Bokeh – schön unscharf

Eine Aussage über das Bokeh eines Objektivs zu treffen, ist der Versuch, das Abbildungsverhalten im Unschärfebereich zu bewerten. Alle Aussagen über die Schönheit der Artefakte, die ein Objektiv vor oder hinter der Schärfebene produziert, sind allerdings subjektiv.

Dieser Artikel stammt aus der ColorFoto 4/2019.

Vordergrund-Bokeh: Das Bild mit Unschärfe-Scheiben (gutes Bokeh) im Vordergrund zeigt den Blick durch das Fenster in den Regenwald. An der sehr objektivnahen Fensterscheibe kleben Wassertropfen, die das Licht der Zimmerlampe reflektieren. Zum Bildrand hin werden diese Scheiben in die Länge gezogen, die Doppelkonturen sind von der Fensterscheibe verursacht. Mit Zeiss Makro-Planar T* 2/100 ZF.2, Offenblende 2.0, 1s. Foto: Maximilian Weinzierl

Bokeh ist die Bezeichnung für die Qualität des unscharfen Bereichs im Foto. Im Prinzip wird jeder Punkt außerhalb der Schärfenebene in der Bildebene als Zerstreuungskreis abge­bildet. Ein solcher Zerstreuungskreis wird erst dann deutlich als Scheibe im Bild sichtbar, wenn der entsprechende Bildpunkt heller als seine Umgebung ist, z.B. eine punktuelle Lichtquelle. Die Größe ist vom Abstand zum Motiv abhängig. Unschärfen im Bild sind also die Zerstreungskreise von jenen Punk­ten, die nicht in der Schärfeebene, son­dern davor oder dahinter liegen. Unschärfe ist ein Artefakt, das vom Objektiv erzeugt wird und das die Ka­mera abbildet. Anders als die Kamera sehen bzw. richtiger gesagt „empfin­den“ wir unsere visuelle Umwelt in al­len Regionen gleichzeitig scharf. Das ist eine Leistung unseres Sehapparats, der Zusammenarbeit von Auge und Gehirn. Unterschiedliche Objektiv­typen bzw. -konstruktionen erzeugen verschiedenartige Zerstreuungskreise bzw. ­-scheiben im Bild. Unterschiede können in Form, Färbung, Kontrast und Helligkeitsverlauf der Scheiben auftreten.

Defokussierung: Fotografiert mit dem AF-S Mikro Nikkor 2,8/105mm bei Blende 4. Mit zunehmender Defokussierung gegen unendlich bzw. zur Naheinstellgrenze des Objektivs werden die Scheiben größer und verändern ihre Lage. Gegen unendlich rücken sie zusammen, im Nahbereich streben sie auseinander. Fotos: Maximilian Weinzierl

Die Objektivhersteller sind bestrebt, möglichst Objektive mit ei­nem „schönen“ Bokeh zu konstruieren, ohne dabei Kompromisse bei der Schärfeleistung einzugehen. Sie stre­ben eine möglichst runde Abbildung an, auf der keine Blendenlamellen sichtbar werden und die weiche Kon­traste, aber möglichst keine Farbsäume an den Scheibenrändern aufweisen. Auch doppelte Konturen sind dann ta­bu. Bestimmte Objektive beziehungs­weise Objektivtypen gelten als Bokeh­ Spezialisten, weil sie für ihr besonders schönes und harmonisches Bokeh be­kannt sind, dazu gehört zum Beispiel das Zeiss Otus 1.4/85. Teils nennen die Hersteller auch für ganze Objektivrei­hen ein gutes Bokeh als wichtiges Ent­wicklungsziel wie Sony bei seinen GM­-Objektiven.

Lichtvorhang: Auf diesem Foto werden im Hintergrund die gleichmäßig ausgerichteten LEDs des Lichtpanels in geordnete Scheiben mit einer deutlichen Begrenzungslinie aufgelöst. Das Bild wurde mit dem AF-S Nikkor 2.8/300 bei Offenblende aufgenommen. Foto: Maximilian Weinzierl

 

Fazit

Bokehs sind Bilder, die mit weit geöffneter Blende entstehen und ihre Wirkung hauptsächlich durch die Bereiche deutlicher Unschärfe gewinnen. In der fotocommunity findest Du sogar eine eigene Sektion zum Thema „Bokeh“. Lasse Dich inspirieren und lade eigene Fotos hoch.

Autor: Maximilian Weinzierl

 

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8 Kommentare

  1. Wolfram Becker
      April 1, 2019 at 5:45 PM
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    Ein interessantes Thema sehr kurz angesprochen

  2. Alaska96
      März 28, 2019 at 12:42 PM
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    Ich liebe diese Bokeh-„Spielereien“!
    Über das „wie-sie-zustande-kommen“ hatte ich mir bisher keine Gedanken gemacht. Ausprobieren ist mein Ding. Und jedesmal freue ich mich, wenn dabei etwas Neues und/oder Besonderes entsteht.

  3. Wilfried Krämer
      März 27, 2019 at 12:24 AM
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    Wenn hier bemängelt wird, dass der Artikel zu wenig aussagt, kann ich nur sagen: Es gibt ja noch genügend andere Quellen, die das Thema „Bokeh“ sehr ausführlich behandeln.

  4. Gerhard
      März 27, 2019 at 12:20 AM
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    Wer Schärfe/Unschärfe liebt, weiß was Herr Weinzierl in Kürze ausdrücken will.

  5. Andreas Bracke
      März 26, 2019 at 10:16 PM
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    also, das Wort haben wir jetzt gelernt… aber sonst eigentlich eher nichts. Schade, viel zu knapp für ds interessante Thema.

  6. Jörg Mittendorf
      März 26, 2019 at 9:10 PM
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    Ein interessantes Thema, aber in diesem Artikel doch etwa zu kurz gekommen.

  7. Andreas
      März 26, 2019 at 5:57 PM
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    Schönes Thema. Leider wurde das hier nur angerissen. Hätte mir doch etwas mehr Tiefe gewünscht. Glaube mich zu erinnern, dass man in Japan/Asien generell das Bokeh genauso wichtig hält, wie den Rest des Bildes.

  8. hhtreecck
      März 26, 2019 at 5:12 PM
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    Die runden Kreise entstehen – nach meiner Erfahrung – nur bei weit offener Blende – je mehr die Blende geschlossen wird, gehen die Kreise über in polygonale, schließlich sternförmige Strukturen. Allerdings ist die offene Blende ja auch ein Mittel um möglichst geringe Tiefenschärfe zu erzeugen. Ist diese Beobachtung ein „Problem“ meiner Objektive??

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