Kalibration und Profilierung unterscheiden

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Eines der komplexesten Themen in der digitalen Fotografie ist die Konsistenz der Wiedergabe.

Was heißt das?

Alle Wiedergabegeräte (typischerweise Dein Computermonitor oder Dein Smartphone) zeigen ohne ein sogenanntes Farbmanagement ein und dasselbe Foto unterschiedlich an. Nicht nur die Helligkeit kann dabei stark variieren, sondern auch die Farbwiedergabe.

In einem kleinen Maßstab sind Unterschiede sicherlich zu verkraften. So sieht beispielsweise der Himmel in einem Deiner Urlaubsfotos auf Deinem Smartphone ebenso fantastisch aus wie auf Deinem viel helleren Fernseher. Vielleicht nimmst Du den Himmel hier mal heller und dort mal blauer wahr. Die grundlegende Information: „Toller Urlaub, grandioses Wetter“ wird also vielleicht heller oder bläulicher dargestellt.

Wer fragt da schon nach. Jeder erkennt doch das schöne Wetter.

Also: Warum ist die Konsistenz so wichtig? Dies soll Dir eine Artikelserie aufzeigen und Dir Methoden zur Hand geben, mit denen Du die Wiedergabequellen richtig einstellst.

Mit diesem ersten Artikel schmeiße ich Dich erst mal ins kalte Wasser und zeige Dir warum eine Kalibrierung und Profilierung für einen Fotografen wichtig ist. In den kommenden Artikeln rund um das Thema Farbmanagement nehme ich nämlich immer wieder Bezug auf dieses Wissen. Du wirst erkennen, dass es durchaus sinnvoll ist, Deine Wiedergabegeräte so einzustellen, dass nicht nur Du die richtigen Farben siehst, sondern auch andere auf deren Geräten.

Aber keine Angst, anhand eines einfachen Fallbeispiels am Anfang des Artikels erkläre ich Dir, warum das Thema so wichtig – aber im Grunde auch leicht zu verstehen ist.

Kalibration/Profilierung

Zuerst möchte ich Dir den Unterschied zwischen Kalibration und Profilierung kurz erläutern. Den hier wird oft das Richtige gemeint, aber das Falsche gesagt:

Kalibration

Die Kalibration von Geräten, wie zum Beispiel einem Monitor, bezeichnet im Grunde nichts anders als das Justieren der möglichen Einstellmöglichkeiten. Wenn Du an einen alten Fernseher denkst, der noch Drehknöpfe für Helligkeit, Kontrast und Farbe hatte, so ist das dortige Drehen an den Knöpfen im Grunde eine Kalibration. Egal was Du dort wählst!

Ergo ist das Kalibrieren eines Monitors noch lange nicht ein Garant für eine konsistente Farbwiedergabe. Er wird nur anhand seiner Möglichkeiten Deinen Wünschen spezifisch eingestellt.

Profilierung

Profilierung bedeutet, dass die Eigenschaften des Wiedergabegerätes gemessen und protokolliert werden. Und der wichtigste Teil dieses Profils ist der IST-Zustand. Im Grunde steht dort also wie mein Gerät gerade eingestellt ist und was es kann.

Nutzen

Die Kalibration ist normalerweise eine Sache des Benutzers und seiner Wünsche. Der Eine mag einen sehr hell strahlenden Monitor (sehr üblich bei einem Fernseher) und der andere ein dunkleres Gesamtbild, aber mit satteren Farben.

Wenn Du sicherstellen will, dass Dein Urlaubsfoto von jedem anderen so gesehen wird, wie Du es siehst, benötigt der Andere doch bestimmt Dein Profi-Monitor-Profil. Oder vielleicht doch nicht?

Fallbeispiel

Sagen wir, der Andere ist Dein Bruder in einer fernen Stadt. Er schaut sich gerne Deine Fotos auf seinem Firmen-Laptop an. Dieser ist schon in die Jahre gekommen und besitzt nur einen einfachen Screen/Monitor für einfache Büroanwendungen. Für seine Tortendiagramme und für das kleine Spiel Solitär in der Mittagspause reichen ihm die eher knackigen Farben.

Schickst Du ihm nun Dein tolles Urlaubsfoto mit dem integrierten Profil Deines super tollen High-End-Profi Monitors per E-Mail, kann seine Betrachtungssoftware vielleicht das Profil auswerten, aber dieser olle Laptopmonitor kann mit seinen geringen Möglichkeiten die Unterschiede gar nicht kompensieren. Ergo ist Deine Kalibration und das durch einen Sensor eingemessene Monitorprofil scheinbar sinnlos.

In der Logik würdest Du eher das Monitorprofil des Laptops Deines Bruders benötigen. Dann könntest Du Deinen Monitor absurd herunterregeln, um den Monitor Deines Bruders zu imitieren. Dann könntest Du mindestens per Bildbearbeitung Dein Foto so verdrehen, dass Dein Bruder Dein Urlaubserlebnis wenigstens ein bisschen miterleben kann.

Aber was ist, wenn Du neun weitere Geschwister hast? Ich glaube Dir wird klar, dass zehn verschiedene Bildbearbeitungen pro Foto zu aufwendig sind.

Die Lösung

Wie bei vielem im Leben ist ein Kompromiss oft eine tolle Sache. So auch bei der Problematik der unterschiedlichen Wiedergabe eines Monitors, Fernsehers, Tablett, Smartphones etc. Denn Du benötigst nicht das Profil des Monitors Deines Bruders, sondern Du, er, und alle anderen sollten dem gewählten Standard folgen.

Ohne ein Profil zeigen Dir die Betrachtungsgeräte alle an, was sie wollen. Es gibt zwar Hard- und Software, die generell von einem sRGB-Profil ausgehen. Dennoch kannst Du Dich nicht darauf verlassen. Woher solltest Du beispielsweise auch wissen, mit was sich ein Facebook-Freund sich Deine Fotos ansieht.
Ohne ein Profil zeigen Dir die Betrachtungsgeräte alle an, was sie wollen. Es gibt zwar Hard- und Software, die generell von einem sRGB-Profil ausgehen. Dennoch kannst Du Dich nicht darauf verlassen. Woher solltest Du beispielsweise auch wissen, mit was sich ein Facebook-Freund sich Deine Fotos ansieht.

Dein Bruder würde weiterhin nur Office-typische bunte Farben sehen, aber Deine anderen Geschwister mit modernerem Equipment sehen Deine Urlaubsfotos so wie Du!

Als minimalen Standard hat man den sogenannten sRGB-Farbraum definiert. Er stellt den kleinsten allgemein darstellbaren Farbraum dar. Aber es gibt viele weitere Standards. Doch dazu später mehr.

Unterschiedliche Wiedergabegeräte
Unterschiedliche Wiedergabegeräte

Dieser „Wiedergabestandard“ läge also gedanklich zwischen Deinem und dem Monitor Deiner Geschwister. Die jeweilige Soft- und Hardware würden die Wiedergabe des jeweiligen Monitors so ändern, dass diese weitestgehend dem gewählten Standard entsprechen.

Natürlich gilt auch bei dieser Lösung: Was nicht geht, geht nicht. Wenn ein Display/Screen/Monitor kein strahlendes Tiefblau technisch darstellen kann, wird auch ein Farbmanagement nicht viel helfen können. Doch auch in diesem Fall ist ein Farbmanagement sinnvoll. Denn unter der Haube wird der Farbraum so gestaucht, dass auch der schlechte Monitor halbwegs die richtigen Farben anzeigt – nur halt ein wenig ungesättigter.

Die Wege, die Dein Urlaubsfoto machen kann. Dabei ist nicht garantiert, dass das jeweilige Wiedergabegerät es so anzeigt, wie ein anderes.
Die Wege, die Dein Urlaubsfoto machen kann. Dabei ist nicht garantiert, dass das jeweilige Wiedergabegerät es so anzeigt, wie ein anderes.

Fazit

Ich hoffe, bei Dir hat es „Klick“ gemacht und Du kannst die Notwendigkeit des Farbmanagements jetzt erahnen. Du solltest nun auch den Unterschied zwischen einer Profilierung und einer Kalibration verstehen.

Ausblick

Im nächsten Artikel zeige ich Dir anhand der Kalibration und Profilierung eines Top-Monitors, was alles dabei zu beachten ist und welche Technik hierzu nötig ist. Ich zeige Dir auch Wege auf, mit denen Du kostengünstig auch einfachere Monitore etwas linearisieren kannst und was linearisieren überhaupt bedeutet.

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13 Kommentare

  1. Jürgen Piechotta
    Jürgen Piechotta
      April 10, 2018 at 7:33 PM
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    Es heißt übrigens Kalibrierung, nicht Kalibration.

  2. Wilfried
      September 24, 2017 at 5:12 PM
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    Kalibrieren und justieren sind nicht das Gleiche!
    Eichamt Sachsen:
    – „Kalibrieren (Einmessen) ist das Ermitteln eines Zusammenhanges zwischen Messwert oder Erwartungswert der Ausgangsgröße und dem wahren oder richtigen Wert der als Eingangsgröße vorliegenden Messgröße.“
    Wikipedia:
    – „Kalibrierung in der Messtechnik ist ein Messprozess zur zuverlässig reproduzierbaren Feststellung und Dokumentation der Abweichung eines Messgerätes oder einer Maßverkörperung gegenüber einem anderen Gerät oder einer anderen Maßverkörperung, die in diesem Fall als Normal bezeichnet werden.“

    Justieren:
    Wikipedia:
    – „Einstellen oder Abgleichen eines Messgerätes, um systematische Abweichungen so weit zu beseitigen, wie es für die vorgesehene Anwendung erforderlich ist. − Justierung erfordert einen Eingriff, der das Messgerät bleibend verändert.“
    Eichamt Sachsen:
    – „Justieren im Bereich der Messtechnik heißt, ein Messgerät oder eine Maßverkörperung einstellen oder abgleichen. Justieren erfordert einen Eingriff, der das Messgerät oder die Maßverkörperung bleibend verändert.“

  3. Christian Frank
    Christian
      September 21, 2017 at 5:39 PM
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    ich bin interessierter Anfänger und habe mir, da ich privat nur ein altes (wie im obigen Beispiel) Notebook hatte einen kleinen Eizo mit dem Kalibriergerät gegönnt. Würde ich jeder zeit wieder tun. Das ist was ganz anderes.

  4. THR Cadolzburg
      September 20, 2017 at 7:51 AM
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    Das Problem mit der Darstellung am Monitor ist ja lokal per Profil gut lösbar. Beim Fotoabzug wird es etwas problematischer, gerade wenn man die Abzüge am Automaten machen lässt. Da gibt es immer leichte Farbstiche und es ist sinnvoll, immer den gleichen Anbieter zu wählen.
    Richtig anspruchsvoll wird es beim echten Druck und der Umwandlung von RGB oder sRGB in den erforderlichen Standard CMYK. Ein schlimmes Erlebnis hatte ich vor 7 Jahren, als eines meiner Bilder im Monatswettbewerb der FC Platz 1 belegte. Es wurde folglich in der Fotocommunity plus abgedruckt. Dort erschien es stark blaustichig. Peinlich! Interessant ist, dass das Bild heute fast i.O. ist, da die Sättigung der Farben nach jahrelanger Lagerung des Heftes nachließ.
    LG Thomas

  5. Uwe Dorloff
      September 19, 2017 at 10:37 PM
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    Ich bin schon gespannt auf die nächste Ausgabe, die Software für die Profilierung habe ich schon liegen, nun hoffe ich, das ich mit eure Hilfe ein Stück weiter komme.

    1. Armin Bredel Photography
      Armin Bredel
        September 21, 2017 at 9:03 AM
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      Mit Software allein ist es nicht getan. Da benötigst Du auch ein Messsystem ala Spyder z.B. Weitere Hardware ist zur unterstützung unabdingbar, alles andere ist nur grob und pi mal Daumen eingestellt aber nie etwas 100%iges worauf man sich bei der Einmessung und Justage der Farbprofile verlassen kann.

  6. cornelia Sonneck
      September 19, 2017 at 9:19 PM
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    ich finde, der Artikel ist ein guter Einstieg in ein Thema, das mich auch umtreibt und für das ich keine befriedigende Lösung finden kann. Ich wünsche mir, dass in den nächsten Folgen auch eine “ Kalibrierung“ für Mittelklassemonitore besprochen wird, denn die teuren Profimodelle kann und will sich ja nicht jeder Amateurfotograf leisten Ich bin gespannt!

    1. Norbert Eßer
        September 19, 2017 at 11:17 PM
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      Du wirst sehen/lesen, dass die beispielhafte Kalibration an einem High-End-Monitor Sinn macht – auch für die Mittelklasse. Es wird sich nicht um den speziellen Monitor drehen, sondern durch seine breiten Möglichkeiten kann ich fast alles Wesentliche ansprechen.

      Und nach diesem Artikelblock werden noch Einige für Dich interessante folgen, die dann anhand von Beispielen auch auf „ältere“ Monitore eingehen werden.

      Wir können leider nicht in einem einzigen Artikel bereits alle Dinge zu jedem Thema erklären. Und gerade das Thema ist extrem aufwendig. Bleib dran!

  7. babsy44
    Barbara Werner
      September 19, 2017 at 8:26 PM
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    Ich begrüße, dass dieses Thema behandelt wird und bin gespannt auf die Folge. Nur habe ich ein Problem mit der Sprache. Ist es neuerdings üblich, englische Wörter nur mit Großschreibung ins Deutsche zu übernehmen? Bei Themen wie der Raumfahrt und Computerforschung sehe ich das noch ein, weil es dafür im Deutschen kein entsprechendes Wort gibt. Aber Kalibrieren und Kalibrierung sind schon urdeutsch geworden und in der Wissenschaft seit Erfindung dieser Technik üblich.

  8. Shivasubramanyam
      September 19, 2017 at 7:05 PM
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    Das Thema macht mich schon seit Jahren verrückt. Ich hab es aufgegeben tiefer zu gehen, weil so viele unbeeinflussbare Unwägbarkeiten darin vorhanden sind.

    Wie z.B. senden per mail wird schon nicht 1:1 übertragen sondern kommt im Farbmanagement des Providers. Also kommt es schon anders an als ich es verschickt habe. Außer ich hab es gezippt.

    Deshalb hat es Norbert Eßer richtig ausgedrückt. Eigene Hardware und z.B. Browser, Fotobetrachter usw. kalibrieren. Alles andere ist nicht beeinflussbar.

  9. Dieter Matthe
      September 19, 2017 at 6:28 PM
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    Erstmal ist der Monitor hier dran. Das spätere Ausdrucken ist eine andere Sache und ist ein Glücksspiel je nach Hersteller.

    Ich arbeite mit einer Graubild-Abstufung Darstellung. Stimmt die Abstufung, dann stimmt zumindest die Helligkeit des Monitors ohne die eine ordentliche Bildbearbeitung nicht möglich ist.

    Der Artikel spricht mir aus dem Herzen, da ich in der Vergangenheit für meine Kritik an schlecht eingestellten Monitoren und dadurch unberechtigte „Anmache“ von Fotofreunden an meinen Fotos ertragen musste.

    Auf die unterschiedliche Farbdarstellung wird diese Artikel-Folge bestimmt noch eingehen.

    Beste Grüße
    Dieter

  10. Christian Pulver
      September 19, 2017 at 6:15 PM
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    Interessant wär auch mal den Dschungel zu beleucheten der sich auftut,
    wenn die Farben farbecht vom Monitor auf’s Papier sollen.
    Das wird leider zur Lotterie, auch wenn man Monitor und Drucker kalibriert und teure Icc-Profile installiert….

    1. Norbert Eßer
        September 19, 2017 at 6:28 PM
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      Wir werden dieses Thema sicherlich auch aufnehmen. Dies ist aber ein ultra komplexes Thema mit sehr vielen Variablen. E fühlt jetzt bereits etliche Bücher. Alleine, das wir im Internet nicht vernünftig darstellen können wie etwas auf Papier aussieht ist ein großes Problem.

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