Regenwetter: Nässe und Spritzer fotografisch richtig in Szene setzen

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Im letzten Teil unserer kleinen Serie über Wasser in der Natur möchte ich Dir noch ein paar Tipps geben zum Thema Regen und Tropfen. Technisch stellt dieses Szenario oft keine große Herausforderung dar, aber Bildschnitt und Standortauswahl sind ein wichtiges und primäres Gestaltungselement. In den vorherigen Artikeln haben wir Dir bereits Tipps zur Fotografie von Tropfen in der Natur und für Bildern von Brunnen und Wasserfällen gegeben.

Zusätzlich zeige ich Dir, wie durch eine Graustufen-Umsetzung Fotos in diesem Themengebiet eine besondere Bildaussage erzielen und wie Du generell bei dieser Art Fotos ein wenig mehr durch die Bildbearbeitung herausholst.

Der Regen

In unseren Breiten hat Regen oft eine dominierende Bildaussage: Melancholie. Regnerische Tage wirken traurig und zuweilen lethargisch. Natürlich gibt es auch Fotos von Kindern, die in Pfützen springen. Hier wird die Bildaussage aber nicht durch den Regen bestimmt, sondern durch die fröhlichen Kinder.

Regen macht nass und Nässe deutet auf Regen hin.

Mit dieser an sich völlig banalen Aussage hast Du aber schon das richtige gestalterische Merkmal in der Hand für tolle Regenfotos. Du solltest diese Regel in Fotos rund um das Thema Regen immer mit einbringen.

Regentropfen, die auf eine Fläche klatschen und einen Spritzkrater erzeugen, sind hier natürlich Stilmittel Nummer eins. Auf diese Technik gehen wir in einem Artikel über Flüssigkeiten im Studio auch noch näher ein.

Neben den Spritzern und der Nässe, sind es auch die sichtbaren Folgen, die einen wesentlichen Teil zu der Bildaussage beitragen: Menschen tragen bei Regen bunte Regenschirme, in den Straßen spiegeln sich die Lichter der allgegenwärtigen bunten Reklame, Regentropfen erzeugen kleine Bildfehler und vermitteln so dem Betrachter das Gefühl von Regen, Nässe und dessen Auswirkung auf ihn selbst.

Regetropfen auf dem Objektiv
Kleine Tropfen auf dem Objektiv führen oft zu schlechten Fotos. Bei Regen können sie hingegen einen tollen Effekt erzielen. Im oberen Bereich siehst Du Bildfehler, die durch einen kleinen Spritzer entstanden sind und das Licht der Straßenlampen zusätzlich brechen. In diesem Fall ist erzielt der ansonsten ärgerliche Bildfehler eine passende Wirkung auf das Gesamtbild.
Leichtreklame in Tokio
Wenn hier wie in Tokio sich die Leuchtreklamen in der nassen Straße spiegeln, wurde das herrschende Regenwetter sehr einfach als Bildaussage vermittelt. Die nächtliche Stimmung hilft natürlich, durch die hohen Kontraste, dem Foto noch etwas mehr Wirkung zu verleihen. Leider habe ich die Zentralperspektive nicht vollständig getroffen. In Tokio auf die Straße zu springen, ist allerdings nicht sonderlich zu empfehlen.
Tokio im Regen
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, ein Regenschirm aber schon einen Regentag.
Nasser Boden in Tokio
Der Boden spiegelt durch die Nässe, der Regen im Himmel ist als Flecken zu erkennen ist und die Menschen tragen auch noch Regenschirme. Jeder Betrachter wird sofort erkennen, dass es ein nasser Tag war.

Die Regentropfen

Regentropfen im Flug zu fotografieren, ist möglich, führt aber meist nicht zu einem schönen Foto.

Regentropfen sind einfach zu klein. Es liegt daher weniger an der Ästhetik der Tropfen, sondern an der Dominanz des Hintergrundes, dass solche Aufnahmen wirklich gelingen. Es muss schon ordentlich „plästern“ (so nennen wir im Rheinland Starkregen), um die einzelnen Tropfen ins rechte Licht zu rücken. Es gibt aber ein Hilfsmittel, um auch wenige Tropfen vom Hintergrund zu lösen:

Den Blitz!

Regen anblitzen

Da Licht im Quadrat zum Abstand in der Leistung abfällt, wird ein angeblitzter Regenschauer deutlich heller als jeder Hintergrund. Ist dann noch die Belichtungszeit gut gewählt, kannst Du die Regentropfen fast schon grafisch fotografieren.

Doppelte Belichtung

Nutzt Du gar ein Stativ, kannst Du ein Foto mit Blitz auslösen und eines ohne. Dadurch ergibt sich eine gute Basis, diese Fotos später in der Bildbearbeitung zu kombinieren und so den Regen in ein einziges Foto zu übertragen.

Viele Kameras haben auch bereits eine Doppelbelichtungsfunktion eingebaut. Meist findest Du diese Möglichkeit tief in den Einstellungen. Hier hilft wieder einmal das Handbuch enorm.

Hast Du nun eine Kamera auf dem Stativ eingerichtet, brauchst Du für eine solche Bildkombination keinen Computer mehr. Stellst Du noch den Blitz auf den zweiten Vorhang ein (der Blitz wird erst am Ende der Verschlusszeit ausgelöst und nicht am Anfang, wie in der Grundeinstellung des ersten Vorhanges), hast Du eine tolle Möglichkeit, Tropfen im Flug zu fotografieren.

Leider fehlt mir zum kombinierten Foto von Regen und Hauptmotiv aktuell noch ein Bildbeispiel. Das Bild reiche ich aber nach, sobald es entstanden ist.

Regentropfen im Flur
Regentropfen im Flug. Eingefangen durch den eingebauten Blitz. Es könnte fast schon ein Meteoritenschauer sein.

Regentropfen auf und durch Glas

Zu diesem Szenario gibt es nicht viel zu erzählen und zu erklären. Es ist ein bekanntes Motiv, Menschen hinter eine verregneten Scheibe zu fotografieren. Aber auch anders herum gibt es erzählerische Möglichkeiten.

Selbst Tropfen ohne Objekt hinter der Scheibe haben ihre ganz eigene Ästhetik. Während eines Regenschauers im Auto zu sitzen, gibt Dir schon eine Menge Gestaltungsmöglichkeiten.

Wählt Du einen kleinen Blendenwert, also eine große Blendenöffnung, kannst Du den entfernten Hintergrund fast einfarbig einfangen. Ob nun Hauswand oder Gelände: Alles verschwimmt zu einer Farbe und die scharfen Tropfen auf der Scheibe können ihre Form gut ins Spiel bringen.

Regen mit schnellem Objektiv
Mit einem schnellen Objektiv (Schnell = Hohe Lichtdurchlässigkeit = Geringer Blendenwert) sind solche Fotos einfach zu erstellen. Aber auch normale Teleobjektive bieten die Möglichkeit von geringer Schärfentiefe, sofern Du ausreichend Abstand zu dem Motiv nehmen kannst (Stichwort: Naheinstellgrenze)

Melancholische Regenfotos durch Graustufen

Die Stimmung aus einem warmen Zimmer einen kalten Regentag zu beobachten, ist schnell und einfach in einem Foto transportiert. Es reicht häufig eine Graustufenumsetzung eines Motivs.

Ich möchte Dir in diesem Artikel nicht viel über die Bildbearbeitung selbst erklären, dafür wird es eine gesonderte Artikelserie geben. Das Thema Graustufenumsetzung ist sehr vielschichtig und ist nicht in ein paar Worten zu vermitteln. Aber ein paar Beispiele zeigen Dir schon einmal, was man mit einer einfachen Entfärbung erzielen kann.

Tipp: Fotografiere in RAW und wähle einen Bildstil für monochrom (schwarz/weiß), gegebenenfalls inklusive der Simulation für einen Farbfilter (damit können die Kontraste in dem Schwarzweißfoto verändert werden). Du kannst die monochrome Wirkung dann schon vorab auf dem Monitor der Kamera beurteilen. Trotzdem bleiben Dir alle Farbinformationen in dem Foto erhalten und Du kannst später am PC das Foto ganz nach Deinen Wünschen entwickeln und auch die Graustufenumsetzung optimieren.

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Aus dem bereits melancholischen Bild eines leeren Cafés entsteht durch eine Schwarzweißumsetzung und wenig künstlichem Rauschen bereits ein viel intensiveres Bild.

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Nicht nur in ein mit Regentropfen benetztes Fenster von außen nach innen kann eine Geschichte erzählen. Wie hier am Beispiel des abfahrenden Busses ist auch ein Foto von innen nach außen eine mögliche Gestaltung. Setzt Du dieses Motiv auch noch in Graustufen um, kann der Betrachter sich seine eigene Geschichte schnell erzählen.

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Aus einem recht langweiligen Motiv wird durch die Schwarz/Weißumsetzung ein gefühlvolles Bild

Fazit: Regenwetter – Ein oft verkanntes Motiv

Wie du an diesen einfachen Beispielen erkennen kannst, ist Regen kein Grund nicht zu fotografieren.

Es bieten sich Dir viele Möglichkeiten auch verklärte Stimmungen in ein tolles Bild zu fangen. Es macht sicher mehr Spaß Kinder mit Rasensprenger im sommerlichen Garten zu fotografieren, aber auch der Februar-März mit seinen häufig grauen und regnerischen Tagen bieten Dir eine Menge Möglichkeiten tolle Fotos zu machen.

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7 Kommentare

  1. Sabine
      Februar 1, 2018 at 10:53 AM
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    Der Beitrag war wieder sehr hilfreich und inspirierend. Auf die Idee mit dem Blitzen wäre ich nicht gekommen. Danke für diesen Tipp.
    Tschüss
    Sabine

  2.   März 2, 2016 at 6:16 PM
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    Beim nächsten Regenschauer werde ich blitzen. ;-)

  3. Rainer
      Februar 26, 2016 at 12:58 PM
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    Sehr gute Anregungen für das schmuddel Wetter und auch für Nachtmotive eine Bereicherung.

  4. Marco S.
      Februar 25, 2016 at 10:52 PM
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    Schöner Beitrag! Solche Fotos sind leicht nachzumachen und gute Möglichkeiten, kreativ zu werden:
    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/2194970/display/37201956

    LG

  5. Nanni217
      Februar 24, 2016 at 1:07 PM
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    Ich bin begeistert von diesem Beitrag!! :-) Die ganze Zeit bin ich genervt von dem Regen, aber jetzt freue ich mich auf den nächsten Regenschauer und werde in den nächsten Tagen mich bei schlechtem Wetter meine Ideen umzusetzen :-) Heute scheint leider ;-) die Sonne

    LG Susanne

  6. Hubert Peters
      Februar 24, 2016 at 12:26 PM
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    Tolle Tipps lese gerne ihre Beiträge !

  7. Hans Mops
      Februar 23, 2016 at 8:09 PM
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    Bin erstaunt was alles bei dem miesen Wetter fotografisch gemacht werden kann. Vielen Dank für die Anregung, denn hier regnet es oft und lange.

    Gruß aus Teltow

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