Gesichtserkennung: Die Praxis

In Zusammenarbeit mit SIGMA
In diesem Teil der Artikelserie möchte ich Dir anhand der beiden Programme Lightroom von Adobe und Fotos von Apple nicht nur Tipps und Kniffe aufzeigen, sondern auch auf Risiken eingehen. Du wirst lernen, wie Du die Gesichtserkennung am effektivsten einsetzen kannst und ich zeige Dir die Haken und Ösen dieser Technologie anhand der beiden gewählten Programme.

Die Praxis

Im ersten Teil der Artikelserie hast Du ja bereits viel über die Theorie erfahren können.

Jetzt geht es aber um die Umsetzung dieser Funktion bei den zwei Platzhirschen in diesem Bereich von Foto-Software: Adobe Lightroom und „Fotos“ von Apple.

Dafür nutze ich Fotos, die auf einem Ausflug zur Kieler Woche entstanden sind. Dieses Fotos habe ich in einem eigenen Verzeichnis abgelegt. Dieser Satz an Fotos zeichnet sich dadurch aus, dass sich nur mir bekannte Menschen auf den Fotos befinden und sich auch eine Menge Fotos ohne Gesichter in dieser Gruppe befindet. Ich möchte ja feststellen, wie effizient die Technologie in der Software arbeitet.

Gesichtserkennung in der Praxis Übersichtsfoto
Der Datenstamm für die Tests in Lightroom und „Fotos“ in diesem Artikel. Es handelt sich um 210 RAW Fotos.

„Fotos“ von Apple

Ich habe für diesen Artikel das Programm „Fotos“ das erste Mal überhaupt gestartet. Ich musste mich also genau wie Andere zuerst mit dem Interface, also der Bedienoberfläche, auseinandersetzen. Wie ich mir schon dachte, hat Apple mal wieder sein eigenes Süppchen gekocht und die Oberfläche erschließt sich nicht auf Anhieb. Ich möchte aber in diesem Artikel nur auf die Funktion der Gesichtserkennung eingehen.

Import

Apple bietet bei dem ersten Start bereits übersichtlich die verschiedenen Methoden zur Auswahl an:

Apple Fotos Import

Wie immer ist der bequemste Weg für den Import Drag’n’Drop. Du markierst die Fotos in einem Verzeichnis im Finder mit der Maus und ziehst diese einfach ins Programmfenster. Leider gibt es keinen Indikator, der zeigt, wie weit der Import bereits fortgeschritten ist. Der Import funktioniert aber wie in vielen Programmen gewohnt über das Menü „Ablage – Importieren“.

Falls Du Dich ganz der Automatik von Apples Betriebssystem hingibst, wird dir Apple bereits bei dem Anschließen einer Kamera oder dem Einstecken einer Speicherkarte den Import in „Fotos“ anbieten. Leider kannst Du diese Funktion nicht systemübergreifend abschalten, sondern musst jedes „Gerät“ einzeln in „Fotos“ für die Automatik abwählen.

Die Erkennung

Ohne Dein Zutun läuft mit der ersten Sekunde bereits die Gesichtserkennung im Hintergrund. Es werden dabei in den importierten Fotos nur mögliche Gesichter markiert. Erst der Aufruf eines einzelnen Fotos in der Vollansicht zeigt einen Kreis um ein Gesicht und ein Eingabefeld, in der Du dem Gesicht einen Namen geben kannst.

Vorweg eine wichtige Info, die ich Dir im dritten Teil des Artikels genauer erläutern werde: Apple bietet dir beim Tippen bereits eine scheinbar tolle Automatik an. Und zwar zeigt Dir Apple Deine Kontaktliste mit den möglichen Namen ab dem ersten getippten Buchstaben. Hiermit würdest du aber dem erkannten Gesicht eine komplette Kontaktinformation hinzufügen. Dies würde ich nicht machen. Tippe einfach weiter.

Zuweisen von Namen

Nach dem Import findest Du in der linken Spalte keinen Hinweis auf entdeckte Gesichter. Erst nach dem „Öffnen“ eines Fotos mit Gesicht und der Zuweisung eines Namens kommt eine Auswahlmöglichkeit in der linken Spalte hinzu.

Wählst Du den neuen Punkt nun aus, bekommst Du im unteren Teil des Programms eine Leiste mit erkannten Gesichtern angezeigt. Du kannst nun alle Fotos mit Gesichtern die „Melli“ ähneln per Drag’n’Drop auf das schon zugewiesene Gesicht ziehen oder per Doppelklick das Gesicht benennen.

Apple Fotos Import 5

Wenn Du Dir das Foto anschauen möchtest, in der ein Gesicht erkannt wurde, musst Du bei der Personenansicht auf „Fotos“ klicken.

Apple Fotos Import 6
Das Foto zum Gesicht siehst Du erst durch das Aktivieren der Option „Fotos“.

Vervollständigen

Nach und nach kannst Du den erkannten Gesichtern also Namen geben. Dabei hilft Dir das Programm, in dem es Dir Vorschläge macht von Gesichtern, die bereits zugeordnet wurden.

Sind für das Programm Gesichter eindeutig, so werden diese automatisch zugeordnet. Wann dies der Fall ist, lässt sich leider nicht erkennen. Eine Überprüfung per Hand hat aber bei mir ergeben, dass das Programm immer richtig lag.

Erkennungsrate und Fertigstellung

Das Programm erkennt extrem viele Gesichter. Auch Gesichter, wo gar keine sind. Die Automatiken erlauben flottes Arbeiten und das Interface ist nach ein wenig Übung im Umgang soweit ok.

Fotos Entschaerft
Alle erkannten Gesichter in irgendwelchen Bildteilen inklusive Vorschläge in denen nicht ansatzweise ein Gesicht zu erkennen ist.

Was das Programm scheinbar nicht auf Anhieb vermag, ist die Erkennung von Gesichtern von der Seite. Ich vermute, dass es in der kommenden Zeit auch hier durch Updates Verbesserungen geben wird.

Gesichter von der Seite
Hier siehst du meinen Freund und Mitautor der Fotoschule Martin Schwabe. Die Software konnte auf diesen Fotos kein Gesicht erkennen.

Du findest aber auch bei Fotos, bei denen nicht automatisch ein Gesicht vorschlagen wird, eine manuelle Option, um einen Namen hinzuzufügen. Dazu musst Du nur die Informationen des Fotos aufrufen und manuell ein Gesicht (Gesichtskreis skalier- und positionierbar) markieren.

Gesicht manuell vertaggen
Unter „Information“ kannst Du manuell ein Gesicht markieren und ihm einen Namen zuordnen.

Vollständig ist die Gesichtserkennung aber scheinbar nie! Nach einer gewissen Zeit findest Du oben rechts nach dem Klicken auf einer bereits zugeordneten Person folgende Meldung:

In weiteren Fotos

Du musst/kannst also nach einer gewissen Zeit nochmals ein Gesicht anklicken und nachschauen, ob es „neue“ Erkenntnisse gibt. Auch hier vermisse ich einen Indikator für die Vorgänge im Hintergrund und/oder eine Option, um auf die Funktion zu beeinflussen.

Der Betrieb von Fotos im Hintergrund ist recht energieintensiv auf Laptops. Eine Option zur Ressourcenbegrenzung wäre sehr wünschenswert. Schließlich hat die Erkennung von Gesichtern nicht so eine Relevanz, dass Du dafür die letzten Prozente Deines Akkus opfern möchtest:

CPU Auslastung Fotos

Gesichtserkennung mit Lightroom

Import

Der Import ist wieder so, wie er früher war! Warum sag ich das direkt am Anfang? Adobe hatte diesen umgestaltet und „anwenderfreundlicher“ gestaltet. Dies ging schief und nach viel Kritik hat Adobe den Importdialog wieder in die alte Form gebracht. Sicher ist dieser Dialog nicht das Gelbe vom Ei, aber immerhin findet man sich zurecht.

Wie bei allen datenbankbasierten Tools wird auch hier in eine Datenbank importiert. Du musst Dich vorher entscheiden, ob die Fotos „in“ die Datenbank wandern oder ob sie als Kopie dort erscheinen. Ich rate hier immer zum Datei-basierten vorgehen. Ergo, Lightroom darf Kopien in seine Datenbank aufnehmen.

Lightroom Import 1
Einfach in der linken Spalte zum gewünschten Ordner navigieren und dann alle Fotos importieren.

 

Lightroom Import 2
Nach dem Importieren findet man eine neue „Sammlung“ vor

Wie auch „Fotos“ von Apple kann Lightroom ebenso mit Drag’n’Drop umgehen und hat Möglichkeiten bei dem Anschluss einer Kamera oder einer Speicherkarte die Fotos direkt zu importieren.

Erkennung

Die Erkennung muss bei Lightroom einmalig angeschoben werden. Dazu wählst Du das kleine Gesicht im unteren Bereich im Modus „Bibliothek“. Du bekommst einen Hinweis auf zwei Optionen der Gesichtserkennung. Entweder Du suchst nur ein bestimmtes Gesicht oder aber man scannst Deinen gesamten Datenbestand. Diese Option finde ich praktisch und sollte auch von Apple genutzt werden.

LIghtroom Import 3
Um die Gesichtserkennung zu starten, musst Du in diese Ansicht wechseln.

In Lightroom gibt es auch einen Indikator für die Funktion der Erkennung. Sie ist zwar nicht gut zu erkennen, aber wenn Du weißt, wo sie ist, kannst Du jederzeit einen Blick darauf werfen. Sie befindet sich in der oberen linken Ecke. Dort werden per Balken alle Operationen von Lightroom als Fortschrittsbalken angezeigt.

LIghtroom Import 4
Die aktuellen Vorgänge in Lightroom werden dir als Fortschrittsbalken oben links angezeigt.

 

LIghtroom-Import-5
Ein Indikator für alle Vorgänge in Lightroom. Hier zeigt der Fortschrittsbalken die anfängliche Gesichtserkennung an (Verdunklung beim „E“ bei Erkennen).

Zuweisen von Namen

Die Zuweisung von Namen gestaltet sich ein wenig anders als bei Fotos. Es wird dir direkt eine Auswahl von Gesichtern präsentiert.

LIghtroom Import 6
Ist die Gesichtserkennung durchgelaufen, präsentiert Lightroom alle erkannten Gesichter. Natürlich auch Muster, die für den Algorithmus auf ein Gesicht hindeuten.

Ich persönlich finde diese Übersicht besser, als die von Apples Fotos. Zumal Du auch die Größe der Thumbnails (Vorschau) einstellen kannst. Du findest diese Option unten links als Schieberegler.

Du erkennst sofort wie viele Fotos scheinbar dasselbe Gesicht beinhalten. Natürlich ist auch hier Drag’n’Drop möglich.

Erkennungsrate und Vervollständigung

LIghtroom Import 7
Wie auch bei „Fotos“ kann man auch manuell Gesichter markieren und diesen Namen zuweisen.

Die Erkennungsrate ist vergleichbar mit der von Apple. Da aber die Software keine direkte Schnittstelle zu Kontaktdaten hat, bietet sie hier auch nichts dergleichen an. Es besteht aber die Möglichkeit bei enthaltenen GPS Daten den Fotos, und nicht den Gesichtern und den dort sichtbaren Personen, Adressen hinzuzufügen. Diese Möglichkeit besteht für alle Fotos, nicht nur die mit Gesichtern.

Lightroom Import 8
Erstaunlich was die Gesichtserkennung leistet. Hier wird eine Person im unscharfen fernen Hintergrund erkannt.

 

Lightroom Import 8
Wie bereits bei Apples „Fotos“ erkennt auch Lightroom hier kein Gesicht. Aber natürlich funktioniert es auch in diesem Programm manuell.

Zusammenfassung und Weiterlesen

Wie Du an zwei sehr unterschiedlichen Programmen und Bedienphilosophien erkennen konntest, kochen die Softwarehersteller im Grunde alle mit denselben Zutaten. Ich persönlich mag das Interface, also die Bedienoberfläche, von Lightroom mehr. Der ungeübte User findet vermutlich die weitreichenden automatischen Funktionen von Apples Software angenehmer.

Im dritten Teil der Artikelserie schildere ich anhand eines größeren Selbstversuch (12.000 Fotos) meine Eindrücke konkreter. Auch äußere ich im dritten Teil meine Bedenken in Sachen Datenschutz.

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2 Kommentare

  1. Fischer Hans Rudolf
      April 16, 2016 at 1:27 PM
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    Ich komme mit Ihren Artikel sehr gut zu recht!!!!

    mfg
    H. R. Fischer

  2. rojowa
      April 16, 2016 at 12:50 PM
    Kommentar bewerten

    Guter Grundlagenartikel. Danke.
    Die Tauglichkeit dieser Funktion erweist sich bei Finessen. Zum Beispiel dieser: Ich habe in Lightroom eine hierarchische Stichwortliste aufgebaut. Wie bringe ich es nun fertig, die Personennamen der erkannten Gesichter in ein Unterverzeichnis dieser Stichwortliste zu speichern und nicht automatisch auf der obersten Ebene?

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