Mallorca – Traumlandschaften für Fotografen

Die Baleareninsel im Mittelmeer ist als Partyinsel bekannt. Doch Mallorca hat viel mehr zu bieten als Massentourismus am Ballermann: wunderbare Landschaften, Natur und Kultur. Maximilian Weinzierl war unterwegs, um dieses andere Mallorca mit der Kamera zu entdecken.

Formentor Panorama-Straße – Gleich neben der Straße: atemberaubende Steilküste und der Blick aufs Meer hinaus. Foto: Maximilian Weinzierl

Treffpunkt der Winde

Wer nicht so sehr auf Strandpartys steht oder auf den Trubel einer Hauptstadt mit ihren allseits bekannten Fotomotiven, der sollte Palma de Mallorca gleich nach Ankunft am Flughafen hinter sich lassen – am besten mit einem Mietwagen. Für gute Natur- und Landschaftsbilder, auch zu unüblichen Zeiten bei besonderen Lichtstimmungen, muss der Fotograf mobil sein. Mit dem Auto geht es deshalb vom Palma Airport aus einmal quer durch die ganze Insel nach Norden zum Puerto de Pollença. Die 20 Kilometer lange Küstenstraße, die dann von hier aus an die Spitze von Cap de Formentor, dem nördlichsten Punkt Mallorcas führt, hat es in sich: enge Serpentinenstraßen im Fels, manchmal zu eng für zwei Autos nebeneinander und meist haarscharf am tiefen Abgrund entlang, der manchmal nur von einer Steinkante begrenzt ist. Zudem teilt man sich die enge Straße mit unzähligen Radfahrern, die hier unterwegs sind. Steilkurven und enge Felsentunnel lassen die Fahrt zum Abenteuer werden. Man ist zudem den Naturgewalten ausgeliefert.

Bucht von Pollença – Felsen, Gischt und Meer. Bei Sonne: Polfiltereinsatz zur Steuerung der Lichtreflexe und für leuchtend blaues Wasser. Foto: Maximilian Weinzierl

Die Mallorquiner nennen die Halbinsel deshalb „Treffpunkt der Winde“. Rechts und links der Küstenstraße tauchen immer wieder atemberaubende Aussichtspunkte auf. Wer eine Parkmöglichkeit fürs Auto findet, kann zu den Badebuchten absteigen. Ein Fotorucksack ist dabei sehr nützlich, um beide Hände zum Festhalten frei zu haben. Der Fotograf sollte für die Fahrt zum Leuchtturm Faro de Formentor auf der äußersten Spitze der Landzunge viel Zeit einplanen, denn es werden sich viele Fotostopps ergeben. Nach etwa einem Drittel der Strecke ist die meistbesuchte, touristengerecht betonierte Aussichtsplattform, der Mirador Es Colomer, erreicht. Auf dem großen Parkplatz halten hier alle Ausflugsbusse, Autos und Radfahrer an, um den spektakulären Ausblick zu genießen. Viel interessanter ist aber der etwas anstrengende Aufstieg zum Talaia d’Albercutx, dem Wachturm aus dem frühen Mittelalter gleich auf dem Berg gegenüber. Und wer sich zutraut, über die rostigen Steigbügel zum Turmwächterzimmer und von da aus auf das Dach hochzuklettern, der genießt die allerbeste Aussicht überhaupt – und ist dort oben so ziemlich für sich allein. Belohnung für die Kletterei ist ein unvergesslicher Rundumblick über die Bucht von Pollença und Alcúdia. Am Felsen beim Wachturm finden sich Symbiosen von Moosen und Flechten und winzigen Blütenpflanzen. Wer ein Makroobjektiv dabei hat, kann hier reiche Fotobeute machen.

Cala Figuera – Herrlich blaues Wasser und einsame Badebuchten, zu denen man aber erst absteigen muss. Foto: Maximilian Weinzierl
Talaia d’Albercutx – Am Felsen beim Wachturm, Moose und Flechten, kleine Blüten, Makromotive. Foto: Maximilian Weinzierl

Ein Fest für die Sinne

Mallorca ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Die beste Reisezeit für Fotografen ist aber gegen Ende der Vorsaison im Mai. Alles grünt und blüht, die Gegend ist übersäht mit Wildblüten, und die Bäume und Sträucher tragen fotogenes Hellgrün. Später im Sommer trocknet das Land mehr und mehr aus. Wo nicht künstlich bewässert wird, herrschen Gelb- und Ockertöne vor, und die Pflanzen sind weitgehend verdorrt. Das Inselinnere ist dann auch die heißeste Gegend auf Mallorca. Mallorca ist bekannt als Kräuterinsel. In der zentralen Ebene Pla de Mallorca werden Kräuter wie Thymian, Oregano, Rosmarin, Salbei usw. in großem Maßstab kultiviert. Paradisische Zustände nicht nur fürs Auge, respektive für die Kamera, sondern auch für die Nase. An den Zitrusbäumen befinden sich jetzt reife Früchte und neue Blüten zur gleichen Zeit, diese verströmen einen betörenden Duft. Idylle pur: Schafe und Ziegen grasen auf saftigen Blumenwiesen unter Oliven- und Mandelbäumen. Über dem Gebirgszug Serra de Tramuntana an der Nordwestküste ziehen malerisch Wolken am strahlend blauen Himmel auf. Wer da keine Motive findet …

Fotos: Maximilian Weinzierl

Windmühlen und Kirchen

Neben der grandiosen Natur gibt es auch unzählige historische Gemäuer zu besichtigen und zu fotografieren. Und jetzt in der Vorsaison bestehen gute Chancen, die Bauwerke ungehindert – auch mit Stativ – und menschenlos ablichten zu können. Mallorca ist berühmt für seine traditionellen Windmühlen. Sie stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und sind zum Teil liebevoll restauriert. Oft beherbergen sie kleine Museen oder empfehlenswerte Restaurants.

Ruta des Molins – Auf der Windmühlen­route können sechs bedeutsame Windmühlen besichtigt werden. Foto: Maximilian Weinzierl

Es gibt die „Ruta des Molins“, eine offizielle Route, auf der sechs kulturell bedeutsame Windmühlen besichtigt werden können. Ansonsten bieten viele Kirchen, Klosteranlagen, Leuchttür- me und bauliche Kleinodien Architekturmotive in Hülle und Fülle, z.B. Santa Maria del Camí, die Kirche mit dem blauen Dach in der gleichnamigen Gemeinde im Weinanbaugebiet der Insel. Entdeckertour: Man sollte sich die Zeit nehmen und hier ein paar Stunden planlos mit dem Auto umherkurven, um abseits der Autobahn auf kleinen Nebenstraßen nach Motiven zu suchen.

Santa Maria del Camí – Die fotogene Kirche mit dem blauen Dach. Foto: Maximilian Weinzierl

Die Drachenhöhlen bei Porto Cristo

Ein Highlight der Fotoreise sind die Tropfsteinhöhlen an der Ostküste Mallorcas. Die Wege durchs Unterweltlabyrinth sind gut ausgebaut und beschildert. Das Fotografieren stellt eine Herausforderung an die High-ISO-Fähigkeit der Kamera dar (hier mit 12 800 ISO). Die Beleuchtung ist zwar fotogen, aber spärlich und mit Rücksicht auf andere Besucher sind weder Stativverwendung noch Blitzlicht erlaubt. Wer möchte, kann ein Klassik-Livekonzert in der großen Höhle genießen oder sich mit dem Boot über den größten unterirdischen See Europas rudern lassen. Die Höhlen sind ein gut besuchter touristischer Hotspot, aber in der Vorsaison ist es durchaus möglich, Fotos ohne Besucher aufnehmen zu können.

Coves del Drac – Tipp: Eintrittskarten übers Internet im Voraus buchen; man erspart sich damit die lange War- teschlange und kann sicher sein, zum gebuchten Zeitpunkt Einlass zu finden. Verweildauer in der Höhle: 1 Stunde. Fotos: Maximilian Weinzierl

Foto-Equipment

Für die Landschaftsaufnahmen ist ein Weitwinkelzoom optimal. Ein möglichst großes Teleobjektiv für Vogelbeobachtungen an der Felsenküste (3) und für Blüten und Insekten ein Makroobjektiv. Nimm unbedingt ein Stativ mit. Ich hatte neben der Nikon D5, das AF-S Nikkor 2,8/14-24, das AF-S Nikkor 2,8/70-200, das AF-S Nikkor 4/600 sowie das 2,8/105er MikroNikkor im Gepäck. Als Reisestativ begleitete mich das Novoflex Triopod mit MagicBall. Bei den Felsenklettertouren ließ ich stets einen Teil des Equipments verdeckt im Auto zurück. Aufmerksam: An manchen Parkbuchten gibt es diese „dezenten“ Hinweise, dass sich an dieser Stelle eine gute Fotografiergelegenheit bietet.

Ein Artikel aus dem ColorFoto-Magazin.

 

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1 Kommentar

  1. stephan.schoepfer
    Stephan Schöpfer
      Mai 24, 2019 at 11:43 AM
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    Ja, Mallorca ist ein Traumziel fürs Fotografieren, ich war bislang vor allem an der (Süd-)Ostküste unterwegs. Aber auch Palma bietet sehr attraktive Motive, vor allem La Seu, die gigantische Kathedrale. Ansonsten der Tramontana Gebirgszug, die alten Züge und Straßenbahnen in Port de Soller im Norden. Und viele weitere Lokationen, u. a. auch die vorgelagerte Insel Cabrera im Süden.

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