Das Heimstudio Teil 1 – Der Raum

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In Zusammenarbeit mit SIGMA
Mit der Zeit und Erfahrung und vor allem dem Fortschritt in der fotografischen Entwicklung, kommt Ihr irgendwann an den Punkt, wo Ihr nicht mehr nur mit vorhandenen Licht fotografieren wollt, sondern Licht nutzen möchtet, um aktiv das Bild zu gestalten. Es entsteht der Wunsch nach einem „eigenen“ Fotostudio.

Was für den Profi beruflicher Alltag ist, scheint für den Studioneuling aufgrund der scheinbar hohen Kosten ein unerreichbarer Traum zu sein. Es gibt Auswege aus dem Dilemma:

Ein ordentliches und durchdachtes Heimstudio hat alles, um professionelle Fotos machen zu können, ohne dass dafür das Sparbuch völlig geplündert werden muss.

Ein Heimstudio unterscheidet sich von einem professionellen Studio nur in wenigen Dingen. Im Grunde genommen ist ein Studio oder Atelier nicht viel mehr als ein freier Raum, der sich für Eure kreativen Zwecke nutzen lässt. Bei den ersten Schritten auf dem Weg zum eigenen Studio zu Hause werdet Ihr von diesem Artikel begleitet.

Generell folgt die Lichtführung im Heimstudio mit Hilfe von Baustrahlern oder anderen Lampen denselben Gesetzmäßigkeiten wie im Studio mit einer professionellen Lichtanlage. In diesem Fall kam das Hauptlicht von links und rechts (Beauty Dish mit Diffusor).
Generell folgt die Lichtführung im Heimstudio mit Hilfe von Baustrahlern oder anderen Lampen denselben Gesetzmäßigkeiten, wie im Studio mit einer professionellen Lichtanlage. In diesem Fall kam das Hauptlicht von links und rechts (Beauty Dish mit Diffusor).

Der richtige Raum

Für die Einrichtung eines Heimstudios sind Räume vorzuziehen, die eine gewisse Höhe aufweisen, doch in den meisten Fällen wird wohl entweder nur ein Kellerraum oder das Wohnzimmer zur Verfügung stehen. Der Keller ist durch die meist geringere Raumhöhe nicht so flexibel wie das Wohnzimmer, das ja oftmals auch der größte Raum der Wohnung ist.

Eine einzige Softbox und ein wenig “Bouncing Light” (Reflexion von Wänden) reicht für diese Aufnahme
Eine einzige Softbox und ein wenig „Bouncing Light“ (Reflexion von Wänden) reicht für diese Aufnahme

Trotzdem bietet der Keller einen wichtigen Vorteil gegenüber dem Wohnzimmer: Er ist meist lichtneutral, da kein unkontrolliertes Licht in den Raum fällt. Dies kann im Wohnzimmer für Probleme sorgen. Denn im Studio gibt es einen Grundsatz, den Ihr immer beherzigen solltet: Ihr kontrolliert das Licht und nicht das Licht Euch. Und natürlich lässt sich im Keller häufig das Equipment fest installieren, während das Wohnzimmer überwiegend anders genutzt wird und Eure Familie etwas gegen ein „Studio-Wohnzimmer“ einzuwenden haben dürfte.

Beispiel eines durch Tücher abgehangenen Kellerraums und ein fertiges Foto aus dem Setup.
Beispiel eines durch Tücher abgehangenen Kellerraums (s. voriges Bild und Setup)

 

Bevor Ihr Euch Gedanken über die Größe eines Heimstudios macht, ist es wichtig, dass Ihr euch überlegt, was Ihr fotografieren wollt. Bereits auf einer Tischplatte ist für moderat große Objekte (Blumen, Schuhe oder ähnliches) ausreichend Platz für ansprechende Bilder. Makrofotografen sind sogar mit noch kleinerer Fläche zufrieden, einzig die Größe der Lichtgeber ist relevant. Wenn Ihr Euch für People-Fotografie interessiert, braucht Ihr allerdings schon deutlich mehr Platz.

Ein Foto lässt sich durch viele Parameter verändern. Alleine durch die Brennweite könnt Ihr zum Beispiel fehlende Raumtiefe in den meisten Fällen ausgleichen. Wie beim Hubraum eines Autos gilt auch im Studio: Raum lässt sich nur durch mehr Raum ersetzen. Ein flexibler Lichtaufbau und dynamische Veränderungen beim Shooting sind nur durch Raum, Raum und nochmals Raum zu erzielen. Lasst Euch dadurch aber nicht verunsichern, viele erstklassige Arbeiten sind in nur 15 qm großen Wohnzimmern entstanden.

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Dieses Foto dokumentiert die Möglichkeiten im Heimstudio zu arbeiten. Ein Küchentisch und eine Papierrolle reichen. Ziel dieses Fotos war es, einen Hintergrund aus bürotypischen Zetteln und Blättern zu gestalten. Fotografiert wurde von oben mit flächigem Licht um weiche Schatten und weiche Kontraste zu bekommen.

Die Fläche

Die Fläche, die ein gutes Heimstudio einnimmt, sollte immer in allen drei Raumdimensionen gut geplant sein. So ist die Breite ebenso wichtig wie die Höhe und die Tiefe. Ein wichtiger Grundsatz bei der Studiofotografie ist nämlich der Wechsel der Perspektive und der Blickrichtung. Wer seine Position verändern will, muss darauf achten, in allen Blickrichtung den passenden Hintergrund vorzufinden und das Licht geeignet umstellen zu können.

Die Höhe

Die Raumhöhe ist ein wesentlicher Punkt, der bei Einrichtung eines Heimstudios zu berücksichtigen ist. Die übliche Raumhöhe von 2,40 Meter eines normalen Wohnraumes ist für ein Heimstudio schon knapp. Aber warum ist das so?

In der Studiofotografie werden Lichtsituationen simuliert oder neue „unübliche“ erfunden. Will man natürliche Lichtsituationen simulieren, fällt das Hauptlicht von oben ein, wie es dem Sonnenlicht am Tage entspricht. Diese Beleuchtung wirkt für das Auge ausgewogen und homogen. Ist in Eurem Heimstudio nicht genügend Platz, eine Leuchte oberhalb eines stehenden Menschen anzubringen, steht Euch damit diese klassische, aber eben auch wichtige und gute Gestaltungsmöglichkeit nicht oder nur eingeschränkt offen.

Von oberhalb des Gesichtes scheint hier eine einzige Softbox (durch Transparenz angedeutet) auf das Modell.
Von oberhalb des Gesichtes scheint hier eine einzige Softbox (durch Transparenz angedeutet) auf das Modell.

Reicht die Deckenhöhe nicht aus, müsst Ihr sowohl vom Kamerawinkel, als auch von der Lichtführung Kompromisse schließen, die aber, wie hier in dem obigen Bild zu sehen ist, sehr ansprechend sein können.

So effektvoll die Lichtführung hier auch ist, so einfach ist sie aufgebaut. Softbox mit Wabe von rechts als Hauptlicht, zur Aufhellung ein Spot auf einen Silberreflektor von links. Der Reflektor setzt dabei deutliche Akzente.
So effektvoll die Lichtführung hier auch ist, so einfach ist sie aufgebaut. Softbox mit Wabe von rechts als Hauptlicht, zur Aufhellung ein Spot auf einen Silberreflektor von links. Der Reflektor setzt dabei deutliche Akzente.

In diesem Foto liegt das Modell auf einem Kissen und stützt sich mit den Ellenbogen ab. Dadurch spannen sich die Muskeln und die weiche Ausleuchtung mit einer Softbox von oben kann das Dekolletee modellieren. Der wichtige Augenreflex ist so groß und gut erkennbar.
Wird Licht gesetzt (also die Lampe oder der Blitz an der benötigen Position aufgestellt), ist nicht nur der Winkel und die Richtung wichtig, sondern auch der Abstand. Befindet sich das Modell zu nah am Licht, habt Ihr schnell Probleme mit harten Schatten und einer sehr kontrastreichen und unausgeglichenen Lichtführung.

Daher fragen Profis bei der Studiosuche immer erst nach der Deckenhöhe, bevor sie sich überhaupt das mögliche Mietobjekt anschauen. Ein wirklicher Glücksfall ist es, wenn Ihr in einer Altbauwohnung wohnt (oder zur Verfügung habt), da Ihr hier vielleicht eine Höhe von drei Metern oder mehr zur Verfügung habt.

Die Tiefe

Um eine aufrecht stehende Person komplett ohne Verzerrungen zu fotografieren, ist eine Distanz von mindestens zwei bis drei Metern sinnvoll, wenn Ihr mit einem Normalobjektiv fotografiert (35mm bei APS-C (DX) oder 50mm bei KB (FX)).

Will man die so genannte 2-zu-3-Regel einhalten (Distanz = zwei Teile vor und drei Teile hinter dem Modell), addieren sich zwei Meter vor und drei Meter hinter dem Modell bis zum Hintergrund zur benötigten Raumtiefe hinzu. Ein weiterer Meter ist sinnvoll, um sich hinter der Kamera noch bewegen zu können.

Wir reden also von einer Raumtiefe von circa sechs Metern, um eine stehende Person komfortabel zu fotografieren.

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So ungefähr (2:1 minimal – 3:2 optimal) müssen Sie die Aufteilung planen um einen Körper gut fotografieren zu können.

Aber selbst mit einer geringeren Raumtiefe ist so einiges möglich:

Kürzere Brennweiten können Euch bei der Gestaltung helfen, mit weniger tiefen Räumen auszukommen. Aber Obacht: Wird die Brennweite so kurz, dass schon deutliche Verzerrungen zum Tragen kommen, könnte das Heimstudio schnell an Attraktivität verlieren. Euer Modell wird eine Menge Humor haben müssen, um Fotos zu akzeptieren, die mit 12 mm Brennweite aus einem Meter Entfernung gemacht wurden.
Als sinnvolles Mindestmaß empfehlen wir daher eine verfügbare Raumtiefe von mindestens vier Metern.

Tipp: Manchmal hilft es übrigens, eine Tür im Rücken zu haben. Durch die Tür könnt Ihr im Notfall noch ein bis zwei Meter gewinnen und so mit längeren Brennweiten das Modell entweder komplett erfassen oder zumindest verzerrungsfrei arbeiten.

Auch hier ein einfaches Setup. Softbox für das schmeicheln des Gesichtes und ein Spot von hinten für die Haare. Dieses Portrait ist mit 75mm ein Beispiel für eine gute Brennweitenwahl. Der enge Ausschnitt verleiht dem Bild noch ein wenig mehr Spannung. Die Lichtführung in diesem ist wieder Heimstudiotypisch einfach gehalten. Softbox von rechts und Baustrahler von rechts.
Wieder ein einfaches Setup: Softbox, um mit dem weichen Licht dem Gesicht zu schmeicheln und ein Spot von hinten für die Haare. Dieses Porträt ist mit 75mm ein Beispiel für eine gute Brennweitenwahl. Der enge Ausschnitt verleiht dem Bild mehr Spannung. Die Lichtführung ist bewusst einfach gehalten und kommt so einem beschränktem Raum entgegen.  Softbox von rechts und Baustrahler von rechts.

Die Breite

Die Breite des Raumes für Euer Heimstudio ist weniger relevant. Ihr könnt Euer Modell oder Objekt im Zweifel einfach drehen, ohne den Kamerastandpunkt zu verändern.

Eine gewisse Raumbreite benötigt Ihr aber natürlich doch: Fertige Rollen mit Papierhintergründen gibt es zum Beispiel nur in den Breiten 1,35 Meter, 2,72 Meter oder 3,56 Meter. Wenn es partout nicht passen will, weil einige Zentimeter Breite fehlen: Ihr könnt die Standard-Papierhintergründe sehr leicht kürzen. Eine Feinsäge und etwas Schmirgelpapier für die ausgefranste Sägekante reichen zu Kürzung auf eine beliebige Breite schon aus.

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Vergesst bei der Planung nicht Euren eigenen Platz zum arbeiten und die Ablage für Zubehör und Kabel.

Für die Aufhängung der gekürzten Papierhintergründe an die Wand gibt es variable Papierrollenhalter oder Ständersysteme für wenig Geld im Zubehörhandel. Eine stabile Gardinenstange tut denselben Dienst. Eine alternative sind Stoffhintergründe. Im Handel bekommt Ihr oft günstig ausreichend große Restposten, die im Zweifel aneinander genäht werden müssen. Stoffe verbrauchen im Gegensatz zu Papier kaum und können gewaschen werden. Sie sind auch flexibler in den angebotenen Breiten und haben eine größere Auswahl an Farben und Mustern, bieten aber oft nicht den gewünschten glatten und faltenlosen Hintergrund.

Wenn Ihr die Wand für den Hintergrund auswählt, addiert zur Breite jeweils circa 80 cm an beiden Seiten hinzu. Diese Fläche benötigt Ihr für den Aufbau von seitlichem oder dem hinteren Licht. Vergesst bitte auch nicht die nötige Fläche für Kabel und natürlich für sich selbst.

Vorschau auf Teil 2: Das Licht

Im zweiten Teil des Artikels Heimstudio geht es um das Licht und die günstigen Alternativen zu teurem Equipment. Den zweiten Teil könnt Ihr hier lesen.

Mosaik
Im nächsten Teil des Artikels lernt Ihr eine Menge über günstiges Equipment und wo Profiequipment doch mehr Sinn macht.

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5 Kommentare

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  2. Pingback: Einführung in die Porträtfotografie

  3. Penninger
      Oktober 29, 2015 at 11:26 PM
    Kommentar bewerten

    Hier kann man ersehen, dass man mit wenig finanziellem Aufwand doch recht gute Bilder zustande bringen kann. Deshalb vielen Dank für die guten Tipps.

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