Fisheye: Die Welt ist rund

Runde Bilder mit viel drauf. Das zirkulare Fisheye, auch Fischaugenobjektiv genannt, ein spezielles Ultraweitwinkel, erfasst immens viel von der Umgebung. Mit einem Bildwinkel von 180° bildet es eine Hemisphäre ab und erzeugt damit die typischen kreisrunden Bilder im schwarzen Rahmen.

Foto: Maximilian Weinzierl
Baumwipfelpfad Bayerischer Wald in Neuschönau: Der
kuppelartige 44m hohe Baumturm am Ende des 1300 m langen Stegs durch die Baumwipfel ist geradezu ein Paradebeispiel für ein Fisheye-Fotomotiv. Tipp: Wer die Rampe im Baumturm erklimmt, bekommt Einblick in das Ökosystem Baum von der Wurzel bis zum Wipfel und hat von der Plattform zudem fantastischen Ausblick über die Kulturlandschaft des Bayerischen Walds – bei schönem Wetter bis zu den Alpen.

Das Ultraweitwinkelobjektiv ist sehr speziell und nur für geeignete Motive sinnvoll. Der kreative Fotograf muss schon danach suchen, um dieses Objektiv adäquat einsetzen zu können – dann sind aber beeindruckende Ergebnisse damit möglich. Porträts verbieten sich von selbst, da die überdimensional abgebildete Nase die größte Fläche im Bild einnehmen würde – und das ist nur für verzeichnende Karikaturen geeignet.

Foto: Maximilian Weinzierl
Entzerrte Halbkugel: Per nachträglicher Bildbearbeitung bzw. schon in der RAW-Entwicklung (durch Objektivprofilkorrekturen aktivieren) kann das kreisrunde Bild entzerrt und auf das Rechteckformat gebracht werden; leider gehen dabei einige Bildteile verloren, und die Qualität zum Rand hin nimmt auch ab (vgl. oben Original).

Makroaufnahmen sind ebenfalls nicht sinnvoll, da man sich zwar bis fast an die Frontlinse nähern kann, das eigentliche Motiv aber trotzdem winzig abgebildet wird, während die gesamte Umgebung mit aufs Bild kommt. Anwendung findet das Fisheye vor allem bei Gebäudeaufnahmen, bei denen es mehr um einen imposanten Eindruck geht als um eine korrekte architektonische Wiedergabe. Eindrucksvoll sind auch Rundumansichten von Stadt- oder Naturlandschaften. Mit Stativ und Panoramakopf können bei einem Bildwinkel von 180° aus drei oder vier versetzt aufgenommenen Fotos sphärische Panoramen erstellt werden. Der Betrachter kann sich damit vollständig im virtuellen Raum der betreffenden Hemisphäre bewegen (Beispiel unter youtu.be/yUbrrVDPHsw). Es gibt zwei Typen von Fisheye-Objektiven: Das zirkulare nimmt eine halbe Kugel auf, das heißt 180° in alle Richtungen, das diagonale maximal einen 180°-Ausschnitt in der Bilddiagonalen. Das diagonale Fisheye bildet nicht rund ab, sondern füllt das rechteckige Bildformat aus. Die passenden Motive liefern mit einem Fisheye-Objektiv eindrucksvolle Bildergebnisse, man sollte den Effekt aber auch nicht überstrapazieren, sonst wird es schnell langweilig.

Foto: Maximilian Weinzierl
Vordergrund überbetont: Waagerechte und senkrechte Linien (hier: Eisenbahnbrücke) werden nur in der Bildmitte gerade wiedergegeben, je weiter sie am Bildrand stehen, desto stärker werden sie gekrümmt.

Fazit

Dieser Artikel hat Dir gezeigt, in welchen Situationen der Einsatz eines Fischaugenobjektives Deinem Foto noch mehr Ausdruck verleiht. Hast Du bereits mit einem Fischaugenobjektiv experimentiert? Wir sind gespannt auf Deine fotografischen Ergebnisse.  Schau Dir zur Anregung die Bilder mit Fisheye Objektiv bei fotocommunity ein!

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5 Kommentare

  1. Michael Steinbach
      Februar 15, 2019 at 10:43 PM
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    Ich verwende mein Fisheye auch bevorzugt für Nachtaufnahmen vom Sternenhimmel oder zuletzt auch für Nordlichter. Hier ist der extragroße Ausschnitt vom Himmel einfach beeindruckend! Wenn dann die Umgebung „am Boden“ dafür deutlich gekrümmt wird, ist das meiner Meinung nach bei solchen Motiven nicht allzu störend (besser ist es, wenn dabei nur Natur zu sehen ist und nicht zum Beispiel Gebäude).
    Und natürlich darf ein Argument pro Fisheye nicht fehlen: Man kann damit unglaublich spaßige Bilder machen, wenn man eben absichtlich nahe mit dem Objektiv an das Gesicht des Gegenübers geht! Diese Bilder sind dann zwar eher nur fürs „Gruselkabinett“, haben uns aber schon beste Unterhaltung beschert. Für eine „Fotobox“ auf Hochzeiten taugt das aber evtl. vorzüglich… ;-)

  2. Gerhard Habenberger
      Februar 6, 2019 at 5:00 PM
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    Die Kosten eines Fisheyeobjektivs stehen in keinem Verhältnis zur Ausnützung.

  3. Manfred Bauer
      Februar 6, 2019 at 12:51 PM
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    Ich hätte mir mehr Beispielfotos gewünscht, mit Angaben der Einstellungen, z.B. Fotos aus der Stadt oder auch Landschaftsaufnahmen.

  4. harald grimm
      Februar 6, 2019 at 9:26 AM
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    Die Artikel sind für Laien sehr lehrreich.Die Tips helfen einen auch die richtigen Grundlagen der Fotografie zu verstehen.

  5. Günther Trescher
      Februar 6, 2019 at 8:23 AM
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    Gut begonnen und dann etwas abrupt beendet…
    Insbesondere zum diagonalen Fisheye hätte ich mir noch Beispiele und Erklärungen gewünscht

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