halten?

    1. Martin Schwabe
        Mai 4, 2016 at 12:15 PM
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      Ehrlich gesagt – ich gehe davon aus, Du meinst die Frontlinse? – überflüssig. Kratzer in der Frontlinse haben nahezu keinen Einfluss auf das Foto (solange sie nicht 3 cm lang und 5mm breit sind) Maximal mit einen feinen schwarzen Eddig anmalen (nur den Kratzer), damit keine Reflexionen auftreten, aber selbst das ist unnötig. Ich habe selbst in meinen Linsen einige kleine Macken, weil die oft unter extremeren Bedingungen zum Einsatz kommen. Klare Aussage: Kratzer mindern den Wiederverkaufswert, aber nicht die optische Qualität.

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