In fünf Schritten zum besseren Bild: Rotkehlchen

Optimierung: Viele Bilder wirken alltäglich, und doch steckt viel Potenzial darin. Wir zeigen, wie Du solche Aufnahmen schnell aufwerten kannst. Hier wird die RAW-Datei entwickelt und dabei zuerst das Foto in den Grundeinstellungen und dann partiell angepasst; wir entfernen störende Elemente und legen den Ausschnitt neu fest. Dies geschieht in Photoshop CS 6 – aber andere Programme eignen sich ebenso.
Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 01-2018.

Zum Bild

Das Bild ist ein Schnappschuss, entstanden bei einem Winterspaziergang. Plötzlich saß dieses Rotkehlchen im besten Licht der tiefen Mittagssonne vor mir, im Abstand von zwei bis drei Metern. Ich hatte zwar das AF-S Nikkor 2,8/300 mm an der Nikon D810, für eine formatfüllende Abbildung reichte das Tele dennoch nicht aus.
Eine weitere Annäherung an den Vogel wollte ich nicht riskieren.
Da das Brustgefieder in der Sonne spiegelnd glänzte, habe ich die Belichtungsautomatik um -2/3 Blenden korrigiert, wodurch das unbearbeitete Bild etwas zu düster wirkt.

Foto vorher
Rotkehlchen – Vorher
Foto: Maximilian Weinzierl

Korrigieren der RAW-Datei in fünf einfachen Schritten:

  1. Grundeinstellung
  2. Partiell abdunkeln
  3. Partiell aufhellen
  4. Störende Elemente wegstempeln
  5. Ausschnitt wählen und schärfen

(1) Grundeinstellungen

Das Bild wird im Adobe RAW Converter in Lightroom oder Elements oder wie hier in Photoshop CS geöffnet. Das Foto ist unterbelichtet, das zeigt auch der Blick auf das Ausgangshistogramm (unten). Durch das Verstellen der Regler im Grundeinstellungen-Dialog wird Folgendes global korrigiert: Belichtung, Kontrast und Tiefen. Zusätzlich erhält die Aufnahme etwas mehr Klarheit und Dynamik.

Grundeinstellungen
Foto: Maximilian Weinzierl
Histogramm vorher
Histogramm vorher

(2) Partiell abdunkeln

Wir wechseln in den Korrekturpinsel-Dialog des RAW-Konverters. Mit einem großen, sehr weichrandigen Pinselwerkzeug wird der vordere Bereich (das Brustgefieder und die hellen Zweige) maskiert und dann mit dem Belichtungsregler wieder etwas abgedunkelt.

Partiell abdunkeln
Foto: Maximilian Weinzierl

(3) Partiell aufhellen

Im nächsten Schritt wird das Bild mit einem (neuen) Korrekturpinsel in der Gegend am und hinter dem Kopf des Rotkehlchens aufgehellt. Der grüne Bereich zeigt die gepinselte Maske, bzw. den Wirksamkeitsbereich der Korrektur. Die Maske lässt sich ausschalten.

Partiell aufhellen
Foto: Maximilian Weinzierl

(4) Elemente wegstempeln

Nach der globalen und partiellen Korrektur im RAW-Konverter wird das Foto in Photoshop geöffnet, um weitere Korrekturen vorzunehmen.
Es gibt ein paar Ästchen, die den harmonischen Eindruck stören. Diese werden mit dem Stempelwerkzeug entfernt. Beim Wegstempeln der hier relativ großen Flächen ist darauf zu achten, dass das Werkzeug nicht auf 100% Deckkraft eingestellt ist. Ein mehrmaliges Überstreifen der betreffenden Stelle mit einem weichen Pinselrand und der mehrmalige Wechsel des Aufnahmepunkts ergeben einen natürlicheren Eindruck.

(5) Ausschnitt und schärfen

Die 36-MP-Auflösung der Nikon D810 lässt genügend Freiraum für Ausschnitte.
Mit dem Ausschnitt-Werkzeug wird der gewählte Bereich so aufgezogen, dass das Rotkehlchen formatfüllend abgebildet wird. Die Checkbox im Freistell-Dialog „Außerhalb liegende Pixel löschen“ ist dabei nicht angeklickt.
Somit bleiben die „abgeschnittenen“ Pixel unsichtbar erhalten. Man kann dann später über das Freistellwerkzeug wieder Bildfläche zurückholen – für ein großzügigeres Layout oder für die Einpassung in ein Norm-Bildformat beim Printen.
Der letzte Schritt in der Bearbeitung ist die Schärfung im Dialog „Unscharf maskieren“ (Filter – Scharfzeichnen). Die Parameter werden je nach Ausgabegröße bzw. Verwendung des Fotos eingestellt, hier für den Offsetdruck durchaus etwas deutlicher als zum Beispiel für eine Präsentation am Monitor oder für einen Tintenstrahldruck.

Finales Bild

Foto Nachher
Foto: Maximilian Weinzierl

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Autor: Maximilian Weinzierl

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12 Kommentare

  1. Rolf Hagen
      Oktober 1, 2018 at 5:53 PM
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    Einen “Schnappschuss” dieser Art wünscht man sich. Es ist auch okay,
    wenn man dann nachbearbeitet, aber hier wurde es m.E. etwas übertrieben.
    Jedoch interessant zu sehen, was alles machbar ist.

  2. Lutz Klapp
      Oktober 1, 2018 at 12:44 PM
    Kommentar bewerten

    Schlechtes Beispiel. Das Ausgangsfoto ist nicht gut. Das finale Foto ist auch nicht gut. Hier bei diesem Beispiel ist niemandem geholfen!

  3. Wolfram Becker
      September 29, 2018 at 5:58 PM
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    es geht nicht um die Bewertung des Bildes sondern wie man aus einem schlechten Bild ein Besseres machen kann. Einiges ist sicher Geschmackssache. Danke

  4. polycera
      September 29, 2018 at 11:04 AM
    Kommentar bewerten

    Als Beispiel war das Foto ein austeichendes Muster. Es sollte hier sicher nicht ein Topfoto vorgestellt, sondern nur beispielhaft die Bearbeitungsschritte werden.
    Ich würde mir weitere Ausführungen zum Schärfen, auch für die unterschiedlichen Medien, wünschen. Da hadere ich ich immer mit der passenden Stärke der unterschiedlichen Einstellmöglichkeiten in PS.

  5. Harald Grimm
      September 29, 2018 at 8:26 AM
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    Es geht um das Rotkehlchen,daspielt der Hintergrund keine allzu große Rolle.

  6. Günter Thomsen
      September 28, 2018 at 10:26 PM
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    Ich muss sagen,der Fotofreund hat recht mit der Aussage.Das Bild ist für mich überschärft.
    Ich arbeite mit einem 26 Zoll Mac und dem alten “Aperture” Progamm.. da lassen sich solche Bearbeitungen um einiges besser machen.

  7. Mandi
      September 28, 2018 at 3:20 PM
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    Den bisherigen Kommentaren kann ich nur zustimmen. Das Stempeln bringt zwar mehr Ruhe ins Bild, aber wer genau hinschaut wird merken, das der kleine Ast hinten weitergehen müsste. Das heisst: Auch vorne muss der Ast rausretuschiert werden – oder man lässt es ganz bleiben.
    Vieles, was in der Bearbeitung je nach Routine mehr oder weniger mühsam korrigiert werden muss, könnte oft schon bei der Entstehung des Bildes erledigt werden. Hier evtl. ein kleiner Schritt nach rechts, und der (zu) dunkle Stamm rutscht aus dem Bild. Das gäbe dann evtl. Einen ausgewogeneren Hintergrund, der nich weggeschnitten werden müsste.
    Trotzdem: die beschriebenen Schritte sind sehr hilfreich und im Nachhinein ist man immer schlauer. Und gerade bei solchen Zufallsmotiven fehlt oft auch die Zeit für das Optimieren vor Ort.

  8. JÖRG EBERL
      September 28, 2018 at 2:20 PM
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    in der Umgebung sollte etwas MEHR Lebensraum des vogels zu sehen sein,es lebt ja in der Natur,und nicht in einem …käfig.
    finde acu das bild zu kantig,..zu scharf,das federkleid ist auch zahrt und weich,nicht so hart wie im bilde zu scheinen sein-
    …ist meine Meinung jörg

  9. Peter Trappl
      September 28, 2018 at 10:45 AM
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    Das Foto ist nun überschärft und unnatürlich. Vor dem Schärfen viel besser. Außerdem stimme ich dem oberen Kommentar zu, dass der Ausschnitt zu klein gewählt wurde.
    Keine gute Fotobearbeitung.

    1.   Oktober 4, 2018 at 4:24 PM
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      Der Autor schreibt doch ausdrücklich, dass er das Bild für Offsetdruck geschärft hat, das ist für die meisten Monitore natürlich zu viel.

  10. Malte
      September 28, 2018 at 8:48 AM
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    Das Abdunkeln bzw. aufhellen im Bereich des Vogels ist OK. Über das Wegstempeln des Astes kann man streiten. Ich hätte es wahrscheinlich nicht gemacht, aber ich gebe zu, es verbessert schon etwas die Wirkung. Nur das extreme Beschneiden stört mich. Das Einbinden des Lebensraums eines Tieres finde ich wichtig. Und in dem Ursprungsbild finde ich den unscharfen Hintergrund ansprechend. Das Endprodukt entspricht der alten Tierfoto-Weisheit: “Kannst du es nicht schön machen, dann mach es wenigsten Groß”

    1. heinz Lutz-Kretzberg
        September 29, 2018 at 1:54 PM
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      Das ist hier ganz richtig geschehen .. es fehlt der natürliche Lebensraum.
      Ist wohl richtig,dass bei Wildlife Aufnahmen man nicht großartig die Perspektiven wechseln oder aussuchen kann .
      Somit kann dann gerne _etwas _ bearbeitet werden ,dann aber logisch richtig .( Ast weg stempeln )

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