Der Look: So spielst Du mit Sättigung und Kontrast

In Zusammenarbeit mit SIGMA
Zum Abschluss unserer Urlaubsserie möchten wir Dir noch einige der versprochenen Bearbeitungstricks zeigen. Mit diesem Thema können wir dann auch sehr schön wieder zum Thema Bildbearbeitung überleiten, das jetzt im Sommer ein wenig kurz gekommen ist. Natürlich sind alle Tricks, die wir Dir hier verraten auch auf Fotos anwendbar, die Du außerhalb des Urlaubs gemacht hast.

Daher geht es in diesem Artikel um den „Look“ eines Fotos.

Was ist ein Look? Im Grunde ist der Look einfach ein Ausdruck für eine Bildsprache, die auf der Bearbeitung des Motivs beruht. Bearbeitung bezieht sich dabei auf Farben, Kontraste und Sättigung, aber auch auf gezielte Farbverfälschungen.

Du wirst sicher bemerkt haben, dass sich in der allgemeinen Bildsprache, wie bei Print- und TV-Werbung, oft gewisse optische Bildsprachen oder anders gesagt: visuelle Moden vorfinden. Es kann sich dabei um visuelle Elemente, wie aktuell im Trend, die Farbbomben handeln, oder es wiederholt sich ein bestimmter „Look“.

Wir werden Dir in lockerer Reihenfolge Tipps und Tricks mitgeben, um auch Deinen Bildern diesen oder jenen Look zu geben. Heute dreht es sich weitestgehend um den aktuellen entsättigten und kontrastreduzierten Look.

Um Dich erst einmal in diesen Look einzufühlen, haben wir Dir völlig unkommentiert einige Beispiele in diesen Artikel gesetzt, die Du Dir ruhig einmal genauer anschauen solltest, um ein Gefühl für die Unterschiede zu bekommen:

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20101029-162627Power20101029-162627Entsättigt

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Ziehe den Regler ruhig mehrmals hin- und her. Es lohnt sich, dies auch mal schneller zu machen und den schnellen Wechsel auf Dich wirken zu lassen, um die veränderte Farbstimmung zu erfassen.

In der kleinen nachfolgenden Galerie haben wir nochmals drei Bilder, die wir dann aber direkt nebeneinanderstellen. Wie wirken die Fotos auf Dich?

Sättigung und Kontrast

Wie früher

Die Sättigung eines Fotos ist im Grunde nur eine Art Kontrast von Farben zueinander.

Unsere Augen können viele Farben in der Realität voll gesättigt wahrnehmen oder besser gesagt: unser Gehirn interpoliert eine Menge hinzu. So sollten in der Vergangenheit auch die Fotos wirken. Gesättigte Töne und lebendige Farben in den Fotos waren daher lange Ziel analoger Film- und Papierentwicklungen.

Diese Farbenpracht ist aber längst nicht mehr das vorherrschende Ziel eines Fotos.

Mit den heutigen Mitteln der Computer, Software und Kameras hat sich als Gegenbewegung ein etwas nostalgisch wirkender Look etabliert. Diese Fotos wirken oft wie alte Urlaubsbilder aus der guten alten Fotokiste bei Muttern von vor 30 Jahren. Alles ist etwas leichter, weicher und nicht so „grell“.

Viele Filterhersteller, App-Programmierer, Softwareentwickler und Gerätehersteller haben sich dieses Themas gewidmet und haben voreingestellte Funktionen entwickelt, um diesen und weitere Looks zu erstellen. Um diese Apps oder Filter anzuwenden, brauchst Du keine weiteren Kenntnisse, Du klickst einfach auf den Filter, den Rest erledigt die App. Wer lieber selbst die Kontrolle über Stärke und Richtung der Veränderung haben möchte, der sollte die nachfolgenden Abschnitte lesen. Wir erklären dort, welche Regler Du brauchst, um einen eigenen Look zu produzieren.

Sättigung vs. Dynamik

Eine niedrige Sättigung ist der beherrschende Effekt in vielen solchen Bildern.

Die Sättigung bestimmt, wie weit eine Pixelfarbe vom neutralen Grau entfernt ist.

Eine Verstärkung der Sättigung schiebt die Werte vom neutralen Wert weg und eine Entsättigung auf das neutrale Grau zu.

Neuerdings gibt es zu den bekannten Sättigungs- und Entsättigungsmechanismen auch noch die Funktion der Farb-Dynamik. In unterschiedlichen Programmen zur Bildbearbeitung wird diese Technik verschieden bezeichnet. Mir bekannt sind Begriffe, wie:

  • „Vibrance“
  • „Farbkontrast“
  • “Lokale Sättigung“
  • oder schlicht Dynamik

Die Dynamik verstärkt nur die Farbanteile einer Farbe und lässt den anteiligen Grauwert unberührt. Dies ist auch mit einer Gradationskorrektur im Lab-Modus möglich, ist aber erheblich komplexer.

Hinter all der Praxis dieser Bearbeitungen steckt natürlich viel Theorie aus der Du Dir die nötigen Filter und Intensitäten der Bearbeitung herleiten kannst.

Wir werden Dir diese Theorie auch noch vermitteln und Dir dort dann die Profitricks verraten. Erst einmal bleiben wir aber in der praktischen Anwendung, die – so wie wir sie Dir hier zeigen – viel mit Versuch und Irrtum zu tun hat. Experimentieren macht Spaß und ist vor allem eine tolle Methode, über die Du Dir einen ganz eigenen Look produzieren kannst.

Ausprobieren statt feste Werte nutzen

Um es kurz und knapp zu sagen:

Du solltest alle Regler und Knöpfe, ob in der Software oder an der Kamera, mal richtig voll aufdrehen – und zwar in alle Richtungen!

Es erklärt sich so manche Funktion besser, wenn Du es einfach mal übertreibst, anstatt immer nur mit minimalen und kaum sichtbaren Änderungen zu arbeiten.

Du musst die Änderungen ja nicht speichern, sie sollten Dir nur die Technik und deren Wirkung auf das Bild näherbringen.

Beispiele

Es folgen nun „einige“ von vielen Möglichkeiten und Wegen einen bestimmten Look zu erzielen.

Die von uns genutzte Software und deren Regler findest Du in ACR (Adobe Camera Raw) und Photoshop CC. Die Funktionen, die wir hier verwenden, wirst Du auch in vielen anderen Programmen zur Bildbearbeitung finden, oft, aber nicht immer, haben sie sogar gleiche oder zumindest ähnliche Bezeichnungen. Sie sind eventuell in einem anderen Menü versteckt, aber grundsätzlich sind diese Funktionen seit Anbeginn jeder Bildbearbeitung in den Programmen implementiert.

Und denke daran:

Ein RAW ist zwar ein tolles und flexibles Ausgangsformat, aber auch einem JPEG kannst Du einen eigenen Look geben.

So kannst Du in Photoshop ein JPEG öffnen und dann als Filter Adobe Camera RAW wählen und das Foto wird dann in ACR geöffnet, fast als sei es ein RAW.

Beispiel mit ACR: „Flauer Look“

In dem unteren Beispiel folge ich vollständig dem Weg des „Experiments“ und der „Erkundung“ der Funktionen. Ich schiebe und regle, ich verwerfe und kombiniere neu, alles nur nach meinem Geschmack und ohne die Nutzung von voreingestellten „Sets“.

Du kannst die einzelnen Screenshots einfach nacheinander durchklicken, sie sind groß genug, um zu sehen, was ich an welcher Stelle verändert und verwendet habe.

Vielleicht machst Du einfach parallel dazu ein Foto in Photoshop auf, verwendest die gleichen Funktionen und Filter, wie ich, um Dich mit deren Wirkung vertraut zu machen?

Fertige Sets gibt es für viele RAW-Konverter (zum Beispiel Lightroom) wie Sand am Meer.

Diese Sets haben immer einen großen Nachteil:

Sie sind nicht analytisch und funktionieren deshalb bei manchen Motiven hervorragend, aber bei anderen überhaupt nicht.

Beispiel mit ACR „Entsättigt und kräftig“

Wie Du siehst, sind für diesen Look viel weniger Schritte notwendig.

Der Trick liegt in der unter Profis sogenannten „Aushärtung“.

Diese Aushärtung erziele ich mit dem Regler „Klarheit“. Klarheit wird oft auch unter dem Begriff „Mikrokontrast geführt“. Du kannst aber auch den Kontrast der Grau-Achse per Gradation im Lab-Modus modifizieren. Dies ist aber erheblich aufwendiger und vor allem musst Du den Lab-Modus kennen, daher erwähne ich es an dieser Stelle nur am Rande.

Beispiel einer Entsättigung mit Photoshop (manuell)

Wieder sind nur wenige Schritte notwendig.

Zuerst füge ich eine Einstellungsebene hinzu. Einstellungsebenen haben den Vorteil, dass sie das Foto selbst nicht verändern, sondern nur die Wirkung des Filters auf das Foto zeigen. Sie lassen sich beliebig kombinieren und jederzeit nachträglich neu justieren.

Die endgültige Wirkung auf das Foto hat die Einstellungsebene erst, wenn Du das Bild (unter neuem Namen!) als JPEG speicherst.

Die hier verwendete Einstellungsebene heißt treffend „Dynamik“ und ist ein äquivalent zur ACR RAW-Version. Ich regele mit dieser Ebene die Dynamik und die Sättigung herunter. Zusätzlich reduziere ich noch den Kontrast aller Farbwerte mit Hilfe einer Kontrast-Einstellungsebene.

Beispiel mit Photoshop per Filmsimulation

In den neueren Versionen von Photoshop gibt es eine Einstellungsebene die sich „Color Lookup“ nennt.

Diese haben fertige „Looks“ gespeichert und gehen teilweise auch analytisch auf das Bild ein (hier bin ich mir nicht sicher, vielleicht kannst Du mir in den Kommentaren weiterhelfen?).

Doch Vorsicht:

Diese „Tabellen“ / „Sets“ sind an die komplette Grafikhardware gebunden und können sich von einem Rechner zum nächsten unterscheiden. Ich habe mich für eine Simulation eines Kodak Filmes entschieden und darauf noch eine Kontrast- und Sättigungskorrektur gepackt.

Beispiel mit Kamera

Die von mir genutzte D-SLR für dieses Beispiel hat nicht viele optische „Programme“ (Nikon D700), aber man kann die Sättigung und den Kontrast für den JPG-Abzug einzeln regeln.

Die RAW-Datei bleibt von diesen Einstellungen natürlich unberührt.

Man beachte, dass es sich hier nicht um eine WB-Korrektur handelt. Einzig die Sättigung und der Kontrast verändern die Bildstimmung immens. In vielen digitalen Kameras lassen sich sogar eigene Bildstile laden, die Du entweder im Netz findest oder sogar mit der mitgelieferten Software selbst gestalten kannst.

Fazit

Wie Du siehst, ist ein eigener Look keine große Hexerei.

Die Profis unter Euch mögen viele Einwände zu diesen Beispielen haben. Besonders die recht einfach gehaltene Erläuterung zum Lab-Modus und der Theorie dahinter.

Um den entsättigten Look professionell abzurunden oder differenzierter zu gestalten, sind natürlich noch viele andere Bildbearbeitungsschritte nötig. Profitipps und Tricks werden in kommenden Artikeln ausgiebig behandelt. Für den Anfang sollte es Dir aber möglich sein, Deine Fotos entsprechend anzupassen.

Und wenn alles nicht so funktioniert, wie es sollte, sind wir für alle Fragen offen. In diesem Artikel geht es einfach um einen schnell verständlichen und für jeden umsetzbaren Weg.

Achja:
Das Nutzen von Instagram-Filtern, Nik-Software, Lightroom-Presets, Smartphone-Filtern und anderen „schmutzigen“ Tricks ist nicht verboten! Es kommt schlussendlich auf das Ergebnis an.

Und:
Du wirst schnell feststellen: Fertige Tools zu verwenden ist völlig in Ordnung, aber der eigene Look, von Dir selbst am PC kreiert, ist immer noch der Schönste. Denk immer daran: Deine Fotos müssen Dir gefallen. Damit hast Du viel gewonnen. Wenn sie auch anderen gefallen, ist das dann sozusagen das „Sahnehäubchen“.

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2 Kommentare

  1. Wolfgang Moewes
      Dezember 25, 2015 at 11:09 AM
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    Guten Tag,

    von den Hobby-Fotografierern ist das „PICASA“- Programm mit am meisten benutzt.
    Warum wird das Programm negiert? Natürlich ist mir bekannt, dass es *bessere*
    Programme gibt, aber meistens n i c h t kostenlos!
    Ich habe mit dem Bildausschnitt Probleme, da ich nach Möglichkeit diese nach dem „Goldenen Schnitt“ machen möchte.

    MfG-Wolfgang

    1. Tom Schimmelpfennig
        Dezember 25, 2015 at 11:12 AM
      Kommentar bewerten

      Hallo Wolfgang,

      es gibt unzählige Programme zur Bildbearbeitung. Darunter sind viele kostenlose Programme und auch viele Programme, für die bezahlt werden muss. In so einem Artikel können wir unmöglich auf alle verfügbaren Programme eingehen. Es wird früher oder später sicher auch einmal einen Artikel zu Picasa geben. Grundsätzlich versuchen wir aber die Techniken zu erklären, sodass Du als Nutzer die gewonnenen Erkenntnisse auch problemlos auf andere Programme übertragen kannst.

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