Das Heimstudio Teil 3 – Die Accessoires

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In Zusammenarbeit mit SIGMA
In unserer kleinen Reihe über die Auswahl und Ausrüstung eines kleinen Heimstudios kommen wir jetzt zu den vielen kleinen und großen Helfern, die die Arbeit im Studio einfacher machen. In diesem Beitrag verlieren wir nicht viele Worte, sondern haben einfach mal unsere Kisten und Koffer geöffnet, um zu zeigen, was sich im Laufe der Jahre angesammelt hat. Diese vielen kleinen und großen Dinge haben sich als sehr nützlich erwiesen, wenn es um den Aufbau des Sets oder des Motivs. Es geht ums Befestigen, Stabilisieren und ums Messen. Dieser Beitrag ist daher eher zum Stöbern gedacht, als zum Lesen. In den nächsten Folgen werden wir dann konkret werden bezüglich Licht setzen, Licht messen und Alternativen.


Das Wichtigste vorweg:

  • Kauft euch einen Feuerlöscher!
  • Lasst keine Kinder unbeaufsichtigt in eurer Heimstudio!

Bedenkt bitte, dass alles im selbstgebastelten Heimstudio keinerlei Sicherheitsprüfung hinter sich hat. Auch der Umgang mit sehr sehr sehr heißen Baustrahlern bedarf Übung. Zusätzlich ist in Kellerräumen meist auch kein weiterer Ausgang oder ein Fenster vorhanden. Deshalb lieber zu Kaltlicht greifen.


Zu Beginn eine kleine Begriffskunde, damit wir eine gemeinsame Sprache sprechen:

Lichtformer
Lichtformer dienen dazu, das pure (meist harte) Licht aus den jeweiligen Lichtquellen zu manipulieren. Hierfür gibt es im Profilager für Blitzsysteme viele Lichtformer fertig zu kaufen; Reflektoren, Gobos, Schirme, Spots, Waben, Filter oder Flügeltorlichtformer sind die üblichen Mittel für Profis. Meist sind diese nicht kompatibel mit anderen Systemen. So wird nach der Anschaffung von Studio-Blitzsystemen meist auch eine Systemverbundenheit erzwungen. Es gibt zwar Adapter und andere „Do-It-Yourself“-Lösungen, die sind aber auch entweder teuer oder aufwendig zu erstellen.

Um diese breite Range von Lichtformern auch für Baustrahler nutzen zu können, ist ein wenig Zeit und Geschick von Nöten. Aber vorweg, wir reden hier eher von Basteln, als von großer Heimwerkerkunst. Hier einige Beispiele für Lichtformer im simpelsten Selbstbau:

Reflektor (Gold/Silber)
Rettungsdecke (Diese Aluminiumdecke aus dem KFZ-Zubehör für den Erste-Hilfe-Kasten) über eine Styroporplatte geklebt, ergibt einen einfachen, aber effektiven Goldreflektor! Auf die andere Seite einfach Aluminiumfolie für den Silbereflektor. Sogar die nackte Styroporplatte kann als sehr weicher Reflektor genutzt werden. Styroporplatten und Rettungsdecke geben einen guten Lichtformer für weniger als 10€

Neger
Eine Styroporplatte  mattschwarz gestrichen kann verwendet werden um unerwünschtes Licht zu schlucken oder um Reflexionen zu steuern. Gesellschaftlich nicht korrekt, aber tatsächlich spricht man im Fotostudio immer noch von abnegern, wenn man mittels mattschwarzer Platten unerwünschtes Streulicht ausschließt.

Lightbouncer
Eine einfache Styroporplatte oder starker weißer Karton. Für Styroporplatten gibt es auch eine praktische Befestigung (klappbare Spitze / Mistgabel) für das Stativ.

Wabe
In Baumärkten finden sich tiefe Lochplatten und Metall-Waben jedweder Größe. Sie kosten wenig und sind leicht und aus Metall und daher hitzefest und können daher zur Bündelung der Lichtrichtung verwendet werden um Schatten zu manipulieren.

Softbox
Leinen oder Baumwollstoffe (Schwer entflammbar wählen!)  – nicht zu nah vor den Baustrahler gehängt können eine Softbox ersetzen. Gleiches gilt für Backpapier, dass dann auch noch den Vorteil der Hitzefestigkeit hat.

Spiegel

Spiegelkacheln können verwendet werden, um Lichtakzente zu setzen.

Hintergründe
Die übliche Studiofotografie findet eigentlich immer vor einem einfarbigen Hintergrund statt. Leider mangelt es diesen Bildern, wenn sie nicht perfekt gestaltet sind, immer an Brillanz oder dem Funken Kreativität. Die einfarbigen Hintergründe sind meist Rollenware aus festem Papier, die man in verschiedenen Breiten bestellen kann. Diese industriellen Papierhintergründe haben ein gutes Reflexionsverhalten und sind an sich sehr robust. Es gibt sie in sehr vielen Farben, Mustern und auch Verläufen. So groß die Auswahl auch ist, sie sind natürlich mit der Zeit auch langweilig.
Papierhintergründe sind wesentlich aufwendiger zu handhaben als zum Beispiel Stoffe, die dafür aber auch einige Nachteile haben. So sind der Faltenwurf und mögliche Nähte im fertigen Bild oft unerwünscht. In der Profi-Liga sind daher eigentlich nur nahtlose Hintergründe anzutreffen, die aber auch ihren Preis haben. Im privaten Heimstudio kann man entweder über Falten und Nähte hinwegsehen oder sie später per Computer retuschieren.

Als nächste Alternative zu Stoff- oder Papierhintergründen ist die ordinäre Tapete zu erwähnen. Diese einfache Art der kreativen Hintergrundgestaltung ist mittlerweile sehr beliebt und kostengünstig umzusetzen. Sie müssen aber nicht unbedingt eine Wand tapezieren, sondern können sich eine Art Puzzle aus tapezierten Styroporplatten erstellen, die Sie mit Hilfe von Tesastripes flexibel am Hintergrund befestigen können. Große Styroporplatten finden Sie in jedem Baumarkt.
Ein mir bekannter, sehr kreativer Fotograf nutzt gerne Packpapier an der Wand seines Wohnzimmers als Basis seiner Werke.

Stoffe
Stoffe sind nicht nur für Hintergründe gut, sondern auch für viele weitere Dinge. Stoffe müssen keine speziellen Eigenschaften haben, um sie fotografisch zu verarbeiten. Sie dürfen glänzen oder mattierend wirken. Je nach Lust und Laune kann man die Eigenschaften des Stoffes im späteren Foto sogar dekorativ nutzen. Sie sollten sich nur leicht reinigen lassen und in eine Waschmaschine passen. Eine 3×4 Meter große Stoffbahn passt sicher in jede Waschmaschine. Geht einfach in die Stoffabteilung der großen Möbelketten oder Kaufhäuser, und lasst Euch beraten. Oft sind Restbestände oder günstige Angebote zu finden. Viele Anbieter von Stoffen bieten auch einen Nähservice an, der Euch die Arbeit abnimmt, die schmaleren Stoffbahnen aneinander zu nähen. Bei der Stoffauswahl solltet Ihr auf jeden Fall Schwarz und oder Weiß mitberücksichtigen. Diese zwei Farben sind nicht nur als Hintergrund gut, sondern sind oft auch sehr hilfreich, um eine Szenerie abzudunkeln oder aufzuhellen. Der schwarze Basisstoff sollte zusätzlich blickdicht sein, Molton ist hier die erste Wahl. Dieser Stoff ist in der Bühnentechnik und bei Profifotografen sehr beliebt. Es gibt ihn als Meterware quasi in jeder Größe und Stärke.

Und nun zu einem tiefen Blick in unsere Wunderkisten. Wir zeigen Euch eine unsortierte Sammlung vieler großer und kleiner Dinge rund ums Heimstudio, die uns täglich das Leben erheblich erleichtern:

Zum Abschluss
Der Unterschied zwischen Profiausstattung und der Baumarktklasse ist in einem gut gemachten fertigen Bild kaum bis gar nicht sichtbar. Die Unterschiede liegen oft nur in der flexibleren Handhabung der Geräte und in der Lebensdauer, denn ein Profi kauft seine Studioausstattung nicht für 500 Fotos, sondern für die Ewigkeit. Die Qualität und Größe der Studioausstattung ist einzig und allein von Eurem Geldbeutel abhängig. Es gibt halbwegs gute Blitz-Einsteigerpakete bereits ab 400 Euro und Hintergrundhalterungen schon ab 16 Euro.

Profistudio
Kleines Profistudio. Flexibilität ist hier alles.

Wie Ihr in dem Foto seht, ist in einem kleinem Profifotostudio eines sehr wichtig: Flexibilität! Allein schon die kabel- und stativlose Fläche hat viele Vorteile (Artlight Studios, Leichlingen).
Profistudios und Heimstudios haben aber eines gemeinsam: Sie allein machen keine guten Fotos. Das Foto macht immer noch Ihr. Um aber in ruhiger Atmosphäre und mit variablem und kreativen Licht arbeiten zu können, ist ein Heimstudio erste Wahl. Es bedeutet aber nicht, dass Ihr alles und immer dort fotografieren solltet. Erhaltet Euch die Flexibilität auch in anderen Umgebungen zu fotografieren. Profistudios – wie das oben gezeigte – lassen sich meist günstig mieten, und die Natur bietet ebenso viele interessante Möglichkeiten. Doch das eigene Heimstudio ist und bleibt eins: Der beste Raum für kreativ gestaltete Fotos und eine Menge Spaß.

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3 Kommentare

  1. Pingback: Alles, was Du als Anfänger über die Porträtfotografie wissen musst – Teil 2 – Fotoschule

  2.   September 22, 2016 at 9:20 AM
    Kommentar bewerten

    Hallo Norbert, erst einmal danke für die Artikel. Auch wenn man sich schon eine Zeit mit der Thematik befasst findet man immer wieder neue Details.
    Frage, Du hast nichts zu Studio Litzen und Schinensystemen geschrieben. War das Absicht oder hast Du vor einen weiteren Artikel dazu zu verfassen.
    Meine Erfahrung, mit so einfachen Mitteln lassen sich Fotos herstellen, jedoch kommt sehr schnell der Wunsch zu einer Verbesserung der Technik in diese Richtung.
    Wenn Du hier noch Tipps und Anregungen hast wäre es toll.

    Viele Grüße aus dem schönen Dresden

    Dietmar

  3. Pingback: Heimstudio Teil 2 – Das Licht -

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