Festbrennweiten-Check: Super-Tele 400mm

Supertele400mm

In diesem Artikel beschäftige ich mich mit dem Super Tele 400mm. Ich stelle die Stärken und Schwächen dieser Brennweite gegenüber, erkläre, für welches Einsatzgebiet sie sich eignet und worauf Du beim Einsatz achten solltest. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 01-2016.

Ein 400-mm-Super-Tele, zumal mit einer hohen Anfangsöffnung, ist kein Leichtgewicht. Kein Objektiv, mit dem Du schnell zum Knipsen losziehst. Jedes Shooting mag überlegt sein, und die Frage des Transports steht dabei immer zur Debatte. Mit diesem Kaliber an der Kamera wirst Du immer so weit wie möglich mit dem Auto an den Aufnahmeort heranfahren, sei es für die Sportfotografie im Stadion oder beim Wildlife-Shooting auf der Safari.

Nur körperlich ausgesprochen fitte Fotografen werden damit auf eine Wanderung gehen. Belohnung für die Anstrengung sind in jedem Fall traumhafte Unschärfe-Freisteller und eine hervorragende Auflösung. Mit einem Bildwinkel von 6,1 Grad sind intime Ansichten und Einsichten von entfernten Motiven möglich, wie von diesem Greifvogel, der etwa 5 m entfernt von der Kamera auf seiner Stange saß.

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Porträt vom Weißkopf-Seeadler fotografiert auf dem Falkenhof Schloss Rosenburg mit dem AF-S Nikkor 2,8/400 E FL ED VR an der Nikon D810. ISO 400, Blende 5,6, 1/640 s, aus der Hand. Fotograf: Maximilian Weinzierl

Beobachtungen mit dem 400er

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Stationärer Einsatz

Eine 400-mm-Festbrennweite, vor allem, wenn es sich um die lichtstärkste Variante eines Tele-Objektivs dieser Brennweite handelt – hier das 3,8 kg schwere professionelle Super-Tele AF-S Nikkor 2,8/400 mm E FL ED VR – ist besonders für den stationären Einsatz geeignet.

An einem Ort verweilen und warten, was sich aus einem entfernten Motiv entwickelt, ist die Devise.

Bei diesem Bild (400 mm plus Ausschnitt) saß ich am Boden an einer Hauswand nahe der Stupa von Bodnath in Kathmandu/Nepal und beobachtete den Stupa-Maler, die Kamera dabei aufs Knie aufgestützt (Blende 8,5, 1/350 s). Die Gegenlichtblende lasse ich bei solchen Gelegenheiten weg, da sie das Objektiv nochmal verlängert und für Außenstehende noch mächtiger erscheinen lässt.

Ein lichtstarkes 400-mm-Objektiv ist auch für die professionelle Sportfotografie ideal.

Wildlife-Tele

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Typische Tiermotive

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Ein lichtstarkes 400-mm-Objektiv ist das ideale Tele für eine Wildtier-Safari, bei der man mit dem Jeep unterwegs ist. Wenn der Fotograf es auf die Autofensterbrüstung aufstützt oder auf einem Einbeinstativ befestigt, ist er damit sehr reaktionsschnell.

Größere Wildtiere oder Wildtiergruppen, wie hier in der Serengeti, können so ideal beobachtet und fotografiert werden. Für die Vogelwelt allerdings sind 400 mm immer noch zu wenig. Der heimische Eisvogel wurde im Abstand von nur 7 m fotografiert, er kann aber immer noch nicht formatfüllend abgebildet werden (Ausschnitt).

Mit dem Super-Tele unterwegs

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Turmspitze der Asamkirche des Klosters Weltenburg fotografiert bei Sonnenaufgang mit dem AF-S Nikkor 2,8/400 E FL ED VR an der Nikon D810. ISO 64, Blende 13, 1/640, Stativ Fotograf: Maximilian Weinzierl

Transport und Handling

Im passenden Rucksack, der möglichst ein komfortables Tragesystem haben sollte, kannst Du – die entsprechende körperliche Kondition vorausgesetzt – die Kamera-Objektiv Kombination auch herumtragen. Das Objektiv verbleibt an der Kamera, und die Kombination ist damit jederzeit einsatzbereit.

Mit dem LowePro Lens Trekker 600 AW, einer überdimensionalen Bereitschaftstasche, war ich am Donaudruchbruch in Weltenburg auf einer Morgenwanderung unterwegs. Zum Fotografieren verwendete ich dann allerdings ein Stativ, gar nicht so sehr, um Verwacklungen zu vermeiden, sondern um die schwere Kamera-Objektiv-Kombination nicht allzu lange hochstemmen zu müssen.

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Das Wesen eines Motivs erfassen

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Ein Teil repräsentiert das Ganze

Mangels genügend Abstand wird man mit einem 400-mm-Objektiv selten versuchen, ein großes Bauwerk in seiner Gesamtheit abzubilden. Gelingt es jedoch, in einem engen Ausschnitt das Wesen des Objekts, das Typische zu erfassen, verdichtet sich die Bildaussage, und das Foto ist umso eindrucksvoller. Hier die längste Holzhängebrücke Europas bei Essing im Naturpark Altmühltal.

Malerische Farbflächen

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Ein Hintergrund wie aquarelliert

Mit 400 mm bei Offenblende fotografiert, zeigt das Foto dieses abgeernteten Felds in der Oberpfalz/Bayern eine sehr eng begrenzte Schärfenzone und einen in Farbflächen aufgelösten Hintergrund. ISO 200, Blende 2,8, 1/3200 s, aus der Hand.

Feldversuch mit dem 2-fach-Telekonverter

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Mehr Brennweite

Das AF-S Nikkor 2,8/400 E FL ED VR ist ein hochgeöffnetes Tele-Objektiv.

Aufgrund der großen Anfangsblende von 2,8 bietet es sich an, einen Telekonverter zu verwenden und damit den Anwendungsbereich zu erweitern. Der AF-S Telekonverter TC-20E III verlängert die effektive Brennweite um den Faktor 2. Aus dem 400er-Tele wird damit quasi ein 800er. Die Anfangsöffnung entspricht dann Blende 5,6. 5,6/800, das sind auch die Werte, die Nikons aktuell längste Objektivbrennweite bietet, das AF-S Nikkor 5,6/800 E FL ED VR. Eine vergleichweise kostengünstige Lösung, um an ein 800er zu kommen.

Der Unterschied in der Bildqualität ist kaum wahrnehmbar. Allerdings ergeben sich bei einem 800er ganz eigene Handlings- und Gestaltungskriterien, die man beherrschen muss, um keine Enttäuschungen zu erleben: ein noch stärker begrenzter Schärfentiefebereich und noch größere Verwacklungsgefahr. Das linke Sonnenblumen-Bild ist allein mit dem 2,8/400 fotografiert, das rechte zusätzlich mit dem TC-20E III (entspricht 5,6/800) vom gleichen Standpunkt.

Extra-Tipps gefällig?

Vogelporträt – 1
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Die Vogelporträts wurden mit der Nikon D810 und dem AF-S Nikkor 2,8/400 FL aus der Hand auf dem Falkenhof Schloss Rosenburg in Riedenburg fotografiert.

Tipp für gute Bilder: Die meisten Greifvögel sitzen außerhalb der Flugvorführung auf einer Stange im Freien und werden nicht durch Glasscheiben oder Gitter verdeckt. Man kann sich ihnen bis auf etwa 5 m annähern.

Vogelporträt – 2
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Bei der Flugvorführung ist es ein großes Erlebnis, wenn die Geier knapp über den Köpfen der Zuschauer kreisen. Und für Fotografen sowieso, die können ihren Verfolger-Autofokus und den Serienbildmodus einsetzen, um actionreiche Bilder zu schießen. Der AF-C-3-D Tracking Autofokus der Nikon D810 kam mit den beiden gleichzeitigen Bewegungsvorgängen „Fliegen des Vogels“ und „Schwenken der Kamera“ gut zurecht. Der Autofokus blieb zuverlässig auf dem Auge des fiegenden Vogels.

Vogelporträt – 3
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Die Flugvorführungen vor der malerischen Kulisse der mittelalterlichen Burganlage finden ab Saisonbeginn am 21.03.2016 wieder zweimal täglich statt. Interessante Informationen über die Greifvogel-Haltung, Zucht und Artenschutz auf dem Falkenhof Schloss Rosenburg findest Du schon jetzt unter: www.falkenhofrosenburg.de

Autor: Maximilian Weinzierl

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3 Kommentare

  1. Franz
      Februar 13, 2016 at 7:49 AM
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    Vielen Dank für den sehr interessanten Bericht.
    Jetzt habe ich noch eine Frage: kann man bei Zoom Objektiven auch einen Konverter verwenden?
    Weitere Frage: können Vollformatkameras DX Objektive verwenden? Wenn ja, wie verhält es sich mit der Brennweite, bleibt die dann bei z. B. bei einen 90 mm Objektiv bei 90 mm oder entstehen dadurch 135 mm?

  2. Rolf K. Becker
      Februar 12, 2016 at 7:05 PM
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    Der Artikel enthält mir zu viele Selbstverständlichkeiten und lässt dagegen wichtige Tips unerwähnt.
    So sollte z.B. bei Verwendung langer Brennweiten mit Stativ immer die kamera- oder objektivinterne Bildstabilisierung abgeschaltet werden, weil deren Wirkung oft kontraproduktiv sein kann und somit die Bildqualität vermindert.
    Auch wäre sicher der Hinweis nützlich, das Objektiv in AF-Funktion immer mit dem zentralen AF-Sensor auf den bildwichtigsten Teil zu fokussieren, weil die Schärfentiefe meist nur sehr gering ist.
    Die Verwendung eines Großfeld-AF kann hier nicht zielführend sein, da hiermit das Bild meist anders fokussiert wird als es der Fotograf möchte.
    Soviel mal am Rande …

  3. Raymond Jost
      Februar 12, 2016 at 6:24 PM
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    Hat mir gut gefallen der Beitrag, gut erklärlicher Text mit guten Fotos.

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