10 Tipps, mit denen Du fotografisch sicher durch den Winter kommst

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Outdoor-Fotografieren im Winter. Schnee und Eis, Kälte und Nässe: noch lange kein Grund, die Kamera- Ausrüstung zu Hause zu lassen. Maximilian Weinzierl war auf der Suche nach winterlichen Motiven und gibt Dir Tipps, wie Du fotografisch gut durch den Winter kommst. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 03-2016.

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Grandioser Bayerwald: Tiefschnee-Aufstieg zum Gipfel des Hirschenstein. Fotografiert mit der Sony A7 II und dem Zeiss FE 24-70 mm F4 ZA OSS bei 24 mm, ISO 64, Blende 4, 1/80 s, aus der Hand. Fotograf: Maximiliam Weinzierl

Die Farben des Winters

Denke jetzt mal an eine Schneelandschaft! Du denkst wahrscheinlich unwillkürlich an etwas Weißes.

Dabei sind verschneite Landschaften in den seltensten Fällen wirklich neutralweiß. Die Bilder erscheinen rötlich warm, wenn sich die Sonne nahe am Horizont befindet, wie dieses Bildbeispiel zeigt:

Fotograf: Maximilian Weinzierl
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Es entstand am Spätnachmittag im Thingvellir National Park auf Island. Oder sie sind kühlblau, wenn die Sonne zur Mittagszeit hoch am Himmel steht; dann liefern die reflektierenden Schneeflächen aber oft zu viel Licht, Pol- oder Graufilter sind angesagt.

Fotograf: Maximilian Weinzierl
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Bei Sonnenschein ergeben sich harte Kontraste, dann solltest Du auf die weißen Stellen im Bild belichten (evtl. Bracketing-Aufnahmen) und die dunklen Partien später in der RAW-Entwicklung etwas aufziehen. Fehlende Zeichnung in weißen Flächen kann im Nachhinein nicht mehr hervorgeholt werden, dunkle Flächen etwas aufzuhellen funktioniert in der Regel besser.

Die Schneelandschaft im ersten Bild ist fast monochrom, fotografiert bei sehr weichem, neutralen Licht. Der Himmel war zur Mittagszeit im Januar mit einer relativ hellen Wolkenschicht bedeckt. Bloße Schneeflächen wirken vor Ort beeindruckend, später auf dem Bild sind sie schnell langweilig. Darum solltest Du Dein Wintermotiv überlegt gestalten:

  • Suche Strukturen und Muster
  • Setze den Vordergrund durch einen tiefen Kamerastandpunkt prominent ins Bild
  • Warte auf Lichtstimmungen

Wenn man mit offenen Augen durch den Schnee wandert, trifft man manchmal auf ganz ungewöhnliche Glücksmotive, wie diese auf einem verschneiten Acker stehengebliebenen Rosenkohlstauden, die als einsame Wächter verloren der eisigen Kälte trotzen.

Fotograf: Maximilian Weinzierl
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Muster und Strukturen in Eis und Schnee

Winterfreunden

Besonders fotogen: Kinder in farbenfroher Outdoor-Kleidung im Schnee. Die Kinder solltest Du dabei immer in Augenhöhe ablichten – dazu musst Du Dich als Fotograf schon mal in den Schnee legen.

Fotograf: Maximilian Weinzierl
Fotograf: Maximilian Weinzierl

Bei dieser Session war es allerdings so bitterkalt, dass ich den beiden, trotz aller Faxen meinerseits, kein Lächeln abgewinnen konnte.

Manche Tiere sind bei Eis und Schnee besonders zutraulich, weil sie auf Futter hoffen. Den drohenden Schwan am Seeufer habe ich mit dem Superweitwinkel am ausgestreckten Arm fotografiert; das Damwild kommt ganz nahe an den Zaun und lässt sich bereitwillig porträtieren, formatfüllend sogar mit dem Normalobjektiv.

Kälte sichtbar machen: dampfender Atem, hier von einem Pferd, im Gegenlicht gegen dunklen Hintergrund fotografiert. Teste auch mal ungewöhnliche Kameraperspektiven, zum Beispiel die Kamera an der Stange und die Übertragung des Monitorbilds auf das Smartphone: Einsichten in unzulängliche Eis- und Wasserformationen am Bach sind damit möglich – aber bitte nicht ohne Spikes an den Schuhen.

10 Tipps, wie Du fotografisch gut über den Winter kommst

1. Eine geeignete Wintertasche

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Am besten die Kamera nur zum Fotografieren aus der Tasche nehmen und danach gleich wieder einstecken. Bewährt hat sich dafür eine gut gepolsterte Umhänge-Halftertasche – quasi als Bereitschaftstasche für die Kamera mit angesetztem Objektiv. Schützt nicht nur vor Schnee und Regen, sondern auch bei einem eventuellen Sturz.

2. Filter gegen zu viel Licht

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Das gleißend helle Licht in einer Schneelandschaft ist schnell mal zu viel, um mit großen Blendenöffnungen für Unschärfe-Effekte zu arbeiten. Hier schaffen Polfilter, Graufilter (am besten variabel, um das Maß des abgehaltenen Lichts stufenlos variieren zu können) und Verlaufsfilter (für einen zu hellen Himmel) Abhilfe.

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3. Ersatzakkus am Körper tragen

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Kalte Akkus lassen schnell in ihrer Leistung nach; mehr noch, manchmal versagen sie ihren Dienst sporadisch ohne vorherige Ankündigung auf der Anzeige. Es ist deshalb sinnvoll, während längerer Fotopausen die Akkus aus der Kamera zu nehmen und am wärmenden Körper zu tragen. Ich stecke sie dazu einfach in die Hosentasche.

4. Handwärmer auch fürs Zubehör

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Diese Taschenwärmer mit einer speziellen Gelfüllung spenden nach Knicken des Metallplättchens bis zu einer Stunde Wärme. Sie können auch in die Fototasche gelegt werden und schützen hier vor allzu starker Auskühlung. Die kleinen Wärmekissen sind durch Kochen in heißem Wasser wieder aufladbar und preisgünstig im Drogeriemarkt erhältlich.

5. Foto-Handschuhe gegen kalte Finger

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Für die Kamerabedienung: Tastsensible, dünne Lederhandschuhe aus geschmeidigem Peccary oder Baumwollhandschuhe unter den Skihandschuhen. Die Skihandschuhe werden dann zum Fotografieren abgelegt. Zudem sind im Handel Sonderanfertigungen mit freien Fingerkuppen erhältlich. Ich ziehe die Baumwollhandschuh-Methode vor.

Beispiele für Fotohandschuhe

6. Ein Überzieher für die Kamera

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Obwohl die meisten Kameras abgedichtet sind, sollten sie gegen länger einwirkenden Schneefall oder Regen geschützt werden. Der Handel hält dafür verschiedene Regencapes bereit, ich verwende hier ein ausrangiertes ewa-marine UW-Gehäuse, das ich aufgeschnitten habe. Zur Not tut es aber auch eine einfache Plastiktüte.

Beispiele für Kamera-Regencapes

7. Sicherer Halt auf Eis und Schnee

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Auf vereisten Stellen am Bach oder auf dem zugefrorenen See ist Standfestigkeit gefragt, beim Fotografen wie beim Stativ. Spikes sind entweder bereits eingebaut, wie hier beim Novoflex-Stativ nach Abziehen der Gummikappen, oder als anschraubbares Zubehör lieferbar. Für die Schuhe gibt es aufziehbare Stahlnoppen.

8. Winterkleidung für das Stativ

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Die Stativfüße können auf der Schneedecke einsinken. Abhilfe schaffen schnell aufziehbare Schneeteller (Gummihalterung), hier von Gitzo. Angenehm fürs Handling bei Eiseskälte: Stativbeine mit Neoprenpolsterung, hier das TrioPod von Novoflex. Es gibt aber auch Stativbeinbezüge mit Reißverschluss.

Beispiel für einen Schneeteller

9. Nicht in der Kälte zurücklassen

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Die Ausrüstung, selbst wenn sie in einer Tasche oder einem Rucksack steckt, niemals länger als notwendig bei Minusgraden in der Kälte lassen, zum Beispiel nicht über Nacht im Auto, das im Freien parkt. Die Akkus könnten sich tiefentladen, und die gefrierende Luftfeuchtigkeit kann in der Kamera bleibenden Schaden anrichten.

10. Kamera langsam wieder aufwärmen

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Fotograf: Maximilian Weinzierl

Nach dem Outdoor-Shooting sollten Sie die ausgekühlte Kamera nicht abrupt ins Warme bringen. Kondenswasserbildung außen und innen wäre die Folge. Am besten in einen Plastikbeutel packen und langsam über verschiedene Wärmezonen akklimatisieren. Wer ganz sicher gehen will, legt noch ein Säckchen mit Trockenmittel (Silicagel) dazu.

Weitere Tipps für die Fotopraxis, Tests der aktuellen Kameramodelle und alle Neuheiten und Trends in der Fotobranche erhältst Du im monatlichen ColorFoto-Magazin.

Autor: Maximilian Weinzierl

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8 Kommentare

  1. Wolfram Becker
      Januar 16, 2018 at 4:48 PM
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    Wiedermal tolle Anregungen durch Superfotos von M Weinzierl. Danke

  2. Thomas aus Dürn
      Dezember 18, 2016 at 8:26 AM
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    ich finde die Tipps ebenfalls sehr wertvoll und denke hier wie „Fritz“ 4 Kommentare vorher.

    Habe gerade ein Problem mit Filterringen die ich nicht mehr auseinanderbekomme.

    1. Volker B.
        Januar 2, 2017 at 2:10 PM
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      Ich habe mir für die Filterringe mal – ich glaube, von Hama – extra Filter-Greifer besorgt. Aus Plastik, so schmal, dass man damit jeweils nur einen Filter fassen kann, damit ging alles auseinander.
      Leider finde ich kein Produkt im Internet…

  3.   Dezember 16, 2016 at 10:33 AM
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    Immer wieder eine Freude, die Artikel von Maximilian Weinzierl zu lesen!
    Einfach, verständlich, praktische Tipps – super! Es ist erstaunlich, wie viel man in kurzer Zeit lernen kann – bin begeistert.
    Ein dickes Lob und frohe Weihnachten.

  4. fritz
      Dezember 10, 2016 at 6:12 PM
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    danke für die guten tips,man wird so alt wie eine kuh und lernt noch immer was dazu.L.G.Fritz

  5.   Dezember 10, 2016 at 8:33 AM
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    Die Sneeteller ist ein gute idee !
    Danke,
    Kedo

  6. Irinel Ioana Kerp
      Dezember 10, 2016 at 8:21 AM
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    vielen Dank für die guten Tipps und die Links zu Amazone.
    Sehr schöne Bilder kurzen und klaren Beschreibungen – sehr gut

  7. M. Kretzschmar
      Dezember 9, 2016 at 6:19 PM
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    Vielen Dank für den schönen Beitrag mit den schönen Bildern. Die Handwärmer-Idee ist klasse und die Schneeteller hätte ich komplett vergessen.
    LG – Michael

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