HighKey und LowKey

Helle und dunkle Bilder. Manchen Bildern fehlt einfach das gewisse Etwas. Suche doch mal Motive, die aus überwiegend hellen bzw. überwiegend dunklen Partien bestehen. Achte dabei auf das Histogramm des Bilds und die spezielle Verteilung der Helligkeitswerte: Die Tonwerte drängen sich gehäuft am Anfang bzw. Ende der Tonwertskala zusammen. Erzeuge damit Stimmung in Deinen Bildern!

Ein HighKey- bzw. LowKey-Foto aufzunehmen, bedeutet nicht einfach, ein beliebiges Motiv über- bzw. unterzubelichten, denn nicht alle Motive sind für solche Fotos geeignet. Das typische HighKey-Bild zeigt ein helles Motiv vor einem hellen Hintergrund, das LowKey-Bild entsprechend ein dunkles Motiv vor einem dunklen Hintergrund. Besonderes Augenmerk ist hier auf die Belichtung zu legen: Obwohl sich die Tonwerte am Anfang bzw. am Ende des Histogramms konzentrieren, sollte der gesamte Umfang im Bild vorhanden sein, d.h. alle Tonwerte sind zumindest minimal besetzt.

HighKey

Nikon D810 | 85mm | ISO400 | f/4 | 1/125 s
Foto: Maximilian Weinzierl
Diese Augen – Ein geradezu klassisches HighKey-Bild: ein hellhäutiges Model vor einem hellen, lichtdurchfluteten Hintergrund. Das Gesicht ist mittels Stoffreflektor aufgehellt. Die Konzentra­tion des Betrachters ist auf die ausdrucksstarken Augen gerichtet (hier finden sich auch die wenigen dunklen Tonwerte des Bilds), alles andere wird mehr oder weniger ausgeblendet. Beauty­Foto: Die Anmutung ist makellos schön – wie nicht von dieser Welt.
Nikon D810 | 80mm | ISO200 | f/6,3 | 1/160 s
Foto: Maximilian Weinzierl
Winterweiß – Bei dieser Winterlandschaft gibt es durch das diffuse Licht und die leichte Überbelichtung wenig Tonwerte im dunklen Bereich. Die im Bild überwiegenden hellen Tonwerte bilden sanfte Übergänge in den Weißtönen, und die Pflanzen mit den Schneehäubchen erscheinen dadurch duftig watteweich. Durch die HighKey­Umsetzung des Motivs herrscht eine positive warme Stimmung an diesem eigentlich düsteren, nasskalten Januartag.

LowKey

Nikon D850 | 105mm | ISO100 | f/32 | 1/160 s
Foto: Maximilian Weinzierl
LowKey-Tabletop – Stillleben mit glänzenden schwarzen Tellern, schwarzen Trinkhalmen und einem schrillen Plastik-Rührstab als Kontrapunkt. Ein kontrastreiches Gegenlichtbild mit wenig hellen Tonwerten. Neben den weißen Lichtkonturen enthält das Bild große reinschwarze Flächen, die praktisch zeichnungsfrei sind. Im Schwarz kann man viele Details verschwinden lassen. Das Bild wirkt dadurch fast grafisch; ein LowKey-Bild, das aber nicht wie üblich düster erscheint, sondern stilvoll und elegant. Es ist die Titelseite einer Bar-Getränkekarte.

Nikon D3s | 105mm | ISO200 | f/13 | 1/60 s
Foto: Maximilian Weinzierl
Rätselbild – Ein geheimnisvolles dunkles Stillleben, und erst auf den zweiten Blick ist erkennbar, was es eigentlich darstellt: Schwarze Lakritz-Bären in Reihen angeordnet. Erkennbar werden die schwarzen Bärchen, die auf schwarzem, lichtschluckendem Samt liegen, nur dadurch, dass sich in den Rundungen die einzige Lichtquelle spiegelt. Auf Farbe wird ganz verzichtet. Das Bild ist ganz LowKey-Art: ein bisschen bizarr und spooky.

Nikon D3s | 105mm | ISO200 | f/22 | 1/125 s Foto: Maximilian Weinzierl
Schwarz auf Schwarz – Lichtschluckendes schwarzes Fell vor dunklem Hintergrund darzustellen, ist eine besondere fotografische Herausforderung. Das Fell wird hier durch seitliche Lichtreflexionen sichtbar gemacht. Diese zeichnen die Körperkonturen nach und heben das Tier vom Hintergrund ab. Im Kontrast dazu stehen die wenigen farbigen Details. Die LowKey-Aufnahme erzeugt Stimmung. Ist der Betrachter nicht geneigt, dem schwarzen Goldhamster einen diabolischen Wesenszug zuzuschreiben?

Fazit

In diesem Artikel hast Du gelernt, wie Du durch die Konzentration auf dunkle oder helle Partien eine ganz besondere Stimmung in Deinen Bildern erzeugen kannst. Zeig uns Deine HighKey- und LowKey-Fotos!

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10 Kommentare

  1. Horst
      Januar 19, 2019 at 4:34 PM
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    Könnte noch etwas intensiver mit mehr Beispielen dar gestellt werben, aber sonst ok und eine gute Anregung für Aufgaben im Fotoclub.
    Gruß Horst

  2. Wolfram Becker
      Januar 19, 2019 at 2:37 PM
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    Danke, wiedermal eine gute Anregung

  3. Maik Kullick
      Januar 19, 2019 at 9:08 AM
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    Eine sehr interessante Aufgabe mal sich in diesem Bereich zu bewegen und Fotos zu machen. Danke für den Artikel!

  4. Margrid
      Januar 19, 2019 at 6:26 AM
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    Der Beitrag war sehr Aufschlussreich. Ich werde auch versuchen Fotos in Low Key und High Key einmal zu fotografieren. Hat mir gefallen, danke.
    Gruß Margrid

  5. Michael Rothaupt
      Januar 18, 2019 at 8:33 PM
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    Eine konzentrierte Zus<mmenfassung dieser beiden Lichtsituationen, die hoffentlich jedem klar machen, dass das Bild vor der Aufnahme durchdacht sein sollte und nicht durch Nachbearbeitung allein gut wird

  6. W.Böni
      Januar 18, 2019 at 1:20 PM
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    Ich finde eure Beiträge grundsätzlich sehr gut.
    Hier muss ich aber wirklich mal was schreiben.. Wieso nicht auf die Kameraeinstellungen eingehen (Belichtungskorrektur/Kontrastanpassung/Schärfeanpassung falls vorhanden etc.) damit der Leser zumindest einen Ahnung hat was er denn an der Kamera alles einstellen kann/muss um schlussendlich auch ein Highkey oder ein Lowkey Bild erhält.. Wenn eben nicht im Manuellen Modus fotografiert wird sondern im AV/A Modus würde ich behaupten sind solche Fotos schlicht nicht möglich. Es handelt sich ja hier eher um Informationen für den interessierten Nicht-Profi.
    Oder hab ich da was übersehen?

  7. Heinz Müller
      Januar 18, 2019 at 1:00 PM
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    Sehr gute Bildbeispiele. Ich betreibe neben der digitalen Fotografie immer noch mit Begeisterung die analoge. Diese Bilder rufen förmlich als Anregung
    gerade für das analoge Fotografieren,- weil man für diese Technik das ruhige und überlegte Fotografieren anwenden kann. Der Genuss endet dann in der Selbstverarbeitung bei der Fertigung der s/w-Vergrösserungen, die ich nach wie vor als 83jähriger liebe. Danke für die Anregung.

  8.   Januar 18, 2019 at 12:31 PM
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    Ein klasse Artikel, kurz und knackig geschrieben. Unterstrichen mit schönen Beispielbildern! Viele Grüße, Christa

  9. Martin Triebel
      Januar 18, 2019 at 12:08 PM
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    Lowkey ja, dass habe ich mal probiert und es hat mir gefallen, wenigstens nach meiner Beurteilung. Gerne wüßte ich noch mehr davon. Schade, das ich nicht so einen Hamster habe.

  10.   Januar 18, 2019 at 9:49 AM
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    Ich wollte eigentlich an der Fotoschule teilnehmen. Da habe ich schon erwartet, dass z.B. nicht nur der Begriff High-Key, Low-Key anschaulich gemacht wird. Vielmehr rechnet man damit eine konkrete Anleitung zum eigenen produzieren derartiger Fotos zu bekommen, oder wie man seine High- oder Low-Key-Fotos noch besser macht.

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